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Kirchen geben ihre Steuermehreinnahmen weiter

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Von: Peter Hanack

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Die Kirchen wollen nicht von der Gaskrise profitieren. Steuermehreinnahmen geben sie deshalb an Bedürftige weiter.
Die Kirchen wollen nicht von der Gaskrise profitieren. Steuermehreinnahmen geben sie deshalb an Bedürftige weiter. © dpa

Wegen der staatlichen Energiepreispauschale rechnen Katholiken und Protestanten mit mehr Einnahmen aus der Kirchensteuer. Das Geld wollen sie Bedürftigen zugute kommen lassen.

Die beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland wollen die zusätzliche Kirchensteuer, die sie durch die staatliche Energiepreispauschale einnehmen werden, Bedürftigen zukommen lassen. Das haben die Deutsche Bischofskonferenz und die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) mitgeteilt.

300 Euro will der Bund von September an an alle Arbeitnehmer:innen auszahlen. Diese Energiepreispauschale soll den Empfänger:innen helfen, die steigenden Kosten zu bewältigen. Da die Pauschale aber versteuert werden muss, wird für Mitglieder der katholischen und evangelischen Kirche automatisch auch Kirchensteuer fällig.

„Kein Profit aus der Krise“

„Wir wollen aus dieser für viele Menschen sehr schwierigen Situation mit steigenden Energiepreisen und hoher Inflation keinesfalls Profit schlagen“, erklärte dazu Volker Jung, Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) am Donnerstagabend am Rande eines Empfangs in Frankfurt. Ohnehin würden durch die Krise die wirtschaftlich-sozialen Gegensätze in der Gesellschaft verstärkt.

Die Kirchen seien deshalb überein gekommen, die Mehreinnahmen aus der Kirchensteuer Menschen zukommen zu lassen, die durch die steigenden Energiepreise besonders belastet seien. Dies solle möglichst unmittelbar und unbürokratisch geschehen. Eine entsprechende Empfehlung gaben die Bischofskonferenz und die EKD an die katholischen Bistümer und die evangelischen Landeskirchen. Von dort kamen bereits Signale, der Empfehlung folgen zu wollen.

In Hessen will die EKHN das Geld über ihr Hilfswerk, die Diakonie, an Bedürftige auszahlen lassen. Jung schlug vor, dafür zunächst einen Fonds aufzulegen, damit zügig mit den Auszahlungen begonnen werden könne – und nicht erst dann, wenn tatsächlich die Kirchensteuern gezahlt worden seien.

Bis zu 100 Millionen Euro

Um wie viel Geld es sich insgesamt schätzungsweise handelt, gaben die Kirchen nicht bekannt. Für die EKHN, die rund 1,4 Millionen Mitglieder hat, geht Jung von Mehreinnahmen in Höhe von zwei bis vier Millionen Euro aus. Insgesamt nahm die EKHN zuletzt 551 Millionen Euro Kirchensteuer ein.

Alle evangelischen Landeskirchen in Deutschland kommen zusammen auf etwa das Zehnfache, als 5,6 Milliarden Euro. Die Kirchensteuereinnahmen der katholischen Bistümer lagen 2020 bei 6,4 Milliarden Euro. Überschlägig ergeben sich daraus Mehreinnahmen an Kirchensteuer aus der Energiepreispauschale von 50 bis 100 Millionen Euro bundesweit.

Siehe Kommentar „Immerhin ein starkes Symbol“

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