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Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu sieht sein Land im Streit mit Moskau im Recht.

Abschuss Su-24

Keine Entspannung in Sicht

Die Beziehung zwischen Russland und der Türkei bleibt kritisch. Der türkische Ministerpräsident will sich nicht für den Abschuss entschuldigen, Wladimir Putin denkt nicht daran, die Sanktionen aufzuheben. Ein Treffen mit Erdogan lehnt er ebenfalls ab.

Die türkische Regierung will sich bei Russland nicht wegen des Abschusses eines Kampfflugzeuges entschuldigen. Es sei "nicht nur das Recht, sondern die Pflicht" seiner Regierung, Luftraum und Grenzen zu schützen, sagte der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu am Montag bei einem Besuch der Nato in Brüssel. "Kein Land kann von uns fordern, dass wir uns entschuldigen, weil wir unsere Pflicht tun." Davutoglu forderte gleichzeitig die russische Regierung auf, die wegen des Vorfalls verhängten Wirtschaftssanktionen zurückzunehmen.

Der Abschuss am 24. November hat zu erheblichen Spannungen zwischen Ankara und Moskau geführt. Nach türkischer Darstellung war der Kampfjet von Syrien aus in den türkischen Luftraum eingedrungen. Einer der beiden russischen Piloten war bei dem Vorfall getötet worden. Russlands Präsident Wladimir Putin fordert von Ankara eine Entschuldigung und hat am Samstag Wirtschaftssanktionen verhängt, darunter ein Einfuhrverbot für bestimmte Waren, Einschränkungen für den Tourismus und die Rückkehr zur Visumspflicht für türkische Staatsbürger.

"Wir hoffen, dass Russland diese Maßnahmen in unserem beiderseitigen Interesse überdenken wird", sagte Davutoglu nach einem Treffen mit Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg. Die Türkei sei bereit zu Gesprächen mit Moskau. Stoltenberg sagte, er würde jegliche Kontakte zwischen beiden Seiten begrüßen. Es sei notwendig, "die Spannungen zu beruhigen". Stoltenberg kündigte zugleich an, die Nato-Außenminister würden bei ihrem Treffen am Dienstag über mögliche Mechanismen beraten, um solche Vorfälle in Zukunft zu verhindern.

Russland verschärft Sanktionen

In Moskau dagegen denkt man offenbar gar nicht erst an eine Aufhebung der Sanktionen. Vielmehr wurden neue Einschränkungen in den bilateralen Handelsbeziehungen verkündet. So dürfen russische Klubs in der kommenden Winterpause keine türkischen Spieler verpflichten. Dies teilte der russische Sportminister Witali Mutko mit. Mutko sagte jedoch, dass das Verbot nicht Spieler betrifft, die bereits in Russland aktiv sind, wie beispielsweise Rubin Kasans Mittelfeldakteur Gökdeniz Karadeniz, der seit 2008 in Russland spielt. "Jeder, der einen bestehenden Vertrag hat, darf weiterarbeiten", sagte Mutko. Auch türkische Firmen, die an dem Bau der Stadien für die WM 2018 in Russland beteiligt sind, sind von dem Befehl ausgeschlossen. Ihre Wintertrainingslager sollen die Vereine aber nicht in der Türkei abhalten. Lokomotive Moskau, Spartak Moskau oder auch Kuban Krasnodar teilten mit, dass sie diesen Ratschlag beherzigen werden.

Ab wann die Einfuhrverbote von türkischen Lebensmitteln greifen, ist bisher nicht bekannt. Als wahrscheinliches Datum gilt aber der 1. Januar 2016. Industriewaren wie etwa Textilien würden zunächst nicht mit einem Importstopp belegt, sagte Vizeregierungschef Igor Schuwalow am Montag in Moskau der Agentur Interfax zufolge. Beobachter hatten weiterreichende Einfuhrbeschränkungen erwartet.

Kein Treffen der Staatschefs

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte am Montag, ein Treffen zwischen den Präsidenten Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan am Rande der Klimakonferenz bei Paris sei von russischer Seite "nicht geplant". Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu betonte, seine Regierung werde sich nicht für den Abschuss entschuldigen.

"Mit Erdogan ist kein Treffen geplant", sagte Peskow. "Es gibt keine Debatte über ein solches Treffen." Erdogan hatte zuvor vorgeschlagen, die Klimakonferenz für ein solches bilaterales Treffen zu nutzen. Dabei wollte er direkt mit Putin über den Abschuss des Kampfjets am Dienstag vergangener Woche sprechen.

Die Leiche des bei dem Flugzeug-Abschuss getöteten Piloten wurde am Montag nach Russland überführt. (dil/afp/dpa/sid)

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