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Kindergeld kommt den Kindern zugute - direkt und indirekt: Damit werden beispielsweise Hobbies und Bildung der Kinder finanziert oder eine größere Wohnung.

Bertelsmann-Studie

Kindergeld kommt tatsächlich Kindern zugute

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Nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung profitiert der Nachwuchs von staatlichen Mitteln. Vorurteile, wonach Kindergeld für Alkohol, Tabak und Elektronik ausgegeben werden, beruhen demnach auf Einzelfällen.

Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung verleiht der Debatte über die Förderung von Kindern in Deutschland neuen Schwung. Der Untersuchung zufolge geben die meisten Eltern das Kindergeld für ihren Nachwuchs aus. Sie investierten die staatliche Leistung vor allem in größere Wohnungen oder bessere Betreuung, Bildung und die Hobbys der Kinder. Vorurteile, wonach Kindergeld für Alkohol, Tabak oder Unterhaltungselektronik ausgegeben werde, beruhten allein auf Einzelfällen. Untersucht wurde die Verwendung des Kindergeldes und des in einigen Bundesländern gezahlten Erziehungsgeldes für den Zeitraum von 1984 bis 2016.

„Direkte finanzielle Leistungen für Familien sind sinnvoller als aufwendig zu beantragende Sachleistungen“, sagt Stiftungsvorstand Jörg Dräger. Bei zweckgebundenen Leistungen wie dem Bildungs- und Teilhabepaket legten jüngste Untersuchungen nahe, dass rund 30 Prozent der Mittel in den Verwaltungsaufwand flössen. Zudem beantragen viele Bedürftige wegen der Bürokratie die Mittel erst gar nicht.

Diese Skepsis teilt die große Koalition nicht. Zwar räumt der familienpolitische Sprecher der Union, Marcus Weinberg, ein, dass Aufwand und Bürokratie nicht zum „Verhinderungsbürokratiemonster“ werden dürfen. Wenn sie jedoch besser durchdacht und ganz gezielt am Bedarf orientiert seien, hätten Sachleistungen ihre Berechtigung, weil sie zielgenauer wirkten. So habe die Koalition auf diesem Weg gerade die staatliche Unterstützung von Schulbedarf, Mittagessen, Schülerbeförderung und Nachhilfe für Kinder aus Hartz-IV-Familien verbessert. Die Studie zeige aber auch, dass der weitere Ausbau der Betreuungsangebote für Familien unerlässlich sei, sagte der CDU-Politiker und verweist auf dafür bereits eingeplante 15,5 Milliarden Euro.

Teilhabegeld als Alternative

Aus Sicht der SPD spricht die Bertelsmann-Studie „ganz klar für eine Erhöhung des Kindergeldes“, sagte ihr familienpolitischer Sprecher, Sönke Rix. Die Koalition arbeite derzeit zudem an besserer Unterstützung für Familien, die trotz einer Erwerbstätigkeit mit wenig Geld auskommen müssen.

Bertelsmann-Stiftungsvorstand Dräger fordert einen größeren Wurf: Nötig sei eine grundlegende Reform der Familienförderung, etwa durch ein Teilhabegeld. Es soll bisherige Leistungen wie das Kindergeld, Teile des Bildungs- und Teilhabepakets, den Kinderzuschlag für Geringverdiener und die Grundsicherung für Kinder bündeln. Das Teilhabegeld könnte mit steigendem Einkommen der Eltern sinken und so gezielt Kinder aus ärmeren Familien unterstützen, so Dräger.

Auch die FDP schlägt eine stärkere Zusammenfassung der Familienleistungen vor. „Die Studie zeigt, dass finanzielle Direkthilfen das beste Mittel gegen Kinderarmut sind“, sagte FDP-Parteivize Katja Suding. 

Einen ähnlichen Ansatz haben die Grünen: „Wichtig und richtig wäre es, kurzfristig den Kinderregelsatz zu erhöhen und schnell eine Kindergrundsicherung einzuführen, die endlich den Anrechnungswirrwarr der unterschiedlichen Leistungen beendet und Kindern ein Aufwachsen ohne Armut ermöglicht“, sagte Fraktionsvize und Familienpolitikerin Katja Dörner. Die Studie zeige erneut, dass sich das Bildungs- und Teilhabepaket nicht bewährt habe. „Es ist bürokratisch und kommt bei vielen Kindern gar nicht an“, so Dörner. „Es sollte durch höhere direkte Leistungen an arme Familien und gezielte Investitionen in Kitas und Schulen ersetzt werden.“

So sieht es auch Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch: Wie auch das Deutsche Kinderhilfswerk plädiert er für die Einführung einer Kindergrundsicherung. „Gegen die beschämend hohe Kinderarmut, die sich seit der Einführung von Hartz IV verdoppelt hat und aktuell mehr als vier Millionen Kinder in Deutschland betrifft, ist das Kindergeld allenfalls noch ein linderndes Hausmittel“, sagte Bartsch. Zudem sei absurd, dass es bei Hartz-IV-Bezieherinnen angerechnet wird. „Der Schlüssel im Kampf gegen Kinderarmut liegt in der Einführung einer Kindergrundsicherung, die monetäre und infrastrukturelle Leistungen umfasst.“

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