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Klimakiller Militär? Wie die deutsche Bundeswehr grüner werden kann

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Von: Bona Hyun

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Soldaten der deutschen Bundeswehr
Die Bundeswehr will klimaneutraler werden. Doch bei der Umsetzung einiger Ansätze könnte es haken. © Frank Hormann/dpa

Die Bundeswehr will klimaneutraler werden. Auch die Bundesregierung ist hierbei gefragt. Doch bei der Umsetzung einiger Ansätze könnte es haken – warnen Experten.

Berlin – Die Bundeswehr stand häufig in der Kritik, weil sie ihre Klimaziele verfehlte. Das soll sich nun ändern: Die Bundeswehr möchte grüner werden. Allerdings seien für die Strategie und Umsetzung langfristig auch „mehr politische und öffentliche Unterstützungen“ erforderlich, sagt Dr. Hans-Jochen Luhmann vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie zu fr.de von Ippen Media. Besonders die Umstellung auf klimaneutrale Gerätschaften könnte die Bundesregierung und die Bundeswehr vor Herausforderungen stellen.

Wie umweltschädlich ist das Militär? Berichterstattung zur CO₂-Emission der Bundeswehr unvollständig

Besonders bei der militärischen Mobilität, also der Nutzung aller Systeme zu Wasser, zu Lande und in der Luft, wurde kürzlich ein Anstieg der CO₂-Ausstoß der Bundeswehr erfasst. Im Ganzen seien die Emissionen im Inland 2021 auf 1,71 Mio. Tonnen gestiegen, so Luhmann. Laut dem Experten ist die Berichterstattung zur CO₂-Emission allerdings unvollständig. „Meines Erachtens fehlt die Berichterstattung zur Emission aus der Landnutzung, wie Truppenübungen. Das ist noch ein bisschen ausgeklammert“, sagte Luhmann. Selbiges gelte für die Berichte zur Emission der Auslandseinsätze.

Trotzdem betont der verteidigungspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Alexander Müller, vor dem Hintergrund der umweltschädlichen Auswirkungen des Militärs: „Sicherheit und wirtschaftlicher Erfolg sind Grundlagen für aktiven Klimaschutz (...). Insofern ist eine gut ausgerüstete Landes- und Bündnisverteidigung fähige Bundeswehr zur Bewältigung des Klimawandels wichtig“, sagte Müller zu fr.de von Ippen.Media.

Wird es klimaneutrale Kampfgeräte geben? Klimaforscher hält Umsetzung für „anspruchsvoll“

Die Bundeswehr ist als offizieller Teil des Klimaschutzgesetzes der Bundesregierung mit verpflichtet, die Emission bis 2045 auf null zu reduzieren. In ihrem jüngsten Nachhaltigkeitsbericht hat die Bundeswehr Ansätze dafür vorgestellt. Wo es überall möglich ist, sollen fossile Brennstoffe durch alternative Energieträger ersetzt werden. Unter anderem bei den Einsatzcamps in Mali erzeuge die Bundeswehr zehn Prozent des dort produzierten Stromes bereits durch erneuerbare Anleger, so Luhmann. Dass man den bislang verwendeten Diesel-Treibstoff für die Stromerzeugung vor Ort vermindert oder langfristig sogar auf null reduziert, sei noch „relativ einfach“, sagt Luhmann.

Ob solch eine Umstellung auch für den Antrieb von Kampffahrzeugen infrage kommt, hält Luhmann in der Umsetzung für „anspruchsvoller“. „Ich kann noch nicht sehen, dass das wirklich gelingt“, sagt Luhmann. Auch Müller sieht die Herausforderung darin, die Gerätschaft klimaneutral zu betreiben. „Bis der Eurofighter mit synthetischem CO₂-neutralem Kerosin fliegt, benötigt es noch einige Innovationen“, so Müller gegenüber fr.de von Ippen Media.

Klimaforscher fordert mehr Unterstützung der Politik – FDP-Sprecher: „Bundesregierung tut viel“

Die Politik müsse laut Luhmann wahrnehmen, dass die Bundeswehr einen hohen Nutzen hat aus der Klimaneutralität. Das sei vor dem Hintergrund wichtig, um erforderliche Investitionsmittel auf den Weg zu bringen – beispielsweise für die klimaneutrale Sanierung von Gebäuden. Auch FDP-Sprecher Müller räumt ein, dass Deutschland Tempo nachlegen müsste, insbesondere im Bereich der energetischen Sanierung und allem genehmigungspflichtigen Maßnahmen. „Daran arbeiten wir mit Hochdruck“, so Müller. Zudem tut die Bundesregierung laut Müller bereits viel, um CO₂ Äquivalente auch bei der Bundeswehr einzusparen.

Die Bundeswehr selbst gab an, dass bei der Energiegewinnung aus erneuerbaren Anlagen eine positive Entwicklung sieht. Laut Angaben der Bundeswehr lag 2019 der Anteil des Stroms aus erneuerbaren Energiequellen (EE) bei über 61 Prozent, beim Gesamtenergieverbrauch liegt er bei fast 25 Prozent. (bohy)

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