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Seehofer auf dem Katholikentag 2014: Der inhaltliche Kurs und auch die Rhetorik des CSU-Chefs ruft in den Kirchen Widerstand hervor. (Archivbild)

Horst Seehofer

Kirche erinnert CSU an das "C"

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Das C in CSU soll für "christlich" stehen. Doch der Kurs von Parteichef Horst Seehofer in der Flüchtlingspolitik löst bei vielen Kirchenvertretern Protest und Empörung aus. 45 Ordensobere schreiben dem bayerischen Ministerpräsidenten einen offenen Brief. Und das ist noch nicht alles.

Von der SPD sagt man häufig, dass es für sie in der Flüchtlingskrise besonders schwierig sei. Weil zu ihrer potenziellen Wählerschaft viele gehören, die großen Wert auf eine großzügige Willkommenskultur legen. Aber auch viele, die etwa in den großen Städten mit den Folgen der Zuwanderung direkt zu tun haben. Und die vor diesen womöglich Angst haben.

Nun stellt sich heraus: Auch für CSU-Chef Horst Seehofer – der sich stets darauf beruft, mit seinem harten Kurs die Meinung von Parteibasis und Wählerschaft zu vertreten – ist die Sache nicht unkompliziert. Denn für ihn gilt ja letztlich das, was Herbert Grönemeyer vor vielen Jahren in einem kritischen Lied über die Unions-Parteien gesungen hat: „Das C strahlt über uns riesengroß.“ Das C, das für christlich steht.

Der inhaltliche Kurs und auch die Rhetorik Seehofers ruft in den Kirchen Widerstand hervor. So haben sich 45 Ordensobere der katholischen Kirche in einem offenen Brief direkt an Bayerns Ministerpräsidenten gewandt. „Wir appellieren an Sie, unbedingt von einer Rhetorik Abstand zu nehmen, die Geflüchtete in ein zwielichtiges Licht stellt“, heißt es in dem Brief. Und weiter: „Wir plädieren vielmehr dafür, die Geflüchteten zuerst als Menschen zu sehen, die als Schwestern und Brüder zu uns kommen und unsere Solidarität brauchen.“

Mirjam Schambeck, eine der Initiatorinnen des offenen Briefes, sagte der Frankfurter Rundschau, sie gehe davon aus, dass unter den Unterzeichnern des Briefes nicht wenige sind, die üblicherweise mit der CSU sympathisierten. „Das Christliche und das Soziale ist uns wichtig. Dabei geht es nicht zuletzt darum, die Politik von den Bedürftigen her zu entwickeln“, erklärte sie. Sie könne aber nicht erkennen, dass Seehofer diesen Ansatz gerade in den Vordergrund rücke.

Auch de Maizière kommt bei der Kirche nicht gut an

Die Franziskaner-Schwester hält den Ansatz, jetzt den Familiennachzug zu begrenzen, für falsch. „Die Menschen kommen nicht hierher, um Urlaub zu machen. Sie kommen aus existenzieller Not heraus“, sagte Schambeck. Deutschland müsse sich daran messen lassen, dass es diesen Menschen ein Zuhause gebe. Sie verweist ausdrücklich auf den heiligen Martin, der ja auch seinen Mantel geteilt habe. „Und der hatte hinterher immer noch genug.“ Mit dieser Haltung dürfte sie auf einer Linie mit Papst Franziskus liegen, der ja mit großer Entschiedenheit den Einsatz für die Armen fordert.

Nicht nur für die CSU, sondern auch für die CDU liegt in der Flüchtlingsfrage ein erhebliches Konfliktpotenzial im Verhältnis zu den Kirchen. So haben sich die Kirchen gegen die von Innenminister Thomas de Maizière (CDU) vorangetriebene Herabstufung des Schutzstatus’ syrischer Flüchtlinge ausgesprochen. Sie sei „nicht akzeptabel“, sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm. Und er äußerte sich dabei nach eigenen Angaben in Rücksprache mit dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, im Namen beider christlichen Kirchen.

Allerdings gibt es darüber, wie das Wort christlich auszulegen ist, schon mal unterschiedliche Auffassungen. Eine uneingeschränkte Aufnahme sei „nicht christlich, weil sie unser gesamtes Allgemeinwesen überfordern würde, sagte Alois Glück (CSU), Präsident des Zentralkomitees der Katholiken, dem „Tagesspiegel“. Der Grünen-Politiker Volker Beck sagte dazu, die jüdisch-christliche Botschaft habe er immer anders verstanden. „In Leviticus 19 Vers 34 heißt es: Der Fremde, der sich bei euch aufhält, soll euch wie ein Einheimischer gelten, und du sollst ihn lieben wie dich selbst“, zitiert er aus der Bibel.

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