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Minderjährige an vorderster Front in Somalia.

Ausbeutung

Kindersoldatinnen sind besonders bedroht

Organisationen fordern vom Bund mehr Unterstützung für die Reintegration von Mädchen.

Sie kämpfen mit der Waffe in der Hand, kundschaften umkämpfte Gebiete aus, werden versklavt und vergewaltigt: Kindersoldatinnen. Das Deutsche Bündnis Kindersoldaten fordert von der Bundespolitik einen entschlosseneren Kampf gegen diese Form von Ausbeutung und Missbrauch. Zum „Red Hand Day“, dem Tag gegen den Einsatz von Kindersoldaten am 12. Februar, macht das Bündnis in diesem Jahr auf die besondere Situation der Mädchen in kämpfenden Truppen aufmerksam. „Oftmals haben diese Mädchen selbst Kinder, die aus Vergewaltigungen oder Beziehungen mit Kämpfern oder Offizieren hervorgegangen sind“, sagte der Sprecher des Bündnisses, Thomas Berthold.

Für die Befreiung dieser Mädchen aus dem Einfluss von Militäreinheiten oder Rebellengruppen sei das eine schwere Bürde. „Sie bleiben, weil sie fürchten, ansonsten ihre Kinder zu verlieren. Andere fliehen ohne ihre Kinder und leiden später unter dem Verlust“, berichtete Berthold, Kinderrechtsexperte bei „terre des hommes“. Das Kinderhilfswerk mit Sitz in Osnabrück ist wie neun weitere Organisationen, unter ihnen die Kindernothilfe, Unicef und World Vision, Teil des Bündnisses.

Mädchen seien nicht nur häufig Opfer sexueller Gewalt, „sondern sie übernehmen auch dieselben Aufgaben wie Jungen und werden wie sie oft körperlich und psychisch misshandelt“, sagte der Sprecher des Bündnisses Kindersoldaten, Frank Mischo, am Dienstag in Berlin. Die Reintegration in die vorherige Lebenssituation sei für Mädchen besonders schwierig, hieß es. Die Betroffenen würden stigmatisiert. Ohne soziale Absicherung seien sie weiter besonders verletzbar.

Die Bundesregierung müsse den Hilfsorganisationen dafür verlässlich mehr Geld zur Verfügung stellen, verlangt Berthold: „Es reicht nicht aus, immer nur vereinzelte Projekte zu finanzieren.“ Eine nachhaltige Arbeit erfordere eine verlässliche finanzielle Unterstützung für den Aufbau von Infrastrukturen für die Bildung und Ausbildung der Mädchen sowie für psychosoziale Hilfen.

Die Organisationen setzen sich zudem dafür ein, dass genaue Zahlen ermittelt werden, wie viele Mädchen und Jungen als Soldatinnen und Soldaten ausgebeutet werden. Bisher gebe es lediglich Schätzungen, bemängelte Berthold. Sie liegen bei 250 000 Kindersoldaten weltweit. Der Anteil der Mädchen schwankt je nach Konflikt zwischen fünf und 20 Prozent.

Seit dem Inkrafttreten des Zusatzprotokolls zur UN-Kinderrechtskonvention am 12. Februar 2002 wird der Einsatz von Minderjährigen in bewaffneten Konflikten geächtet. Die Vereinten Nationen müssten mit deutlich mehr Geld und Personal ausgestattet werden, um die Einhaltung des Protokolls, das mehr als 165 Staaten unterzeichnet haben, zu kontrollieren und genaue Zahlen erheben zu können, sagte Berthold: „Denn niemand gibt freiwillig zu, Minderjährige als Kämpfer zu beschäftigen.“ (epd)

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