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In einer Rede an die Nation äußerte Ministerpräsident Sanchez die Absicht, für Kinder bis zwölf Jahre die strikten Regeln zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus etwas zu lockern.

Spanien

Kinder an die Luft

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In Spanien enden bald die strengsten Beschränkungen.

Eine herzergreifende Szene: Bea jammert, Bea protestiert, Bea stapft zur Wohnungstür und ruft: „Auf die Straße, auf die Straße!“ Geht nicht, sagt der filmende Vater, „soll ich dir eine Geschichte vorlesen?“ Das Whatsapp-Video aus den ersten Tagen der Ausgangssperre trägt den Titel: Todos somos Bea – Wir alle sind Bea. Aber das stimmt nicht. Bea ist gut ein Jahr alt und hat fast keine Chance, die Wohnung zu verlassen: weder zum Einkaufen, zur Arbeit oder um den Hund auszuführen. Das sind die wenigen Aktivitäten, die Erwachsenen erlaubt sind. Die Kleinen sind eingesperrt, seit bald sechs Wochen.

Vergangenen Samstag kündigte Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez an, dass die Quarantäne für Kinder ab Montag kommender Woche gelockert werde. Millionen Familien atmeten auf. Am Dienstag erklärte eine Regierungssprecherin, dass nichts weiter gemeint sei als die Erlaubnis, die Kleinen mit zum Supermarkt oder zur Apotheke zu nehmen. Das gab einen Aufschrei! Es sei „die schlechteste aller Optionen“, so Kinderpsychiaterin Azucena Díez von der Universität Navarra, Kinder in geschlossene Räume mitzunehmen, statt ihnen Gelegenheit zu Bewegung zu geben. Am Abend überlegte es sich die Regierung anders: So dürfen ab Sonntag Kinder bis 14 Jahren von den Eltern zum Spaziergang ausgeführt werden, kündigte Gesundheitsminister Salvador Illa an.

„Sofort am Sonntagmorgen gehen wir raus“, sagt África García, Mutter von drei Kindern. „Am besten irgendwohin, wo sie Sport machen können.“ Wenn das erlaubt sein sollte. Die Regierung ist bisher streng mit ihren Bürgern. Garcías fünfköpfige Familie lebt in Madrid in einer 90 Quadratmeter-Wohnung mit Balkon. Die Kinder vermissen ihre Freunde, die Schule und die Bewegung. „Wir sind immer draußen gewesen. Aber wir und unsere Nächsten sind gesund, das ist das Wichtigste“, sagt García. Sie ist Ärztin und weiß, was in den Krankenhäusern los ist. Die Quarantäne nervt? Nun gut, „so ist das eben“.

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