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Unerwartete Annäherung: Kim Jong-un dankt Südkorea-Chef in „historischen“ Briefen

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Von: Andreas Schmid

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Ein Kind steht vor einem Bildschirm, auf dem das Bild eines Gipfeltreffens von Nord- und Südkorea vom 27.04.2018 zu sehen ist, das Moon Jae-in (r), Präsident von Südkorea, und Kim Jong Un, Machthaber von Nordkorea, zeigt.
Gemeinsam? Moon Jae-in (r), Präsident von Südkorea, und Kim Jong Un, Machthaber von Nordkorea. © Ahn Young-Joon/picture alliance/dpa

Willst du mit mir Frieden schließen? Ja, nein, vielleicht. Süd- und Nordkoreas Staatschefs schreiben sich „historische“ Briefe.

Seoul – Nähern sich Süd- und Nordkorea an? Südkoreas Präsident Moon Jae-in und Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un schreiben sich derzeit persönliche Briefe. Die Kontaktaufnahme erfolgt vor dem Hintergrund wachsender Spannungen auf der koreanischen Halbinsel.

Moon Jae-in hat Kim Jong-un einen persönlichen Abschiedsbrief geschrieben. Moon Jae-in scheidet demnächst als südkoreanischer Regierungschef aus. Nun will er die Weichen für eine weitere Zusammenarbeit zwischen Süd- und Nordkorea sichern. Kim Jong-un soll sehr dankbar geantwortet haben.

„Historische“ Briefe zwischen Süd- und Nordkorea

Moon habe Kim laut südkoeanischem Präsidialamt aufgerufen, sich um einen Dialog mit der neuen Regierung unter dem gewählten Präsidenten Yoon Suk-yeol zu bemühen. Der konservative Nachfolger hat eine härtere Gangart gegen Pjöngjang angekündigt. Zudem äußerte Moon demnach seine Hoffnung, dass Pjöngjang die derzeit festgefahrenen Gespräche über das nordkoreanische Atomwaffenprogramm mit den USA sehr bald wieder aufnehmen könne.

SüdkoreaNordkorea
Einwohner: 51,8 Millionen25,8 Millionen
Fläche: 100.210 km²120.540 km²
Hauptstadt: SeoulPjöngjang
Regierungsform: Republik mit Präsidialverfassung„Sozialistische Volksdemokratie“, de-facto-Diktatur Sicherheitskräfte)
Staatsoberhaupt: Moon Jae-in, gewählter Nachfolger Yoon Suk-yeol (Amtsantritt 10. Mai 2022)Kim Jong-un (Formelle Bezeichnung: „Generalsekretär der Partei der Arbeit, Vorsitzender der Kommission für Staatsangelegenheiten und Oberbefehlshaber der Streitkräfte“

Kim dankte Moon für seine Bemühungen „für die große Sache der Nation bis in seine letzten Amtstage hinein“. Die jüngste Kommunikation zwischen Kim und Moon sei „Ausdruck ihres tiefen gegenseitigen Vertrauens“. Kim bezeichnete den Briefwechsel obendrein als „historisch“. Beide seien der Meinung, die Beziehungen zwischen den beiden Ländern könnten sich verbessern, sofern sie sich stetig darum bemühten.

Spannungen zwischen Süd- und Nordkorea: Kim schreckt mit Raketentests auf

Der Austausch erfolgte in einer Zeit größerer Unsicherheit. Die USA und Südkorea befürchten, dass Nordkorea nach mehrfachen Raketentests in diesem Jahr auch schon bald wieder einen neuen Atomtest vornehmen könnte. Ende März wurden die Nachbarländer und die USA insbesondere durch den Abschuss einer nordkoreanischen Interkontinentalrakete (ICBM) alarmiert. UN-Resolutionen verbieten Nordkorea Tests von ICBM und anderen Raketen, die einen Atomsprengkopf tragen können.

Pjöngjang hat seit 2017 keine Atomwaffen mehr getestet. Zuletzt ließ Machthaber Kim aber eine ganze Reihe von Raketen testen. Das nordkoreanische Militär feuerte dabei auch erstmals seit 2017 wieder eine Interkontinentalrakete ab.

Nordkorea: Kim Jong-un bereitet neue unterirdische Atomtests vor
Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un im Kreise seiner Generäle. Das Land soll neue Atomtests vorbereiten. © KCNA/Imago

Korea: „Klarer Schritt, das Schicksal der koreanischen Halbinsel zu ändern“

Moon und Kim trafen sich 2018 dreimal zu längeren Gesprächen, darunter zweimal im Grenzort Panmunjom sowie bei einem Gipfel in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang. Sie hatten sich auf ein Ende aller Feindseligkeiten geeinigt. Schon damals tauschten sie danach Briefe aus. Der linksliberale Moon, der im Mai nach fünfjähriger Amtszeit abtritt, hatte einen nordkoreafreundlichen Annäherungskurs verfolgt. Er pflegt auch gute Beziehungen zu den USA.

Nun schrieb Moon laut Angaben aus Seoul, Süd- und Nordkorea hätten beide trotz „enttäuschender Momente“ einen „klaren Schritt“ unternommen, „um das Schicksal der koreanischen Halbinsel zu ändern“. (as/dpa)

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