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Kim Jong Un in Pjöngjang.
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Kim Jong Un in Pjöngjang.

Nordkorea

Kim Jong Un gibt sich selbstkritisch

  • vonFelix Lill
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Auf dem ersten Parteitag seit fünf Jahren spricht Nordkoreas Staatschef von „Mängeln“ und „schweren Lehren“.

Wenn Nordkoreas Staatsmedien Kim Jong Un zeigen, sieht er eigentlich immer aus wie ein ziemlich harter Kerl. Mal hat er ein Fernrohr in der Hand, um einen Bombentest zu verfolgen. Mal zieht er an einer Zigarette oder steigt cool lächelnd aus seinem persönlichen Zug. Seine Reden beziehen sich gern auf Produktionsfortschritte, Errungenschaften im Bildungssystem, den US-amerikanischen Imperialismus und den Widerstand, den er und sein Volk dagegen leisten. Wer nur Kim Jong Un zuhört, muss denken, sein Land sei ein gesegneter Fleck Erde.

Am Dienstag aber klang der Regierungschef von Nordkorea, einem Land, in dem es weder freie Wahlen noch freie Meinungsäußerung gibt, ganz anders. Zum Auftakt des nur selten stattfindenden Kongresses der Kommunistischen Partei sprach Kim laut einem von Staatsmedien veröffentlichen Redeskript von „Mängeln“ und „schweren Lehren“ für sein Land. In „fast allen Sektoren“ sei Nordkorea „extrem deutlich“ hinter den zuvor gesteckten Entwicklungszielen zurückgeblieben. An die 5000 Delegierte, die aus dem ganzen Land in die Hauptstadt Pjöngjang gereist waren, hörten also einem Diktator zu, der sich in Selbstkritik übte.

Der Parteikongress ist das wichtigste politische Ereignis in Nordkorea und fand zuletzt vor fünf Jahren statt. Dort wird der Plan für die ökonomische Entwicklung beschlossen sowie die außenpolitischen Leitlinien, hauptsächlich gegenüber den USA und Südkorea. Zugleich dient der Kongress als Anlass zur Bewertung des bis dahin Erreichten.

Während Kims Großvater und Staatsgründer Kim Il Sung beim Parteikongress 1993 eingestand, dass Ziele verfehlt worden waren, gab er damals noch dem Zerfall der Sowjetunion die Schuld.

Sein Enkel sagte nun, die Gründe seien „sowohl außerhalb als auch innerhalb“ des Landes zu finden. Auch wenn Beobachter:innen zuletzt immer wieder davon sprachen, dass der Lebensstandard in Nordkorea gerade in den Städten zugenommen habe. Doch die UN-Sanktionen, die den Handel mit Nordkorea verbieten, sind schmerzhaft für das Land. Und Kims Bemühungen, Korruption im Land zu unterbinden, deuten auch auf strukturelle Probleme hin. Am Dienstag forderte Kim von seinen Parteimitgliedern: „Wir müssen anfangen, die gesamte Wirtschaft des Landes weiterzuentwickeln.“ Als Beispiele nannte er die Bereiche Metall, Elektrizität, Kohle, Chemie, Maschinen und Minen. Hinzu kommt, dass Nordkorea mit Beginn des vergangenen Jahres zum Schutz vor der Pandemie auch seine Nordgrenzen zu Russland und China dicht abgeriegelt hat.

Von dort sind zuvor noch Warenlieferungen gekommen, häufig den UN-Sanktionen zum Trotz. So dürfte sich die Mangelwirtschaft in einem der ärmsten Länder der Welt zuletzt verschlimmert haben. Schon im Oktober, als Nordkorea sein 75-jähriges Staatsjubiläum feierte, sagte Kim unter Tränen: „Unser Volk hat Vertrauen auf mich gesetzt, so hoch wie der Himmel und so tief wie die See, aber ich bin dabei gescheitert, die Erwartungen zu erfüllen.“

Bitte um Impfstoff

Dabei sollten die UN-Sanktionen angesichts der nordkoreanischen Atomtests sowie der Pandemie theoretisch kein großes Problem für Nordkoreas Politik darstellen. Die Staatsphilosophie „Juche“, was auf Deutsch so viel wie Subjekt oder Autarkie bedeutet, erklärt Unabhängigkeit und Selbstständigkeit zu Stützpfeilern Nordkoreas und deren Anführer als Garanten hierfür.

Auffallend widersprüchlich wirkt in diesem Zusammenhang die Nachricht, dass Nordkorea laut diplomatischen Quellen dieser Tage um internationale Unterstützung bei der Beschaffung von Impfstoffen gebeten hat. Demnach wünschen sich nordkoreanische Offizielle die Hilfe des Impfnetzwerks Gavi, wenngleich Nordkorea offiziell bis heute keinen einzigen Infektionsfall verzeichnet. Die Bitte um Hilfe von außen lässt sich also als weiteres Eingeständnis interpretieren, dass Nordkorea ohne eine teilweise Eingliederung in die Welt kaum das Entwicklungsniveau anderer Länder in der Region erreichen wird.

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