+
Annegret Kramp-Karrenbauer beim Deutschlandtag der Jungen Union. Hinter ihr unterhalten sich Tilman Kuban (links), JU-Bundesvorsitzender, und Alexander Zeyer, Landesvorsitzender der Jungen Union Saar.

Junge Union

JU gönnt AKK keine Sprechgesänge

  • schließen

Die Junge Union stimmt für eine Urwahl in der Kanzlerkandidaten-Frage. Die Delegierten applaudieren Kramp-Karrenbauer – und bejubeln Merz.

Es gibt eine Hürde für Annegret Kramp-Karrenbauer, sie ist aus weißen Plastik, elegant geschwungen und ziemlich hoch. Die CDU-Chefin würde hinter diesem Stehtisch nicht ganz verschwinden, aber sie müsste sich schon ganz schön strecken. Kramp-Karrenbauer schnappt sich das Mikrofon und geht vor den Tisch, mit einem kleinen gefalteten Zettel. Vor ihr liegt ein abgedunkelter Saal. Die Junge Union hat sich zu ihrer Jahresversammlung versammelt, dem sogenannten Deutschlandtag. Ums Klima soll es diesmal gehen beim CDU-Nachwuchs. Fridays for Future hat die Junge Union erreicht. Aber es geht auch um ein anderes Klima, das in der Union.

Für Kramp-Karrenbauer ist der Auftritt ein wesentlicher. Er kann darüber entscheiden, ob sie weiter im Spiel bleibt in der CDU. Sie ist seit einem knappen Jahr Parteichefin, in den Monaten seither hat sie einige Fehler gemacht. Das hat dazu geführt, dass die Union nun diskutiert, ob die Saarländerin wirklich geeignet ist für Angela Merkels anderes Amt. Die K-Frage, die Kanzlerkandidatenfrage, ist zurück in der CDU.

Germanys next CDU-Kanzlerkandidat

Friedrich Merz stand am Freitagabend auf der Bühne, hinter dem Stehtisch, er ist ja ziemlich groß. Die Delegierten haben ihn umjubelt, mit Applaus, mit „Friedrich-, Friedrich“-Rufen. „Wenn Sie wollen, dass ich dabei bin, bin ich dabei“, rief Merz. Die Delegierten antworteten mit Gesang: „Oh, wie ist das schön.“

Die Junge Union hat gleich danach beschlossen, dass die Kanzlerkandidatur per Mitgliederentscheid entschieden werden sollte. Wer da beim Parteinachwuchs gewinnen würde, scheint klar, zumindest wenn man nach der Lautstärke geht.

Kramp-Karrenbauer sagt, man könne den Eindruck haben, „dass es mehr um das Format Germany’s Next Topmodel geht als um sonst was“. Germanys next CDU-Kanzlerkandidat. Sie entscheidet sich für Munterkeit, präsentiert sich als eine, die sich nicht beeindrucken lässt, zumindest nicht von einem Merz-Trend.

Aber sie räumt Fehler ein: „Es ist bei weitem nicht alles gelungen.“ Aber es gebe nun zum Beispiel eine Positionierung in der Klimapolitik. „Hätten wird diese Programmatik zur Europawahl gehabt, wäre die anders ausgegangen“, sagt sie. Nicht alles, was schlecht läuft in der CDU, ist Schuld der Parteichefin, soll das heißen. „Wir dürfen nicht mehr hinterherhinken“, ruft Kramp-Karrenbauer und macht sich zu einer, die einen festgefahrenen Wagen wieder flottkriegen muss.

AKK wieder in der Kritik

Zuletzt ist sie in die Kritik geraten, weil sie die rechtsextremen Anschläge von Halle als „Alarmzeichen“ bezeichnet hat. Dies spiele die Bedeutung herunter. Kramp-Karrenbauer bleibt bei ihrer Wortwahl: „Halle ist ein Alarmzeichen“, wiederholt sie und ergänzt: Es habe auch schon andere gegeben. Aber „keines dieser Alarmzeichen ist anscheinend so angekommen, dass man erkennt, Rechtsradikalismus und der politische Arm des Rechtsradikalismus – die AfD – sind ein wirkliches Problem in Deutschland“. Die Union hat ihren Ton gegenüber der AfD schon mehrfach verschärft. Kramp-Karrenbauer geht noch ein Stück weiter.

Im Bundestag sitze sie auf der Regierungsbank in Hörweite der AfD. Was da an Bemerkungen zu hören sei, sei so schlimm, „dass man weiß, warum es wichtig ist, dass Deutschland bei der künstlichen Intelligenz noch eine Schippe drauflegt“. Es ist die Passage mit dem meisten Applaus.

Eine große Ernüchterung war der Deutschlandtag für Jens Spahn. Der Gesundheitsminister habe Merz überholt, hatte es in der CDU zuletzt geheißen. Merz habe sich nach seiner Niederlage gegen Kramp-Karrenbauer nicht wirklich in die Partei einbinden lassen. Heimspiel also eigentlich für Spahn – aber der Applaus blieb höflich. Nach seiner Rede stand Spahn verloren auf der Bühne. JU-Chef Tilman Kuban war zur Begrüßung des bayerische Ministerpräsidenten Markus Söder geeilt. Der versicherte, er habe seinen Traumjob schon gefunden und befand sich damit selbst als potenziell kanzlerfähig, aber leider eben gebunden.

Lesen Sie hier: Wie Andreas Scheuer den eigenen Murks verschwinden lässt

Das Wort Kanzlerkandidat nahm übrigens nur Wirtschaftsminister Peter Altmaier in den Mund: „Ich bin der einzige, der nicht Kanzlerkandidat werden möchte – und ihr habt mich trotzdem eingeladen.“ Er empfahl, alle Interessenten in eine Arbeitsgruppe zu stecken, um das Wahlprogramm zu erarbeiten. „Wenn die das abgeliefert haben, können sie in die Schönheitskonkurrenz treten, wer auf die Plakate darf.“

„Die größte Gefahr für Deutschland, das sind wir selbst – wenn wir in unserer Käseglocke bleiben“, sagt Kramp-Karrenbauer zum Ende ihrer Rede. „Wir können es vermasseln, wenn wir glauben, dass wir so toll sind.“ Die Junge Union gönnt ihr guten Applaus, aber keine Sprechgesänge.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion