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Papst Franziskus als Büßer in Kanada: Ureinwohner verlangen Entschuldigung

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Von: Fee Halberstadt

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Indigene Kinder wurden in Kanada von Kirchenleuten der katholischen Kirche misshandelt. Ureinwohner:innen verlangen nun eine Entschuldigung des Papstes.

Edmonton – Papst Franziskus machte sich am Sonntag (24. Juli) auf den Weg nach Kanada, um der Forderung der Ureinwohner des Landes nachzukommen. Sie verlangen eine Entschuldigung für den Missbrauch, die Gewalt und die Erniedrigung an indigenen Kindern, die Bedienstete und Kirchenleute in einst von der katholischen Kirche geführten Internaten begangen haben.

Das 85 Jahre alte Oberhaupt der katholischen Kirche will an diesem Montag (25. Juli/Ortszeit) Vertreter der kanadischen Ureinwohner in Maskwacis, südlich von Edmonton, treffen. Für Franziskus wird es eine schwierige Reise, denn er wird mit der schrecklichen Vergangenheit seiner Kirche und dem Leid vieler Ureinwohner Kanadas konfrontiert sein.

Kindesmissbrauch in der Kirche: Kanadische Ureinwohner fordern Entschuldigung

Die Missbrauchstaten geschahen über Jahrzehnte hinweg in staatlichen und von der Kirche geführten Einrichtungen. Kinder starben an den Folgen von Krankheiten, Hunger oder im Zusammenhang mit Missbrauch. Die Fälle erlangten international großes Aufsehen, als Experten vor etwas mehr als einem Jahr in der Nähe eines Internats in Kanada anonyme Gräber von toten Kindern entdeckten.

Papst Franziskus reist nach Kanada, um sich bei den Ureinwohnern für den Kindesmissbrauch zu entschuldigen.
Papst Franziskus reist nach Kanada, um sich bei den Ureinwohnern für den Kindesmissbrauch zu entschuldigen. © Johannes Neudecker/dpa

In der indigenen Bevölkerung Kanadas ahnten Familienmitglieder jedoch schon lange, welches Schicksal ihre Verwandten einst in diesen Institutionen ereilte. Den teils von ihren Familien entrissenen Kindern sollte dort westliche Kultur „beigebracht“ werden. Die Debatte über den Umgang mit den Ureinwohner-Kindern läuft in Kanada schon seit Jahren. Kritik gibt es an der Kirche wegen nicht angemessener Entschädigung für die Überlebenden.

Papst Franziskus als Büßer in Kanada: Missbrauch von indigenen Kindern in der Kirche

Papst Franziskus kündigte vor seinem Abflug an, als Büßer in das flächenmäßig zweitgrößte Land der Welt mit rund 38 Millionen Einwohnern zu kommen. Auf dem Flug nach Edmonton sagte er am Sonntag, man müsse auf dieser Reise „aufmerksam“ sein. Auf dem Weg vom Flughafen waren vereinzelt Menschen am Straßenrand, die auf den vorbeifahrenden Papst warteten. An einer Brücke hing aber auch ein Banner mit der Aufschrift „No to apology“, auf Deutsch: „Nein zu einer Entschuldigung“.

In Maskwacis will Franziskus am Montagvormittag (25. Juli/Ortszeit) an einem Friedhof der dortigen Pfarrei beten. In dem Ort mit rund 8000 Einwohnern sind verschiedene Ureinwohner-Gruppen beheimatet. Am späten Nachmittag (25. Juli/Ortszeit) will der Papst die Kirche Sacred Heart (Herz-Jesu) in Edmonton besuchen. In Edmonton ist auch eine große ukrainische Diaspora beheimatet. Ob Franziskus Vertreter der Gemeinschaft treffen wird, ist nicht bekannt. (fh/dpa)

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