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Keine Raserei mehr

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Von: Joachim Wille

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Der Sommer war in hessen viel zu warm und viel zu trocken. Dem rasen vor dem Biebricher Schloss in Wiesbaden konnte da auch der Rasensprenger nicht mehr viel helfen.
Der Sommer war in Hessen viel zu warm und viel zu trocken. Dem Rasen vor dem Biebricher Schloss in Wiesbaden konnte da auch der Rasensprenger nicht mehr viel helfen. © Arne Dedert/dpa

Die Rasenflächen in Deutschland haben sich vielerorts erholt - aber nur dank des Regens im September. Es wird Zeit, dass sie gegen etwas Naturgemäßeres ausgetauscht werden.

Er ist wieder da. Hier und da gibt es noch Aussetzer. Da ist er weiterhin braun oder gelb. Es sind die Stellen, wo ihm der trockene Sommer besonders zugesetzt hat. Ohne jeden Schatten, mit sandigem Boden, der Wasser schlecht speichert. Aber sonst scheint alles wieder okay. Als hätte es die Monate nicht gegeben, in denen alles verbrannt war. Und kein Leben mehr in ihm zu sein schien.

Der grüne Rasen ist wieder da. Im Garten, im Park, auf dem Sportplatz, auf anderen Grünflächen. Der nasse September nach dem trockenen Frühjahr und vielerorts einem wüstenartigen Sommer hat ihn revitalisiert. Man kennt das zwar schon aus den Dürrestress-Jahren 2018 bis 2020. Doch es kommt einem trotzdem wieder fast wie ein Wunder vor. Die Wurzeln haben überlebt. Die Gräser treiben wieder aus, als hätte es die Trockenzeit nie gegeben.

Rund 1,8 Millionen Hektar in Deutschland sind mit Rasen bedeckt – immerhin fünf Prozent der Fläche. Um die auch konstant „englisch“ grün zu halten, braucht es neben regelmäßigen Mäheinsätzen und Düngergaben auch viel Wasser. Den Rasen zu sprengen, gehört für viele Zeitgenoss:innen immer noch dazu. Auch in diesem Sommer war das so.

Dabei kann der Rasen ziemlich durstig sein. Ein 100 Quadratmeter großes Stück erfordert, wenn man es auch in den drei Sommermonaten schön grün haben will, laut Umweltbundesamt 18 000 bis 30 000 Liter Wasser. Bei fünf Monaten Sprengzeit könnten es sogar 50 000 Liter sein. Das entspricht in etwa dem durchschnittlichen Jahresverbrauch eines Deutschen, der liegt bei 47 000 Litern.

Noch ist Deutschland kein Land im Wasserstress, obwohl die verfügbare Gesamtmenge bereits seit 2003 fast jedes Jahr niedriger lag als im langjährigen Mittel und im Trockenjahr 2018 sogar regelrecht abstürzte. Doch die Gefahr rückt näher. Der Klimawandel, der die deutschen Sommer trockener macht, legt ja keine Pause ein. Ein Verzicht aufs Rasensprengen alleine wird zwar nicht reichen, um den Wasserstress zu beherrschen. Doch wetten, es wird zum Auslaufmodell werden.

Man kann es ja auch positiv sehen. Gar nicht schlecht, wenn die ökologische Wüste, die der gedüngte, kurzrasierte und gewässerte Standardrasen darstellt, gegen etwas Naturgemäßeres ausgetauscht wird. Eine Blumenwiese zum Beispiel, die Trockenheit besser aushält. Und für alle anderen bleibt nur die Hoffnung, dass der angeblich trockenheitsresistente „Klimarasen“-Samen etwas taugt, den man inzwischen kaufen kann.

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