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09.02.2018, Südkorea, Pyeongchang: Kim Yo Jong, Schwester des nordkoreanischen Machthabers Jong Un, trifft zur Eröffnungszeremonie der Olympischen Winterspiele 2018 in Pyeongchang ein. In ihrer ersten offiziellen Erklärung, die außerhalb des abgeschotteten Landes bekannt wurde, warf Kim Yo Jong dem südkoreanischen Präsidialamt Heuchelei und "schwachsinniges Denken" vor. (zu dpa „Kim Yo Jong: Nordkoreas mächtige Frau neben Machthaber Kim Jong Un“ am 21.08.2020) Foto: Patrick Semansky/Pool AP/dpa
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In Nordkorea ist einiges in Bewegung: Kim Yo Jong trifft zur Eröffnungszeremonie der Olympischen Winterspiele 2018 in Pyeongchang ein. Sie könnte möglicherweise ihrem Bruder als Diktatorin Nordkoreas folgen.

Mögliche Nachfolgerin

Kim Yo Jong ist die mächtigste Frau von Nordkorea – und womöglich Gefahr für ihren Bruder Kim Jong-un

  • vonSebastian Richter
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Sie tritt immer öfter in Erscheinung in Nordkorea: Kim Yo Jong, die jüngere Schwester des nordkoreanischen Diktators Kim Jong-un. Eines Tages könnte sie ihm als Diktatorin folgen.

  • Nordkorea in Bewegung: Die jüngere Schwester Kim Jong-uns wird als mögliche Nachfolgerin des Diktators gehandelt.
  • Seit den Olympischen Winterspielen 2018 tritt sie immer häufiger in der Öffentlichkeit auf.
  • Dabei muss Kim Yo Jong aufpassen, zu keiner Gefahr für ihren Bruder zu werden.

Pjöngjang - Kim Yo Jong ist vermutlich die mächtigste Frau in Nordkorea. Im Westen ist sie wenig bekannt, ihr vier Jahre älterer Bruder Kim Jong-un dagegen umso mehr. Im Juni machte Kim Yo Jong von sich Reden, als sie nordkoreanische Überläufer anprangerte - mit schockierend harten Worten.

Nordkorea: Kim Yo Jong hetzt gegen Überläufer

Menschlichen Abschaum“, soll sie die Überläufer genannt haben, die „kaum den Wert menschlicher Wesen“ haben. Sie seien fast schon wilde Tiere, die ihr Heimatland verraten haben. Es sei Zeit, die Besitzer der „Tiere“ zur Rechenschaft zu ziehen und „die südkoreanischen Behörden zu fragen, ob sie bereit sind, für die Folgen des bösen Verhaltens der abscheulichen Mischlingshunde zu sorgen, die keine Skrupel hatten, uns zu verleumden“.

Zuvor hatten Überläufer aus Nordkorea über dem Gebiet der kommunistischen Diktatur an Ballons befestigte Flugblätter abgeworfen, in denen sie das Regime kritisierten. Aber nicht nur in ihrer Wortwahl ist Kim Yo Jong zu Extremen fähig: Auf ihr Geheiß hin wurde kurz nach dem Abwurf der Flugblätter in der Grenzzone ein südkoreanisches Diplomatiegebäude von nordkoreanischen Soldaten gesprengt. Südkoreas Nationalversammlung hat in diesem Monat das Abfeuern von Flugblättern in Richtung Norden verboten.

Südkoreas Präsident Moon Jae-in will Annäherung zum Bruderstaat Nordkorea

Präsident Moon Jae-in suchte nach versöhnlichen Worten. Einen Tag vor der Explosion rief er beide Seiten auf, „einen Schritt nach dem anderen auf dem Weg zur nationalen Versöhnung, zum Frieden und zur Wiedervereinigung voranzugehen“. Nordkoreas Kim Yo Jong denkt aber gar nicht daran. „Eine Aneinanderreihung schamloser und unverschämter Worte voller Inkohärenz“ und „schamlose perfide Äußerungen“ nannte sie die Worte Moons. Der ließ einen Sprecher ihre Kritik einen „unsensiblen Akt“ bezeichnen, der „das aufgebaute Vertrauen fundamental schädigte“.

Aufgebaut wurde dieses Vertrauen bei wiederholten Treffen zwischen Kim Jong-un und Moon Jae-in. Allerdings war es wieder seine Schwester, die zuerst den Süden betrat. Kim Yo Jong war das erste Mitglied der seit drei Generationen herrschenden Kim Familie in Nodkorea, die den Süden Koreas besuchte. Anlässlich der Olympischen Winterspiele 2018 reiste die damals 30-Jährige nach Seoul, um an einem Empfang mit etwa 200 ausländischen Staats- und Regierungsgästen teilzunehmen. Der Besuch galt als Zeichen für Kim Jong-uns Annäherungspolitik mit dem verfeindeten Süden. Eine Annäherungspolitik, die in letzter Zeit von seiner Schwester knallhart torpediert wird.

Kim Yo Jong gilt als mächtigste Frau Nordkoreas

Dass sie überhaupt in der Lage ist, das Vertrauen derart zu schädigen, zeigt ihre Rolle im Machtgefüge Nordkoreas. Sie ist mehr als nur die kleine Schwester des Diktators. Sie leitet die „Abteilung für Organisation und Führung“. Eine Überwachungsbehörde, als deren Chefin Yo Jung über Versetzungen, Gefängnisstrafen und Todesstrafen entscheiden kann. Offiziell ist sie nur die Stellvertretende Direktorin, doch ihr Name und ihre Herkunft ersetzen Titel.

Außerdem soll sie Vizedirektorin der „Abteilung für die Vereinigte Front“ sein. Für den Nordkorea-Experten Lee Sung-yoon ist ihre Rolle damit klar: „Mit der von ihrem Bruder Kim Jong-un, der Partei und dem Staat verliehenen Autorität wird sie von nun an Südkorea bestrafen, das sie als ‚Feind‘ bezeichnet.“

NameKim Yo Jong
Geburtsdatumgenaues Datum unbekannt, vermutlich 26. September 1987
Amt in NordkoreaPropaganda-Beauftragte, Direktorin des Ministeriums für Propaganda und Agitation, Mitglied des Zentralkomitees
AusbildungPrivatschule in der Schweiz, Studium in Nordkorea (Informatik), vermutete Teilnahme an Kursen in europa

Mit diesen Titeln, ihrer Herkunft und ihrem Namen kann sie als mögliche Nachfolgerin für Kim Jong-un gelten. Allerdings muss sie aufpassen, nicht zur Bedrohung zu werden. Ihr Bruder geht hart mit Familienmitgliedern ins Gericht, die ihm in seiner Regentschaft gefährlich werden könnten. Sein älterer Bruder Kim Jong-nam wurde 2017 Opfer eines Giftanschlages, der Onkel Jang Song-thaek wurde 2013 entmachtet und hingerichtet.

Nordkorea: Kim Yo Jong blieb lange im Schatten ihres Bruders

Bisher tut Kim Yo Jong gut daran, ihrem Bruder das Rampenlicht zu überlassen. Evans Revere, ein ehemaliger amerikanischer Diplomat, sagte einmal über Yo Jong: „Kim Jong-un sieht sie offensichtlich nicht als Bedrohung an. Sie hat darauf geachtet, ihren Bruder nicht in den Schatten zu stellen und hat das Bild von jemandem kultiviert, der ihm eindeutig untergeordnet ist.“

Als still und „bescheiden im Auftreten“ wird Kim Yo Jong von Personen beschrieben, die sie getroffen haben. Aber seit ihrem ersten öffentlichkeitswirksamen Auftritt bei den Olympischen Spielen 2018 wurde sie zunehmend präsenter. Auch Bruce Klinger, Asienexperte bei der Hertiage Foundation, sieht sie als die „wahrscheinlich zweitmächtigste Person in Nordkorea“ - diejenige, der ihr Bruder „am meisten vertraut“.

Sollte Kim Yo Jong eines Tages den Platz ihres Bruders in Nordkorea einnehmen, könnte das auch globalpolitische Folgen haben. Während Kim Jong-un sich noch mit dem Amerikanischen Präsidenten Trump getroffen hat, lehnte Kim Yo Jong einst „Notwendigkeit eines weiteren Dialogs zwischen den USA und Nordkorea“ ab. (Sebastian Richter)

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