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Auf der Klimakonferenz in Madrid findet die schwedische Aktivistin Greta Thunberg erneut eindringliche Worte.

Klimaschutz

Klima: Neuer Schwung für Madrid

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Der „Green Deal“ der EU könnte die Klimaverhandlungen voranbringen, aber China bremst.

Wo sind die Anführer? Wo sind die Erwachsenen im Raum?“ fragte am Mittwoch Greenpeace-Chefin Jennifer Morgan auf der Klimakonferenz in Madrid. Diese Frage versuchte nur Stunden später die neue Chefin der EU-Kommission Ursula von der Leyen zu beantworten: in Brüssel, wo sie Europas neue Klimastrategie vorstellte. Für Madrid kommt diese keinen Moment zu früh, meint Michael Schäfer vom WWF: „Aus Madrid betrachtet, ist der European Green Deal das so dringend benötigte Aufbruchsignal.“

Das sehen längst nicht alle so. Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg, die am Mittwoch als jüngste Persönlichkeit überhaupt vom „Time Magazine“ zur Person des Jahres gekürt wurde, hatte wenige Stunden vor der „Time“-Bekanntgabe eine Rede auf der Konferenz in Madrid gehalten. Darin kritisierte die junge Schwedin die Regierungen wohlhabender Staaten für ihre Untätigkeit im Kampf gegen den Klimawandel scharf. In einer auf wissenschaftliche Daten zu CO2-Emissionen und die Erderwärmung gestützten Rede legte sie eindringlich die Fakten zu den Folgen dar, sollten die Ziele des Pariser Abkommens zur Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad verfehlt werden.

Greta Thunberg: „Aber es gibt Hoffnung, ich habe es gesehen“

„Jeder Bruchteil eines Grades zählt“, sagte Thunberg. Die eigentliche Gefahr sei nicht die Untätigkeit der für die Krise verantwortlichen Regierungen und Unternehmen, „sondern die Tatsache, dass Politiker und Konzernchefs es so aussehen lassen, als würden sie etwas tun“. Das Jahrzehnt, das in nur drei Wochen beginne, „wird unsere Zukunft definieren“. Die Menschen bräuchten jetzt unbedingt ein Zeichen der Hoffnung. „Aber es gibt Hoffnung, ich habe es gesehen – aber sie kommt nicht von Regierungen und Konzernen, sondern vom Volk.“

Kritisch äußert sich auch Michael Schäfer vom WWF. Er hat Zweifel am Zeitplan der EU-Kommission. Diese will ihr neues Klimaziel erst „im Sommer 2020“ veröffentlichen. „Die EU muss den Prozess zur Erhöhung ihres Klimabeitrags bis 2030 dabei so gestalten, dass sie weitere G20-Länder mitnehmen kann – also schnell“. Dabei geht es insbesondere um China. Im September 2020 findet in Leipzig der EU-China-Gipfel statt. Idealerweise würden beide Seiten dort neue Klimaziele ankündigen. Dafür muss die EU aber erst ihr eigenes Ziel verabschieden, um dann Druck auf China machen zu können.

„Greta Thunberg ist die überzeugendste Stimme zur wichtigsten Angelegenheit unseres Planeten geworden.“

Was passiert, wenn kein Land die Möglichkeit hat, Druck auf Peking auszuüben, zeigt sich derzeit in Madrid – an Tabellen. Da klingt skurril, hat aber ernsthaft Auswirkungen auf den Kampf gegen die Klimakrise. Eigentlich wurden bei der Klimakonferenz letztes Jahr in Katowice fast alle Kapitel der Bedienungsanleitung für das Paris-Abkommen verabschiedet. Doch einige Details sollte die diesjährige Konferenz in Madrid nachreichen. Dazu gehören die Tabellen, mit denen die Länder berichten sollen, um wie viel sie die verschiedenen Treibhausgase in den verschiedenen Sektoren gesenkt haben. „Die Regeln zur Transparenz sind die Kronjuwelen des Paris-Abkommens“, sagt Franz Perrez, der Leiter der Schweizer Delegation. Denn während die Klimapläne von den Ländern in Eigenregie entwickelt werden, gelten die Transparenzregeln für alle gleich.

Doch beim Beschluss zu den Berichtstabellen gelang keine Einigung. Eine bemerkenswerte Koalition aus den USA, der EU, der Schweiz, den Inselstaaten, den ärmsten Ländern, den fortschrittlichen, lateinamerikanischen Ländern sowie Kanada, Australien, Japan und Norwegen wollte die Verhandlungen daher fortsetzen. Doch ein Land wollte nicht. „Am Schluss war China allein“, berichtet Perrez von der entscheidenden Nachtsitzung.

Und dabei blieb’s. Die Tabellen werden nun frühestens bei der Klimakonferenz nächstes Jahr in Glasgow verabschiedet. Das bleibt nicht ohne Folgen: Wie immer bei Klimakonferenzen hängt auch in Madrid alles mit allem zusammen. „Ich fürchte, dass das Konsequenzen für andere Themen haben wird“, sagt Perrez. „Es könnte zu einem Domino-Effekt kommen, bei dem man nicht weiß, wann er stoppt.“ Die große Frage sei, ob schließlich auch die Verhandlungen über die Kohlenstoffmärkte in Mitleidenschaft gezogen würden, das wichtigste Thema in Madrid.

Die Tabellen sind allerdings nicht das einzige Thema, das die Klimadiplomaten nicht lösen konnten und an die Minister weitergeben mussten. Bei 20 von insgesamt 35 Agendapunkten gelang keine Einigung.

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