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60 JAHRE DANACH

Keine Narben

Heribert Baum erlebte als Junge den Einmarsch der US-Truppen in sein Heimatdorf Baasem (Eifel). Er hat die Amerikaner als freundliche Besatzer in Erinnerung.

In Baasem wurde rechtzeitig vor dem Sturmangriff der Amerikaner in der Schule ein Hauptverbandsplatz eingerichtet. In Abhängigkeit des Arbeitsanfalles bzw. der Dringlichkeit der Aufgaben wurden wir Jungen von dem deutschen Militär eingesetzt, so zum Essenholen, zur Wegweisung und zur Hilfeleistung am Verbandsplatz... Wir haben die Hilfe gerne geleistet. Es gab weder Trinkgeld noch Lohn nur Anerkennung. Mein Pech war es, während des Einsatzes am Verbandsplatz einen Hund zu beobachten, der mit einem menschlichen Arm in der Schnauze daher kam. Ich konnte vor Abscheu nicht reagieren, sonst hätte ich dem Hund nachgesetzt, und mit meiner Standhaftigkeit als Gehilfe des Kriegshandwerks war es endgültig vorbei. Gewalt ist in jeder Form zu vermeiden.

Zum Erstaunen aller Beteiligten führte ein friedlicher Appell in den letzten Tagen vor der Besetzung Baasems durch die Amerikaner im März 1945 zum Erfolg. Einige Soldaten hatten dem Druck der Amerikaner weichend ihre Stellung im benachbarten Kronenburg aufgegeben, brachten die Panzerabwehrkanone gegenüber von Droggen-Haus am Ortseingang in Stellung und wollten von hier aus erneut Widerstand gegen die Invasion leisten. Wir erfuhren davon und mit der Unterstützung einiger Nachbarn und uns Jungen gelang es meinem Vater in milden Worten und mit dem Versprechen, ihnen Brot zu geben, die Soldaten zum Abziehen zu bewegen. Sie protzten ihre Kanone ab, hängten ihre Rucksäcke ans Rohr, nahmen bei der Vorbeifahrt an unserer Bäckerei das Brot mit und zogen weiter. Mein Vater sagte: Kinder, da seht ihr die allerletzten deutschen Soldaten überhaupt. Es war ein jämmerlicher Anblick, der uns aber mit Stolz erfüllte. Eigentlich hätte er sagen müssen: die letzten Soldaten der deutschen Wehrmacht

Die Einnahme unseres Dorfes durch die GI's war eher unspektakulär... Mein Vater und ich waren auf dem Dach unserer Bäckerei, um dieses zu reparieren, da sahen wir von Nordosten eine motorisierte Einheit auf das Dorf anrücken. Die GI's fuhren mit ihren Jeeps an bestimmte Plätze, so auch auf unseren Hof, durchsuchten die Häuser nach Soldaten und gaben einschneidende Befehle zur Abgabe von Kriegsgerät aller Art, Registrierpflicht, Ausgangssperren bekannt. Mir blieb von der geräuschlosen Einnahme des Ortes, d.h. es fiel kein Schuss und kein lautes Wort, in Erinnerung, dass die GI's von unserem Nachbarn Stahl Äpfel bekommen hatten und diese während der weiteren Durchforstung der Häuser auch aßen.

Meine Mutter war einige Tage vor der Einnahme des Dorfes als Folge einer Bomben- oder Granatexplosion ausgelöst durch die Druckwelle durch viele kleinste Glassplitter des zerborstenen Küchenfensters verletzt worden. Der GI, der unser Haus durchsucht hatte, holte nach dem Anblick der Blessuren, die er als Folge der US-Angriffe erkannte, einen Sanitäter. Dieser suchte zuerst den Kopf nach Glassplittern ab und holte noch viele kleinste Splitter mit einer Pinzette heraus, besonders aus beiden Ohren. Dann hat er das Gesicht gereinigt und mit einer Tinktur eingeschmiert. Die Erinnerung an die Einzelheiten dieses Vorganges wurde immer wieder aufgefrischt, weil die Behandlung dafür gesorgt hatte, dass keine Närbchen zurückblieben und meine Mutter dies unendlich oft erzählt hat.

Heribert Baum, Grainau

Serie: Das Tagebuch, FR-Leserinnen und Leser berichten 60 Jahre danach

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