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Jens Spahn hat als Gesundheitsminister bewiesen, dass er ein schwieriges Ressort leiten kann.

Ministerposten

Kleine Lösung, große Lösung?

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Spekulationen um die Nachfolge Ursula von der Leyens im Verteidigungsministerium.

Im sechsten Stock des Bundeskanzleramts fällt der Blick natürlich zunächst einmal auf Ursula von der Leyen. Die Verteidigungsministerin strahlt am Tag nach ihrer Nominierung als Präsidentin der Europäischen Kommission. Und auch die Kanzlerin scheint bei der Kabinettssitzung am Mittwoch bestens gelaunt zu sein. Neben von der Leyen steht der Mann, um den sich im Moment viele Spekulationen ranken: Jens Spahn. Der 39-Jährige, so eine Theorie im Berliner Regierungsviertel, wäre als Nachfolger im Bundesverteidigungsministerium bestens geeignet. Weil er als Macher gilt, und weil es ihm gelungen ist, auf dem schwierigen Feld der Gesundheitspolitik Positiv-Botschaften zu setzen.

Spahn verfügt nicht über eigene Erfahrungen in der Bundeswehr – 1999 wartete er vor seinem Studium auf den Einberufungsbescheid, wurde dann aber ausgemustert. Was ihn aber nicht für den Job als Verteidigungsminister disqualifizieren würde. Ob jemand Wehrdienst geleistet hat oder nicht, darauf kommt es seit längerem nicht mehr an. Wichtiger sind Qualitäten als Krisenmanager.

Angela Merkel gilt als Freundin kleiner Lösungen, wenn es um Neubesetzungen im Kabinett geht. Vor umfangreicheren Minister-Rochaden ist die Kanzlerin immer zurückgeschreckt. Doch diesmal könnte es angesichts der Ausgangslage anders sein. Es gilt, eine Frau zu ersetzen – und zwar idealerweise durch eine Frau.

Doch gibt es unter den Unions-Verteidigungspolitikern im Bundestag keine Frau, die für ministrabel gehalten wird. Genannt werden in Zusammenhang mit der Nachfolge von der Leyens ausschließlich Männer: Fraktionsvize Johann Wadephul, Verteidigungsstaatsekretär und Ex-CDU-Generalsekretär Peter Tauber oder Henning Otte, der verteidigungspolitische Sprecher der Unionsfraktion. Das große Aufbruchssignal wäre mit ihrer Nominierung kaum verbunden.

Und wie wäre es mit der CDU-Vorsitzenden? Annegret Kramp-Karrenbauer ist längst Generalistin. Zur Frage eines möglichen Wechsels ins Bundeskabinett meldete sie sich jedoch bereits zu Wort, als von der Leyens Nominierung beim Europäischen Rat noch gar nicht erfolgt war. „Ich habe mich bewusst entschieden, aus einem Staatsamt in ein Parteiamt zu wechseln. Es gibt in der CDU viel zu tun“, so „AKK“.

Hört man tiefer in die Union hinein, so wird nicht ausgeschlossen, dass Merkel und AKK diesmal auf eine größere Lösung setzen könnten: Etwa, indem sie der CSU das Verteidigungsministerium anbieten. Im Gegenzug müsste dann jedoch ein Christsozialer weichen. In diesem Zusammenhang wird der Name von Bundesinnenminister Horst Seehofer genannt, der an diesem Donnerstag 70 Jahre alt wird.

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