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Zur RWE-Hauptversammlung malt eine Aktivistin von „Fridays for Future“ am Essener Kennedyplatz ein Bild von der Energieversorgung der Zukunft aufs Pflaster.
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Die neue Regierung muss den Klimaschutz endlich in Gang bringen, sagt Joachim Curtius - und zwar in allen Bereichen.

CO2-Emissionen

Klimaforscher Joachim Curtius: „Wir brauchen einen Turbo beim Klimaschutz“

  • Joachim Wille
    VonJoachim Wille
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Das bisherige Kabinett hat den Klimaschutz bisher verschlafen, meint Joachim Curtius. Von der neuen Regierung erhofft er sich mehr Elan bei der Energiewende.

Der wichtigste Moment beim Klimaschutz in 16 Jahren Merkel-Ära? Ist gerade erst passiert, ganz zum Ende dieser langen Regierungszeit. Es war die Verabschiedung des neuen, verschärften Klimaschutzgesetzes durch die Groko, das die Klimaneutralität der Bundesrepublik auf 2045 vorzieht und einen ambitionierten Pfad der Treibhausgas-Minderung vorschreibt. Auslöser war das wegweisende Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Klimaschutz. Das neue Gesetz geht nun endlich in die richtige Richtung.

Zur Person

Professor Joachim Curtius ist Klimaforscher an der Goethe-Universität Frankfurt

Man fragt sich allerdings, warum das nicht früher kam. Der Pariser Klimavertrag, der eine ambitionierte CO2-Minderung vorschreibt, ist ja schon 2015 verabschiedet worden. Die deutschen Emissionen sind in den gut 15 Jahren unter Kanzlerin Merkel jedenfalls nicht ausreichend schnell gesunken. Nur wegen der Corona-Lockdowns hat Deutschland sein selbstgesetztes CO2-Ziel für 2020 noch geschafft. Nun aber stellt sich natürlich die Frage: Wie können die neuen, ambitionierteren Reduktionen tatsächlich umgesetzt werden? Das ist aber nicht mehr die Aufgabe dieser Bundesregierung, sondern die der nächsten.

Stehen die Grünen für Klimaschutz? Die Bilanz in Hessen schafft daran Zweifel

Von der neuen Regierung erhoffe ich deutliche Fortschritte, in welcher Zusammensetzung auch immer, ob nun von der Union oder den Grünen geführt. Sie muss die Energiewende durch einen starken Ausbau von Solar- und Windenergie - und zwar on- und offshore - beschleunigen und die Wärme- und die Verkehrswende erst einmal richtig in Gang bringen. Das bisherige Kabinett hat zu viel Rücksicht auf die Lobbys von Industrie und Landwirtschaft genommen, das muss künftig anders werden.

Die Serie

Zur Bundestagswahl am 26. September will die FR denjenigen Gehör verschaffen, die sich auch jenseits der Parteien engagieren: für neue Formen des Wirtschaftens, die den Planeten nicht zerstören. Für wohnliche Städte, gesunde Ernährung, umweltfreundliche Mobilität. Für mehr politische Teilhabe und Gleichberechtigung.

Diese Menschen haben den Mut , auch das zu wählen, was nicht zur Wahl steht. Oft sind es nachdenklich-leise Töne, die von den Mächtigen in Politik und Wirtschaft arrogant ignoriert und von rechtspopulistischen Lautsprechern übertönt werden. Die FR-Serie „Wir können auch anders“ soll ein Verstärker für diese inspirierenden Stimmen sein.

Auch Sie, die Leserinnen und Leser, können sich an unserer Serie beteiligen. Was wäre das erste, das die nächste Bundesregierung tun sollte? Schreiben Sie Ihre Antwort in einem bis drei Sätzen auf und schicken Sie sie an bundestagswahl21@fr.de . Eine Auswahl veröffentlichen wir im Rahmen der Serie.

Die Serie geht in Sommerpause : Die nächste Folge zum Thema Feminismus erscheint am Freitag, 27. August.

Zuletzt erschienen: eine Folge zum Thema Bürgerrechte am Freitag, 9. Juli.

Alle Teile zum Nachlesen unter fr.de/bundestagswahl

Ich setze darauf, dass die Grünen, falls sie Regierungspartei werden, hier einiges voranbringen. Auch wenn, das muss man realistisch sehen, ihre Bilanzen in Landesregierungen nicht unbedingt berauschend sind. In Hessen zum Beispiel sind die CO2-Emissionen unter Schwarz-Grün, wenn man die internationale Luftfahrt ab Frankfurt einrechnet, bis 2019 fast gar nicht gesunken. Da hatte ich mehr erwartet.

Für den Klimaschutz muss der EU-Emissionshandel effektiver gestaltet werden

Klar ist: Deutschland braucht nun, weil so viel Zeit vergeudet wurde, einen Klimaschutz-Turbo. Meine Vision: Alle Maßnahmen in den vielen Bereichen, über die seit langem diskutiert wird, werden nun konzentriert angegangen. Das geht von mehr erneuerbaren Energien über Stromnetzausbau und Speicherung bis zur energetischen Gebäudesanierung, von klimagerechter Landwirtschaft über die Wiedervernässung von Mooren (bringt enorm viel!) bis zur Förderung von Bus, Bahn und Fahrrad und Zu-Fuß-Gehen.

Auch der Kohleausstieg sollte deutlich vor 2038, wie er jetzt geplant ist, abgeschlossen sein. Allerdings macht es keinen Sinn, die komplizierten Verhandlungen dazu noch einmal neu zu führen. Dieses Fass sollte nicht noch einmal aufgemacht werden. Besser wäre es, den EU-Emissionshandel effektiver zu gestalten, dann gehen die Kraftwerke automatisch früher vom Netz, weil ihr Betrieb sich nicht mehr rechnet. Mehr Kostenwahrheit würde auch den Flugverkehr klimagerechter machen, das heißt, schrumpfen lassen. Kerosin muss künftig wie Benzin besteuert werden.

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