Ukraine

Kiew ist der Verlierer in den amerikanischen Skandalen

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Die Affäre um Trump und Biden zeigt der Ukraine ihre Abhängigkeit von den USA.

Niemand könne auf ihn Druck ausüben, verkündete der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj gestern vor seinem ersten persönlichen Gespräch mit Donald Trump (das Treffen war bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht beendet). „Ich bin der Präsident eines unabhängigen Landes.“ Auf ihn könne nur einer Druck ausüben, nämlich sein sechsjähriger Sohn.

Eine Versicherung nicht ohne Galgenhumor. Denn in den USA eskaliert ein Skandal, weil Trump telefonisch Druck auf Selenskyj ausgeübt haben könnte, um ukrainische Ermittlungen gegen den Sohn seines möglichen Wahlkampfgegners Joe Biden zu erreichen. Und die Washingtoner Affäre lässt die Ukraine schmerzhaft ihre Abhängigkeit von Amerika spüren.

Der Skandal wurde aus einem anderen geboren: Im Mai 2014 stieg Hunter Biden, der Sohn des damaligen US-Vizepräsidenten Joe Biden, in den Aufsichtsrat des ukrainischen Gaskonzerns Burisma ein. „Das war politisch nicht korrekt“, sagt der Kiewer Politologe Vadim Karasjew. Es rieche nach Vetternwirtschaft, wenn der Vater die Wirtschaftsbeziehungen zur Ukraine kontrolliere und der Sohn ein ukrainisches Rohstoffunternehmen. Tatsächlich ermittelte die Kiewer Staatsanwaltschaft eine Zeit lang wegen Korruption gegen Burisma. Und der ukrainische Generalstaatsanwaltschaft Viktor Schokin wurde auf Druck Joe Bidens entlassen.

Aber Schokins Nachfolger Juri Luzenko sagte der Agentur Bloomberg diesen Mai, Hunter Biden habe nie ukrainische Gesetze verletzt. Und Karasjew vermutet, die Kiewer Staatsmacht selbst habe Biden Junior 2014 den Job angetragen, weil sie angesichts der schweren Kämpfe im Donbass mit allen Mitteln Rückhalt bei den USA suchte.

Aber auch unter Trump gilt Amerika als die große Schutzmacht. Auch Selenskyj braucht dringend die von seinem Kollegen zwischendurch eingefrorene US-Militärhilfe. Die Kiewer Experten sind sich einig, man dürfe es sich weder mit Trump noch mit den Demokraten im Kongress verderben.

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