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Kirill I. ist ein großer Fan des russischen Präsidenten Putins.
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Kirill I. ist ein großer Fan des russischen Präsidenten Putins.

Russland

Kirills Leidenschaft für Putin

  • Christian Esch
    VonChristian Esch
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Das russisch-orthodoxe Oberhaupt Kirill I. strahlt mehr Macht als Spiritualität aus. Er rückt die Kirche in eine gefährliche Nähe zum Staat und ruft offen zur Wahl Wladimir Putins auf.

Manchen ist das Priesteramt in die Wiege gelegt. Patriarch Kirill von Moskau und ganz Russland jedenfalls bastelte sich schon als kleiner Junge aus Tortenschachteln eine Priesterhaube und konnte mit fünf Jahren die ganze Liturgie auswendig. Kein Wunder, schließlich waren sowohl Vater als auch Großvater selbst Priester, und das in einem Staat, der Religion ablehnte. Beide hatten Jahre in Stalins Lagern verbracht.

Der kleine Wladimir Gundjajew, so sein weltlicher Name, 1946 im von der Hungerblockade entkräfteten Leningrad geboren, konnte seinen Traum erfüllen. 2009 wurde er Kirill I. Patriarch von Moskau und ganz Russland. Er ist damit zwar nicht formal, wohl aber faktisch das mächtigste Oberhaupt der Orthodoxen Christen: 150 Millionen Gläubige hat das Moskauer Patriarchat, jedenfalls nach eigener (großzügiger) Schätzung. Wenn er auf Kuba mit dem Papst zusammentrifft, ist das die erste Begegnung dieser Art seit mehr als vier Jahrhunderten, seit es ein Moskauer Patriarchat gibt.

Treffen mit Papst in Kuba

Dass ausgerechnet Kirill diesen Schritt tut, hat seine Logik. Schon am Leningrader Priesterseminar geriet er unter den Einfluss eines Mannes, der Moskau und Rom zusammenbringen wollte: Metropolit Nikodim. Er war es, der dem jungen Gundjajew den geistlichen Namen „Kirill“ gab, ihn an sich band und als Vertreter zum Weltkirchenrat in Genf entsandte, ein seltenes Privileg zu Sowjetzeiten. Seither galt Kirill als Anhänger der Ökumene, ein in der Kirche gefährlicher Ruf. Als Nikodim 1978 ausgerechnet im Rom während einer Audienz bei Papst Johannes Paul I. starb, sahen seine Feinde darin Gottes Strafe für seinen Umgang mit Häretikern.

Schon mit 28 Jahren wurde Kirill Rektor der Leningrader Geistlichen Akademie, die Perestrojkajahre erlebte er als Metropolit von Smolensk in der Provinz; Dutzende ausgediente Trabis aus der DDR besorgte er damals den Dorfpriestern. Später wurde er, wie einst sein Gönner Nikodim, Chef der „Abteilung für äußere Kirchenbeziehungen“, sozusagen Außenminister des Patriarchats. Es waren wilde Zeiten: Die Kirche war vom Joch des Kommunismus befreit, aber den Versuchungen des Raubtierkapitalismus ausgesetzt. Sie finanzierte sich über den zollfreien Import von Tabak und Alkohol.

Anders als Patriarch Alexij II., der 2008 starb, und anders auch als Papst Franziskus strahlt der fernsehgewandte Kirill mehr Machtwillen als Spiritualität aus. Er redet wie ein Politiker und hat die Kirche in eine gefährliche Nähe zum Staat gerückt. Er rief offen zur Wahl Putins auf und schwärmte, Putin sei von Gott gesandt und habe „die schiefe Kurve der russischen Geschichte begradigt“. Das Spottlied, das die Feministinnen von „Pussy Riot“ 2012 in der Moskauer Kathedrale sangen, nahm eben dieses Bündnis von Kreml und Kirche aufs Korn. Es verletzte Kirill tief.

Auch das Treffen in Kuba nützt Kreml und Kirche zugleich. Der Patriarch sieht im Papst einen Bündnispartner im Kampf für verfolgte Christen des Orients und gegen westliche Säkularisierung; außerdem droht dem Patriarchen wegen des Ukraine-Konflikts ein Abfall seiner Gläubigen dort, da sind gute Beziehungen zur Konkurrenz wichtig. Der Kreml wiederum ist international isoliert. Mit Kirills Hilfe kann er sich als Beschützer der Christenheit in Syrien und als Wahrer traditioneller Werte in Europa geben.

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