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Kiew meldet Erfolge gegen Separatisten

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Von: Ulrich Krökel

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Kampfspuren in der ukrainischen Hafenstadt Mariupol.
Kampfspuren in der ukrainischen Hafenstadt Mariupol. © REUTERS

Ukrainische Streitkräfte haben angeblich die strategische wichtige Hafenstadt Mariupol zurückerobert. Von Waffenruhe sind beide Seiten weit entfernt. Wie verfahren die Situation ist, zeigt der Vorschlag des Gouverneur von Dnepropetrowsk: Er schlägt vor, eine Mauer zu bauen.

Panzer durchbrechen Kontrollposten an der Grenze, Kampfflugzeuge starten zum Gegenschlag: Trotz aller Friedensbeteuerungen in Moskau und Kiew erschüttern weiter kriegsähnliche Kämpfe die Ostukraine. Am Freitag gelang es den Regierungstruppen nach Angaben von Kiewer Militärexperten, drei teils schwer bewaffnete Transportkolonnen prorussischer Separatisten „unschädlich zu machen“.

Demnach hätten ukrainische Einheiten mit Luftunterstützung unter anderem drei Schützenpanzer und zwei Kampfpanzer zerstört. 40 feindliche Kämpfer seien getötet worden. Zudem eroberten die ukrainischen Streitkräfte nach Angaben aus Kiew die strategische wichtige Hafenstadt Mariupol zurück. Die Separatisten hätten die Flucht ergriffen.

Paramilitärs hatten am Donnerstag bei Djakowo im Süden des Gebietes Lugansk von Russland aus die Grenze zur Ukraine durchbrochen, wie Innenminister Arsen Awakow in Kiew berichtete. „Wir haben sie sofort unter Beschuss genommen“, erklärte er und warnte zugleich vor einer Massenflucht aus der Ostukraine. Der seit einer Woche amtierende Präsident Petro Poroschenko berief eine Krisensitzung des Nationalen Sicherheitsrates ein und telefonierte mit Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie mit US-Vizepräsident Joe Biden. In Washington warnte eine Sprecherin des Außenministeriums vor einer „ernsten Eskalation in der Ostukraine“. Die Bundesregierung in Berlin sprach von einer „schwerwiegenden und sehr besorgniserregenden Entwicklung“.

Am Ende einer Woche, die mit der Hoffnung auf eine baldige Waffenruhe begonnen hatte, stehen damit Ernüchterung und Enttäuschung. Poroschenko hatte am Montag einen Friedensplan für die Ostukraine angekündigt, eine Waffenruhe in Aussicht gestellt und später die Einrichtung eines Fluchtkorridors für Zivilisten versprochen. Er kam damit Forderungen aus Moskau entgegen.

„Putin ins Gewissen geredet“

Der russische Präsident Wladimir Putin seinerseits ordnete zu Wochenbeginn eine stärkere militärische Kontrolle der Grenze zur Ukraine an, um das Eindringen von Söldnern zu unterbinden – offenkundig ohne durchschlagenden Erfolg, wie die schweren Gefechte am Donnerstag belegen.

Es war das erste Mal, dass die prorussischen Aufständischen Kampfpanzer zum Einsatz brachten. Auch ein Telefonat zwischen Putin und Poroschenko konnte die Eskalation nicht verhindern. Die beiden Staatschefs hatten sich zuletzt am Rande der D-Day-Feierlichkeiten vor gut einer Woche persönlich ausgetauscht. Details des Gesprächs wurden diesmal nicht bekannt.

Poroschenko habe Putin noch einmal ins Gewissen geredet, die Lage an der Grenze besser kontrollieren zu lassen, berichtete ein Sprecher des ukrainischen Präsidenten. Er fasste Poroschenkos Worte in dem Satz zusammen: „Eine Situation, in der Panzer aus Russland auf unser Territorium eindringen, ist unannehmbar.“

So sieht es auch der Gouverneur von Dnepropetrowsk, der Oligarch Igor Kolomoiski. Er schlug vor, die Grenze zu Russland auf fast 2000 Kilometer Länge mit einer Mauer oder einem Elektrozaun sowie mit Minen zu sichern. 100 Millionen Euro veranschlagte er dafür.

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