+
Kardinal Reinhard Marx.

Bischofskonferenz

Kirchenführer gesucht

  • schließen

Anfang März wird der neue Vorsitzende der Bischofskonferenz gewählt.

Die katholische Kirche ist eine absolute Monarchie. Ein bisschen höfisch geht es demzufolge auch in der Deutschen Bischofskonferenz zu. In ihren Vollversammlungen sitzen die Kardinäle und Erzbischöfe an einem eigenen Vorstandstisch. Ihnen gegenüber sind die Ortsbischöfe gruppiert, dann folgen ihre Helfer, die Weihbischöfe – beide Rangstufen streng nach Dienstalter sortiert. „Je weiter man aufrückt, desto näher ist man dem Tod“, sagte einmal ein junger Bischof mit gelindem Schauder und wunderte sich, wie hierarchisch, steif und unkommunikativ die Treffen abliefen.

Auf seine Weise war Reinhard Kardinal Marx als Vorsitzender genau der Richtige für dieses Format. Raumgreifend, barock, bisweilen auch polternd habe er immer agiert. „Wie der Senior einer Studentenverbindung“, sagt einer, der die Konferenz gut kennt. Umgekehrt zog er damit auch Unmut und Widerstände auf sich. Eine Gruppe jüngerer Bischöfe drängte zuletzt massiv darauf, dass Kardinal Marx die Versammlungsleitung delegieren solle. Manche nahmen das als Machtprobe wahr.

Hätte Marx also Anfang März um seine Wiederwahl bangen müssen? Kaum.

Eine solche Palastrevolution hätte die Mehrheit der Bischöfe dann wohl doch gescheut – angesichts des gewaltigen Problemdrucks, angefangen beim Missbrauchsskandal und der ungeklärten Entschädigungsfrage bis hin zu heftigen Flügelkämpfen. Da Marx seinen Verzicht auf eine zweite Amtszeit erst kurz vor der Wahl bekanntgab, bleibt für Nachfolge-Aspiranten und ihre Unterstützer nur wenig Zeit, sich zu organisieren. Das macht die Sache spannend.

Wenn die knapp 70 Bischöfezu ihrer Frühjahrsvollversammlung vom 2. bis 5. März in Mainz zusammentreffen, könnte es am ersten Abend allenfalls einen informellen Austausch darüber geben, was für ein Profil der Nachfolger von Reinhard Kardinal Marx haben sollte und was die größten Herausforderungen für ihn und die Kirche in Deutschland sind. Dem Vorsitzenden einer Bischofskonferenz kommt eine administrative und moderierende Rolle zu.

Jeder Bischofbleibt in seinem Bistum autonom. Wählbar sind alle 27 Ortsbischöfe (derzeit sind es wegen der Vakanz in Augsburg nur 26). Zusätzlich haben auch alle Weihbischöfe aktives Stimmrecht. Da sie mit gut 40 in der Mehrheit sind, kommt es vor allem auf ihre Stimmen an. In den ersten beiden Wahlgängen ist eine Zweidrittelmehrheit erforderlich, danach genügt die einfache Mehrheit. Die Amtszeit beträgt sechs Jahre. Eine einmalige Wiederwahl ist möglich. 

mit kna

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion