Ansatz

Kerneuropa

Ein Begriff, der in verschiedenen Varianten immer wieder auftauchte, wenn in der Vergangenheit nach Zukunftsperspektiven gesucht wurde.

Ein Begriff, der in verschiedenen Varianten immer wieder auftauchte, wenn in der Vergangenheit nach Zukunftsperspektiven gesucht wurde.

Die Idee: Das Copyright können die CDU-Politiker Karl Lamers und Wolfgang Schäuble für sich in Anspruch nehmen. Für ihre Fraktion und sicher nicht ohne Duldung ihres Partei-Vorsitzenden Helmut Kohl entwickelten sie1994 die Idee eines Kerns besonders integrationsfreudiger Staaten. Diese sollten voranschreiten, andere Mitglieder könnten später aufschließen.

Die Argumente: Niemand solle ausgeschlossen werden, so die These, aber es könne nicht angehen, dass einige Bremser den Zug ständig aufhielten oder dessen Tempo bestimmten. Die Kerneuropa-Idee war eine Konsequenz aus wiederholten, für Integrations-Befürworter frustierenden Erfahrungen mit Ländern wie Großbritannien: Entweder bestimmte Projekte wie die europäische Sozialcharta wurden mit einem Dauerveto blockiert, oder London pochte auf Sonderrechte. Lamers' und Schäubles Überlegungen stießen auch deshalb auf Skepsis, weil der Eindruck erweckt wurde, da solle (um Deutschland, Frankreich und die Benelux-Länder herum) ein elitärer Club im Club gebildet werden.

Im Jahr 2000 plädierte auch der damalige Außenminister Joschka Fischer für eine Föderation europäischer Kernstaaten. Vier Jahre später distanzierte er sich wieder von diesem Vorstoß: Mit dem Argument, dass im Zeitalter von Globalisierung und großen internationalen Herausforderungen keine "klein-europäischen" Lösungen benötigt würden, sondern "mehr Integration" und starke Institutionen.

Die Chancen: An diesem Zustand hat sich bis heute nichts geändert - entsprechend wenig realistisch ist das Kern-Konzept. mbe

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion