Der Chef der sächsischen Staatskanzlei Johannes Beermann im sächsischen Landtag in Dresden.
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Der Chef der sächsischen Staatskanzlei Johannes Beermann im sächsischen Landtag in Dresden.

Bundesbank Frankfurt

Keine Lust auf Sachsens Kungelkram

Die Thüringer SPD will verhindern, dass der Dresdner Staatskanzleichef Beermann in den Vorstand der Bundesbank kommt: Bei einer so wichtigen Position müsse es nach Qualifizierung und nicht nach Parteibuch gehen.

Anders als Sachsens SPD-Chef Martin Dulig, der gerade mit seinem Küchentisch durchs Land zieht und auf ebenso familiäre wie eigentümliche Art bis Ende August Wahlkampf betreibt, würde der Dresdner Staatskanzleichef Johannes Beermann gerne mit seinem kompletten Mobiliar auf Reisen gehen. Wenn man ihn denn ließe: Der 53-jährige Christdemokrat, die rechte und grobe Hand von CDU-Ministerpräsident Stanislaw Tillich, möchte am 1. Januar 2015 einen Vorstandsposten bei der Bundesbank in Frankfurt einnehmen. Doch nun gibt es Widerspruch aus Erfurt.

Eigentlich war die Personalie in Sack und Tüten. Das sächsische Kabinett hat Beermann für den zum Jahresende ausscheidenden Vorstand Rudolf Böhmler vorgeschlagen, was auch mit der CDU-SPD-Koalition in Thüringen, die der Berufung zustimmen muss, so abgesprochen worden sei, heißt es in Dresden.

Doch die Thüringer SPD, Koalitionspartner von CDU-Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht, will nicht. „Die Partei ist bei der Entscheidung um die Personalie nicht eingebunden gewesen“, so Sozialministerin Heike Taubert, Spitzenkandidatin der SPD für die Landtagswahl im September. Sie werde das Thema am heutigen Dienstag in das Kabinett einbringen mit dem Ziel, Beermann zu verhindern.

Das Ganze sei eine „Versorgungsaffäre à la CDU“, schimpft Taubert. Was die CDU-Ministerpräsidenten Thüringens und Sachsens „ausgekungelt“ hätten, interessiere sie deshalb „herzlich wenig“. Bei einer so wichtigen Position wie dem Bundesbank-Vorstandsposten müsse es aber nach Qualifizierung und nicht nach Parteibuch gehen. Der Bundesrat wird Mitte Juli über die mit 250 000 Euro jährlich dotierte Stelle beraten. Nun wollen Thüringens Genossen alle SPD-Länder gegen Beermann mobilisieren und haben ein schönes kleines Wahlkampf-Thema gefunden.

Der Krach dürfte auch etlichen Christdemokraten in Sachsen gefallen, denn Tillichs Vertrauter ist alles andere als beliebt in der Union. Er gilt als effektiver Ausputzer, schwierig bis schroff im Umgang. In der sächsischen CDU, wo man viel Wert auf regionale Herkunft legt, hat der Jurist aus dem Münsterland nicht wirklich Fuß gefasst.

Wikipedia-Eintrag gelöscht

Noch ein Detail sorgt für Erstaunen in Dresden: Beermann war von 2003 bis 2008 Generalbevollmächtigter der umstrittenen Immobiliengruppe Fundus. In seiner Biografie auf der Homepage der Staatskanzlei taucht das nicht auf. Weil es „Teil seiner anwaltlichen Tätigkeit“ gewesen sei, heißt es in Dresden. In Beermanns Wikipedia-Eintrag wurde der Job 2009 angeblich gelöscht, laut Magazin „Spiegel“ womöglich sogar von einem sächsischen Beamten. Die IP-Adresse werde geführt als „TSI für Sächsische Staatskanzlei“ und gehöre zu einem Netz, das aber auch von Mitarbeitern anderer Ministerien und Behörden genutzt werden konnte. Am Montag enthielt der Wikipedia-Eintrag allerdings Beermanns Tätigkeit bei Fundus. Die Fundus-Gruppe hatte das Geld Tausender Anleger in Fonds für die Hotels Heiligendamm und Adlon gesteckt, die später in Schieflage gerieten.

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