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Klima-Protest: Experte warnt vor radikalen Tendenzen

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Von: Katja Thorwarth

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Politikwissenschaftler Straßner sieht Aktivistinnen und Aktivisten mit Skepsis – aber auch er selbst ist nicht unumstritten.

Bereits 2019 veröffentlichte der Politologe Alexander Straßner einen Gastbeitrag in der Zeitung „Welt“. „Ein Hilfeschrei der Jugend? Eher ein Vorbote extremistischen Denkens“, ist der Text übertitelt, der die „Fridays for Future“-Bewegung zum Gegenstand hat und ihr eine „Dämonisierung“ Andersdenkender unterstellt: „Die Abwertung des Gegenübers etwa als ‚alter, weißer Mann‘, den man nicht brauche, so die ‚Fridays for Future‘-Aktivistin Luisa Neubauer, ist mehr als ein Hilfeschrei der Jugend. Es ist ein Vorbote von extremistischen Denkformen“, schreibt er.

Aktuell, gut drei Jahre später, warnt Straßner mit Blick auf Blockaden von Straßen und Kohlekraftwerken erneut vor einer Radikalisierung der Klimaaktivist:innen. „Das erinnert mich frappierend an die ersten RAF-Mitglieder, die in die Illegalität gegangen sind“, sagt er in einem Interview: „Sie waren wie die Klimaaktivisten heute überzeugt: Wer nicht mitzieht, den müssen wir zwingen.“

Straßner findet, dass die Klimabewegung in Teilen Züge einer Sekte trage und einen absoluten Wahrheitsanspruch erhebe. „Die Aktivisten behaupten, für eine ganze Generation zu sprechen. So diskriminieren sie systematisch andere Meinungen, und auch das ist ein Kennzeichen einer Radikalisierung.“ Diese Argumentationslinien habe auch die Rote- Armee-Fraktion gezeigt, sagt Straßner, der als Professor an der Uni Regensburg lehrt.

Es fehlt eine Galionsfigur

Er sieht Gruppen wie „Letzte Generation“, „Ende Gelände“ und „Extinction Rebellion“ besonders kritisch. „Sie weigern sich, den parlamentarischen Weg zu beschreiten, und behaupten, dafür sei die Zeit zu knapp.“ Noch fehle es diesen Gruppierungen an einer Galionsfigur, die für Militanz stehe. Aber: „An den Rändern tummeln sich Extremisten, denen neue klimapolitische Maßnahmen nicht reichen. Für sie gibt es keine Kompromisse, sondern nur die eigenen Forderungen.“

Straßner hat über die dritte Generation der RAF promoviert; die Dissertation wurde auch kritisch besprochen. So schrieb der Soziologe Christian Hißnauer dazu: „Verschwörungstheoretikern wird immer wieder vorgeworfen, nur die Quellen und Fakten zu zitieren, die ihren Argumentationslinien nutzten und andere zu unterschlagen. Will man die dabei herauskommenden Theorien widerlegen, so ist es jedoch wenig überzeugend, wenn man ähnlich arbeitet und argumentiert.“

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