+
Richtungswahl: In der Stichwahl stehen nur noch Marine Le Pen und Emmanuel Macron zur Wahl.

Wahl in Frankreich

Keine Atempause für die Kontrahenten

  • schließen

Macron und Le Pen liefern sich einen Kampf, der zugleich einer der Städte gegen die Dörfer ist.

An Glückwünschen und Solidaritätsadressen fehlt es Emmanuel Macron am Montag nicht. Aus aller Welt treffen sie ein. Sie zeugen von der Erleichterung, dass der überzeugte Europäer als Sieger in die zweite Runde der französischen Präsidentschaftswahlen vorgedrungen ist und von der Hoffnung, dass er sich dort auch gegen die Rechtspopulistin Marine Le Pen durchsetzen wird.

Frankreichs Sozialistische Partei, deren Spitzenkandidat Benoît Hamon in der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahlen am Sonntag mit demütigenden 6,3 Prozent ausgeschieden ist, schlägt sich am Montagnachmittag ebenfalls auf die Seite des mit 23,9 Prozent bedachten Siegers. Macron dürfte die Beistandserklärung mit gequältem Lächeln zur Kenntnis nehmen. Zu den Schwachpunkten des Politikers, der sich den Franzosen als den traditionellen Parteien fernstehender Erneuerer empfiehlt, zählt nun einmal die Nähe zu den in Ungnade gefallenen regierenden Sozialisten. Dass sie sich um Macron scharen, dürfte seine Wahlchancen nicht eben erhöhen.

Gefolgsleute der am Sonntag mit 21,4 Prozent auf Platz zwei gelandeten Chefin des Front National haben Macron bereits genüsslich mit dem scheidenden sozialistischen Staatschef in eins gesetzt und den Spitznamen Emmanuel Hollande verpasst. Und auch das Schlimmste ließ nicht lange auf sich warten: Hollande, der es zum mit Abstand unbeliebtesten Präsidenten der Fünften Republik gebracht hat, gab am Montagnachmittag ebenfalls eine Wahlempfehlung für Macron ab, seinen ehemaligen Berater und Wirtschaftsminister. Ein Sieg Le Pens in der Stichwahl vom 7. Mai wäre ein „Risiko“ für Frankreich, sagte er.

Fernsehduell am 3. Mai

Da ist nur gut, dass Macron auch aus anderen politischen Lagern Unterstützung erhält. So haben die konservativen Republikaner nicht nur hinter verschlossenen Türen mit ihrem in Affären verstrickten Kandidaten François Fillon abgerechnet, der am Sonntag mit 19,9 Prozent ausgeschieden war. Sie haben wie auch Frankreichs Grüne eine offizielle Wahlempfehlung zugunsten Macrons ausgearbeitet.

Fillon selbst hatte am Abend der Niederlage bereits den Weg gewesen. „Der Front National steht für Gewalt und Intoleranz“, sagte der Ex-Premier. „Das Programm des FN stürzt Frankreich in den Bankrott und Europa ins Chaos. Ich werde Emmanuel Macron wählen.“ Andere politische Schwergewichte der „Republikaner“ wie die früheren Regierungschefs Jean-Pierre Raffarin und Alain Juppé folgten Fillons Beispiel.

Für den Gründer der Bewegung „Ein Marche!“ (Vorwärts!), der als „Erneuerer des politischen Systems“ antritt, sind die sich anbiedernden Sozialisten freilich nicht die einzige Herausforderung, der er sich in den nächsten Tagen zu stellen hat. Hinzu kommt der geringe Rückhalt im ländlichen Raum. Das Duell Macron – Le Pen ist zugleich eines der Städte gegen die Dörfer. In Paris hat der sozialliberale Kandidat 35 Prozent erzielt, die rechtspopulistische Rivalin ganze fünf Prozent.

Während Macron und Le Pen in ihren Wahlkampfzentralen an einer Strategie feilen, wie sie auf dem Terrain des Gegners Boden gut machen könnten, liefern sich Gefolgsleute der beiden in der Öffentlichkeit bereits heftige Wortgefechte. Im Radiosender France Info etwa maßen die Sprecher der Stichwahlgegner am Montag ihre Kräfte. Der Schlagabtausch machte deutlich, wo die Rivalen Schwachpunkte des Gegners vermuten, die es auszuschlachten gilt.

Der für Le Pen sprechende Nicolas Bay beschuldigte Macron des Vaterlandsverrats, warf dem Widersacher vor, er wolle die Franzosen mit einer „ultraliberalen Wirtschaftspolitik“ ins Elend „ungehemmter Globalisierung“ stürzen, dem Terror und der Einwanderung Tür und Tor öffnen. Auf der anderen Seite versuchte Macrons Sprecher Christophe Castaner zu verdeutlichen, dass es just der Protektionismus Le Pens, ihre Absage an die Europäische Union und den Euro seien, was die Franzosen ins Elend zu stürzen drohe.

Macron und Le Pen dürften sich an diesem Dienstag persönlich begegnen. Hollande hat die beiden eingeladen. Eine Feier zu Ehren des beim Terroranschlag auf den Pariser Champs-Elysées ermordeten Polizisten richtet der Staatschef aus. Der Wahlkampf soll dann eine Stunde ruhen. Am 3. Mai können die zwei freilich Versäumtes nachholen und einander direkt die Meinung sagen. Zum Fernsehduell haben sie dann anzutreten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion