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Jörg Schindler ist Korrespondent der Frankfurter Rundschau in Berlin.

Kommentar

Kinder, Kinder ...

Vielleicht hat Unicefs findiger Manager Garlichs juristisch tatsächlich im Rahmen seines überaus großzügigen Anstellungsvertrags gehandelt. Ob immer richtig ist, was Recht genannt wird, ist eine andere Frage. Ein Kommentar von Jörg Schindler vom 3. Dezember.

Von JÖRG SCHINDLER

Dietrich Garlichs, seit 18 Jahren quasi Alleinherrscher von Unicef, hat seinen Laden im Griff. Tagelang tröpfelten aus der Zentrale des als gemeinnützig firmierenden Vereins Nachrichten, die das Geschäftsgebaren des Geschäftsführers als außerordentlich fragwürdig entlarvten.

Tagelang musste Garlichs zurückrudern, mal einen Fehler hier, mal einen Fehler da eingestehen - "Fehler", die Unicef, die selbsternannte Anwältin armer Kinder, nicht nur einen Teil der Glaubwürdigkeit kosteten, sondern mal eben horrende sechsstellig Beträge.

Das sind Summen, von denen die 130 ehrenamtlichen Arbeitsgruppen in Deutschland, die auch in diesem Advent mit ihren Büchsen über die Weihnachtmärkte tingeln, nicht mal träumen können. Entsprechend tief sitzt dort der Frust. Und was macht der Vorstand? Er findet nichts dabei und schenkt Garlichs sein Vertrauen. Kinder, Kinder...

Wer weiß, vielleicht hat der findige Spenden-Manager Garlichs juristisch ja tatsächlich im Rahmen seines überaus großzügigen Anstellungsvertrages gehandelt. Die Staatsanwaltschaft prüft das nun.

Ob allerdings immer richtig ist, was Recht genannt wird, ist eine andere Frage. Heide Simonis hat sie ihrem Geschäftsführer gestellt - und ist rüde abgeblitzt. Für die Frau aus dem Norden mag das nichts Neues sein, sie hat Erfahrung mit Abstimmungsniederlagen. Sie wird ihre Konsequenzen ziehen - oder auch nicht. Für die Kinder aber, um die es gehen sollte, ergeben sich die Konsequenzen von selbst.

Aber die hat ja auch niemand gefragt, wem sie ihr Vertrauen schenken.

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