1. Startseite
  2. Politik

Der Kleiderbügel geht viral: Ein oft unbewusster Kampf für Frauenrechte

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Tatjana Coerschulte

Kommentare

Kleiderbügel
Der Kleiderbügel ist auf Demonstrationen zum Symbol für das Recht auf Abtreibung geworden. © Sachelle Babbar / Imago Images

Ein Tik Tok-Trend präsentiert das Symbol des Kampfes für Frauenrechte – nicht allen Nutzerinnen ist das aber bewusst

Frankfurt – Nicht jede weiß, was sie da tut: Auf der Social Media-Plattform Tik Tok sind derzeit Videos im Trend, in denen junge Frauen in wechselnden Kleidungsstücken auf Stühlen posieren und dabei Kleiderbügel in die Höhe recken. Unter anderem zu einem Billie Eilish-Mix „My body, my choice“ räkeln sich einige Nutzerinnen, spreizen die Beine und skandieren den Songtext.

Einigen Frauen ist aber offenkundig nicht bewusst, dass sie ihren Videos gerade für Frauenrechte kämpfen. Denn bei den Filmen ging es anfänglich nicht etwa um Mode oder Make up: Die Videos, die zum Mitmach-Trend geworden sind, sollten ein Protest sein gegen den aktuellen Rückschritt beim Abtreibungsrecht in den USA. Nachdem dort kürzlich der Oberste Gerichtshof das grundsätzliche Recht auf Schwangerschaftsabbruch gekippt hat, haben einige US-Bundesstaaten Abtreibungen bereits verboten oder stark eingeschränkt. Andere Bundesstaaten haben angekündigt nachzuziehen.

Tik Tok-Trend: Kleiderbügel als Symbol für das Recht auf Abtreibung

Kleiderbügel waren ebenfalls bei den jüngsten Demonstrationen gegen die Gerichtsentscheidung in den USA zu sehen: Der Alltagsgegenstand ist – auch in Europa – ein Symbol für das Recht auf Abtreibung geworden. In früheren Jahrhunderten versuchten ungewollt schwangere Frauen manchmal, mithilfe eines Kleiderbügels oder eines anderen spitzen Gegenstands die Fruchtblase zu zerstören, um eine Fehlgeburt herbeizuführen.

Auch heute soll diese Vorgehensweise in Ländern mit restriktivem Recht angewendet werden, Diese illegale Methode ist allerdings so gefährlich, dass sie zum Tod oder schweren inneren Verletzungen führen kann. Es soll noch immer zu Todesfällen durch solche Manipulationen im Unterleib kommen – weil ungewollt schwangere Frauen keinen anderen Ausweg sahen oder erhielten.

Dass dieser ernste Hintergrund offenkundig nicht allen jungen Frauen klar ist, die derzeit in Sweater und Abendkleid bei Tik Tok einen Kleiderbügel präsentieren, hat Kritik unter anderem von der Beratungseinrichtung Pro Familia hervorgerufen. Einige Tik Tok-Nutzerinnen haben inzwischen eingeräumt, dass ihnen nicht bewusst gewesen sei, mit ihren Videos für das Recht auf Abtreibung einzustehen. Andere junge Frauen haben ihren Filmen entsprechende Erläuterungen angefügt. (coe)

Auch interessant

Kommentare