Keine offizielle Vertretung

  • schließen

In Deutschland gibt es eine Vielzahl islamischer Verbände

Fast drei Millionen Muslime leben in Deutschland, die meisten von ihnen "still und angepasst", wie die Bundesausländerbeauftragte Marieluise Beck (Grüne) betont. Welche Positionen sie vertreten, ist nicht leicht nachzuvollziehen. Denn anders als die großen christlichen Religionen oder das Judentum haben die Muslime keine einheitliche Vertretung. Der Grund: Es gibt keine Amtskirche im Islam.

So hat sich eine unübersichtliche Struktur von Vereinen, Organisationen und Dachverbänden herausgebildet. Oft sind sie nicht nur nach Glaubensrichtungen, sondern auch nach Herkunft gegliedert.

So vertritt der größte islamische Verband im Bundesgebiet den türkischen Staatsislam mit seinem laizistischen Prinzip der Trennung von Staat und Religion. Es ist die "Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion", kurz Ditib, mit Sitz in Köln. Die Organisation unter dem Vorsitz von Ridvan Cakir arbeitet eng mit dem "Präsidium für Religionsangelegenheiten" in Ankara zusammen, das auch die Imame nach Deutschland entsendet. Dem Verband sind mehrere hundert Moscheen in Deutschland angeschlossen - Politik will Ditib ausdrücklich nicht machen.

Stärker als Ditib begreifen sich zwei große Zusammenschlüsse als Interessenvertretungen der Muslime in Deutschland. Der Zentralrat der Muslime, dessen Vorsitzender saudi-arabische Arzt Nadeem Elyas ist, bündelt Muslime aus der Türkei, der arabischen Welt, Iran und anderen Ländern mit unterschiedlichen Glaubensrichtungen des Islam. Vertreter einer strengen Scharia-Auslegung zählen dazu. Der Zentralrat hat sich die Kooperation mit Christen und Juden in Deutschland auf die Fahnen geschrieben.

Der Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland ist weniger pluralistisch zusammengesetzt. Dort hat Milli Görüs das Sagen. Ein zentrales politisches Ziel des Islamrates ist die Einführung des Islamunterrichtes an deutschen Schulen. Geführt wird der Islamrat von Ali Kizilkaya.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion