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Meister des klugen Balanceakts: Bischof Georg Bätzing.

Katholiken

Klar in der Sache, weich im Ton: Georg Bätzing führt die Deutsche Bischofskonferenz

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Der Limburger Bischof Georg Bätzing ist nun Vorsitzender der katholischen Deutschen Bischofskonferenz. Und will den Reformweg weiter beschreiten.

Eines machte Georg Bätzing gleich klar: Er steht für Kontinuität, er steht für den „Synodalen Weg“, den von Bischöfen und katholischen Laien gemeinsam beschlossenen Reformprozess. Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, der Münchner Kardinal Reinhard Marx, hatte begonnen, diesen Weg zu beschreiten, sein Nachfolger Bätzing, Bischof von Limburg, folgt ihm nach.

Am Dienstagvormittag hatten die 68 Diözesan- und Weihbischöfe den 58-Jährigen auf ihrer Frühjahrsvollversammlung gewählt. Marx hatte im Februar überraschend auf eine zweite Amtszeit verzichtet hatte.

Kollegen und Katholiken ließ Bätzing sodann wissen, er finde „die Akzente des Synodalen Wegs“ – unter anderem geht es um Macht- und Gewaltenteilung, um die Rolle der Frauen in der katholischen Kirche, den Zölibat und die katholische Sexualmoral – „richtig gesetzt“. Es gebe klaren „Veränderungsbedarf“ in der Kirche. Als eine seiner Hauptaufgaben bezeichnete es Bätzing, die Bischöfe angesichts „sehr disparater Meinungen“ und „auseinanderklaffender“ Positionen wieder näher zusammenzurücken. Es habe bislang „am Gespräch gefehlt“, monierte Bätzing. Daher müsse auch die Arbeitsweise der Konferenz überdacht werden.

Beim „Synodalen Weg“ führte Bätzing bisher das stark umstrittene Forum zur Sexualmoral. Dessen Co-Leiterin Birgit Mock lobte Bätzings Stil im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ in den höchsten Tönen: Er sei „die perfekte Wahl“. Und sie erinnerte daran, dass Bätzing bereits aus seinem Heimatbistum Trier „umfassende Erfahrungen mit partizipativen Formaten“ mitbringe.

In Mainz stellte Bätzing auch die Bedeutung der Ökumene heraus. „Nur gemeinsam, konfessionsübergreifend“ könnten die Kirchen in der Gesellschaft Wirkung haben. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, formulierte es in seinem Glückwunsch an Bätzing fast genauso. 2021 ist Bätzing Mitgastgeber des Dritten Ökumenischen Kirchentags in Frankfurt, das in seinem Bistum Limburg liegt.

Der in Rheinland-Pfalz geborene Geistliche trat im Hessischen 2016 an die Stelle von Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. Der hatte sein Bistum, aber auch die ganze deutsche Kirche mit der extravaganten Renovierung seines Bischofshauses in eine der vielen Krisen der jüngeren Zeit gestürzt.

Wegen seiner ausgleichenden, kommunikativen Art ging Bätzing schon als Mitfavorit in die Vorsitzendenwahl. Dem Vernehmen nach hatte sich eine Reihe von Bischöfen aus dem Südwesten vorab auf ihn verständigt. Die Amtsübernahme beschrieb der neue Vorsitzende betont unprätentiös: „Man nimmt seine Tasche, der Kardinal rückt einen Platz weiter nach rechts, dann nimmt der Vorsitzende Platz und versucht, die Tagesordnung weiterzuverfolgen.“

In seine Tasche muss Bätzing nun diverse Aktenpacken stopfen: Eine Einigung über Entschädigungen für Missbrauchsopfer steht aus, ebenso die weitere Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs im Raum der katholischen Kirche mit den dazu gehörenden Konsequenzen. Vermittelnd muss Bätzing in Richtung Rom wirken, wo die deutschen Reformdiskussionen zum Teil mit großem Misstrauen, wenn nicht Widerwillen verfolgt werden. Für Rom sei es eine Chance, von den Diskussionen in Deutschland zu erfahren, sagte Bätzing. „Die Weltkirche verdient es, diese zu hören.“

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