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Die große Leere vor dem Pariser Invalidendom.

Frankreich

Keine Entspannung bei den Nachbarn

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Eine Woche dauert die Ausgangssperre bereits, doch Frankreich stellt sich auf weitere Einschränkungen ein.

Nach einer einwöchigen Ausgangssperre in Frankreich, während der die Menschen nur noch begrenzt und mit Passierschein das Haus verlassen dürfen, gibt Präsident Emmanuel Macron keine Entwarnung. „Wir sind noch nicht am Ende dessen angelangt, was wir durch diese Epidemie noch erleben werden“, sagte er in einem Interview. Man steuere auf „eine nie da gewesene Finanzkrise“, eine „echte Wirtschaftskrise“ infolge des Coronavirus zu.

Es gilt als sicher, dass die Regierung den weitgehenden Hausarrest, der zunächst für zwei Wochen angeordnet war, verlängern und verschärfen dürfte. Eine entsprechende Empfehlung des wissenschaftlichen Expertenrates wird am Dienstag erwartet. Der Präsident des Komitees, der Immunologe Jean-François Delfraissy, sagte, er „flehe“ die Franzosen an, die Regeln zu befolgen. Immer noch seien zu viele Menschen draußen unterwegs. Mediziner plädieren dafür, individuellen Sport und Spaziergänge sowie Straßenmärkte zu verbieten. Bereits seit einigen Tagen sind die Strände der Côte d’Azur nicht mehr zugänglich. Metropolen wie Lyon und Paris haben beliebte Flaniermeilen gesperrt, andere erließen nächtliche Ausgangssperren.

Am Wochenende beschloss die Nationalversammlung, die durch Covid-19-Fälle in ihren eigenen Reihen dezimiert ist, einen „sanitären Notstand“. Dieser erlaubt dem Premierminister unter anderem, Versammlungsverbote zu erlassen, die Personenfreizügigkeit und die Gewerbefreiheit zu beschränken. Wer wiederholt gegen das Ausgangsverbot verstößt, muss mit bis zu sechs Monaten Haft und einer Geldbuße rechnen.

Frankreich, das bis Montag mehr als 670 Tote und 16 000 Infizierte zählte, führt täglich 4000 Tests durch. Die Krankenhäuser vor allem in den stark betroffenen Regionen Grand Est im Osten sowie in der Hauptstadtregion klagen über Mangel an Schutzmasken und Überlastung. Gestern nahm ein Feldlazarett der Armee in Mülhausen im Elsass den Betrieb auf.

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