Größte Langstreckenrakete enthüllt

Nordkorea: Machthaber Kim Jong Un protzt und weint

  • vonFabian Kretschmer
    schließen

Bei einer Militärparade enthüllt Nordkoreas Machthaber die wohl größte Langstreckenrakete der Welt – und ist gerührt: Nordkorea sei frei von Corona.

  • Nordkorea feiert den 75. Parteigeburtstag der Kommunistischen Partei.
  • Machthaber Kim Jong Un feiert den Jahrestag mit einer nostalgischen Kirmes.
  • Im Rahmen der Parade enthüllt das nordkoreanische Militär die größte Langstreckenrakete der Welt.

Nordkorea - In Dandong gleicht die Erinnerungskultur an den Koreakrieg einer nostalgischen Kirmes: Während vor den Stiegen des neueröffneten Gedenkmuseums patriotische Militärmusik aus den Lautsprechern dröhnt, setzen rund 20 Frauen vom örtlichen Kader der Kommunistischen Partei zum Marsch an.

Kim Jong Un bei der Parade zum 75. Parteigeburtstag.

Im Krieg zwischen Nordkorea und Südkorea starben 4 Millionen Menschen, Kim Jong Un feiert trotzdem

Sie haben sich in khakifarbene Uniformen gekleidet, die Gesichter weiß geschminkt und posieren mit demonstrativ ernster Mine vor den Kameras der schaulustigen Menge. Auf Wunsch eines Touristen zielt eine der Schauspielsoldatinnen mit ihrem Sturmgewehr in das Kameraobjektiv, eine weitere Dame reiht sich mit einer Handgranate ins Foto.

Die tatsächlich Tragik des Koreakriegs, bei dem vier Millionen Menschen ihr Leben verloren haben, lässt sich im Inneren des Museums erleben: Vor genau 70 Jahren schlossen sich die chinesischen Truppen den nordkoreanischen Streitkräften an, um gegen Südkorea und die Vereinigten Staaten zu kämpfen. Die jeweilige Geschichtsschreibung ist immer auch ein politischer Gradmesser: In Pjöngjang spricht man vom „Vaterländischen Befreiungskampf“, der angeblich von einem Überraschungsangriff der Südkoreaner gestartet wurde.

Der Großvater des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un, Kim Il Sung, hatte den Bürgerkrieg entfacht

Im Seoul hingegen wird das im Westen anerkannte Narrativ gelehrt, dass Nordkoreas Staatsgründer Kim Il Sung mit seiner Invasion den Konflikt vom Zaun brach. In der chinesischen Grenzstadt Dandong hingegen wählten die Historiker einen Mittelweg: Am 25. Juni 1950 sei „ein Bürgerkrieg ausgebrochen“, heißt es auf einer der unzähligen Gedenktafeln.

Nur wenige Kilometer entfernt, an der Uferpromenade des Yalu-Flusses, tummeln sich Hunderte Touristen, um Fotos von der anderen Seite zu schießen: Dort nämlich liegt Nordkorea; ein für Chinesen nostalgischer Ort, der an die entbehrungsreichen Zeiten des vergangenen Jahrhunderts erinnert. Bis vor wenigen Jahren zeigte sich entlang der Grenze das wohl krasseste Wohlstandsgefälle weltweit: Auf der einen Seite die nachts von Neonlichtern angestrahlten Einkaufszentren und Apartmenttürme, auf der anderen Seite ein stockfinsteres Niemandsland. Doch mittlerweile haben die Nordkoreaner in der Grenzstadt Sinuiju ebenfalls imposante Immobilienprojekte hochgezogen: Der „Einheitsturm“, ein blutrot angestrichener Rundbau mit über 25 Stockwerken, ragt weit in den Himmel empor. Doch ein Blick mit dem Fernglas entlarvt die scheinbar prosperierende Fassade: Mehrere Stockwerke liegen regelrecht brach, sind von innen unverputzt und ohne Fenster.

Kim Jong Un will militärisch Stärke beweisen, um von Armut in Nordkorea abzulenken

Zumindest militärisch kann Machthaber Kim Jong Un noch Stärke zeigen, wie er am Samstag bei der wichtigsten Militärparade in der Geschichte des Landes demonstrierte: Anlässlich der Feierlichkeiten zum 75. Geburtstag der nordkoreanischen Arbeiterpartei präsentierte das Regime auf dem nächtlich beleuchteten Kim-Il-Sung-Platz die wohl größte Langstreckenrakete der Welt.

Kim Jong Un (M.) bei der Parade zum 75. Parteigeburtstag.

Knapp 26 Meter ist sie lang, über zweieinhalb Meter im Durchmesser. Laut ersten Schätzungen von Militärexperten aus Washington könnte jenes Raketenmodell eine Sprengladung von bis zu 3500 Kilogramm stemmen. Kims Ansprache stand jedoch ganz im Gegenteil zum militärischen Säbelrasseln: In einem grauen Anzug gekleidet, rang der Diktator sichtlich um seine Fassung.

Kim Jong Un weint, als er seinen Soldaten dafür dankt, Nordkorea frei von Corona gehalten zu haben

Als er den Soldaten dafür dankte, das Land bislang virusfrei gehalten zu haben, rannen Tränen seine Wangen herunter. „Ich schwöre erneut, dass ich dem Vertrauen der Menschen gerecht werde, selbst wenn mein Körper in Stücke gerissen wird“, sagte Kim in der für Nordkoreaner üblichen blumigen Sprache. Dass der 36-Jährige während seiner volksnahen Geste eine Schweizer Uhr im Wert von über zehntausend Euro trug, sorgte auf Twitter für Gelächter.

Von chinesischer Seite erhält Kim dieser Tage jedoch wieder Rückenwind. Präsident Xi Jinping ließ eine Gratulationsbotschaft ausrichten, in der er versprach, „die Beziehungen zwischen China und Korea gemeinsam zu verteidigen, zu festigen und weiterzuentwickeln“. Jene Worte werden vor allem im Weißen Haus für Ärger sorgen, hat nicht zuletzt auch US-Präsident Trump mit seiner Sanktionspolitik auf Chinas Kooperation gehofft. (Fabian Kretschmer)

Rubriklistenbild: © KCNA via www.imago-images.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare