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Vor der Münchner Frauenkirche ziert eine beleuchtete Sternschnuppe eine Bude auf dem Weihnachtsmarkt.

Terrorgefahr

Keine Angst vor dem Weihnachtsmarkt

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Schausteller und Besucher hatlten der Terrorgefahr zum Trotz an der Tradition fest - sind aber wachsamer.

München. Auch die letzten der rund 1500 heimischen Weihnachtsmärkte eröffnen dieses Wochenende. Aber was in Vorjahren ein weitgehend unbeschwertes Vergnügen und Einkaufen war, steht diesmal unter dem Eindruck der Terroranschläge von Paris. Wenn Politiker vor erhöhter Anschlagsgefahr auch in Deutschland warnen, nennen sie dabei regelmäßig auch Weihnachtsmärkte. Schon die Massen machen das Geschehen nicht leicht kontrollierbar. Rund 85 Millionen Besucher strömen hier zu Lande in den Wochen vor Weihnachten jedes Jahr auf die Märkte, weiß der Deutsche Schaustellerbund (DSB). Im Schnitt ist also jeder Bundesbürger dabei. „Besucherrückgang haben wir aber nur bei Regentagen“, stellt DSB-Präsident Albert Ritter nach den Erfahrungen der ersten Markttage jetzt klar. Bislang habe sich kaum jemand abschrecken lassen.

Auch eine Frage der Existenz

Der Schausteller-Präsident klingt kämpferisch und sieht einen Besuch auch als politisches Statement in bewegten Zeiten. „Wir lassen uns unsere Weihnachtsmärkte nicht nehmen“, bricht es aus ihm heraus. Auch von den Schaustellern habe kein einziger gekniffen und aus Angst seinen Stand storniert. Viele könnten sich das auch gar nicht leisten. Für die Branche sind die Weihnachtsmärkte existenziell wichtig. Im Sommer und Herbst tummeln sich die hier zu Lande rund 5000 Schaustellerunternehmen auf den noch knapp 10 000 deutschen Volksfesten. Im Winter kommen Weihnachtsmärkte als zweites Standbein dazu.

„Aus einem Achterbahnbetreiber wird dann ein Glühweinverkäufer“, erklärt Ritter. Aber die Entwicklung beider Gewerbe ist gegensätzlich. Während zur Jahrtausendwende jedes Jahr noch rund 180 Millionen Besucher ihr Geld auf Volksfesten ausgegeben haben, hat der DSB in einer Studie aktuell dort nur noch 148 Millionen Besucher ermittelt. Im Aufwind sind dagegen Weihnachtsmärkte. Dort hat die Besucherzahl im gleichen Zeitraum um gut zwei Drittel zugenommen.

Allerdings wird auf Volksfesten pro Besuch und Person mit im Schnitt gut 22 Euro immer noch doppelt so viel ausgegeben wie auf Weihnachtsmärkten. In der Summe macht das dennoch gut eine Milliarde Euro Winterumsatz. Auf Volksfesten werden laut DSB jährlich 2,65 Milliarden Euro umgesetzt. Lukrativer sind für die Branche dennoch oft die Weihnachtsmärkte. Hier ist das Geschäft binnen vier bis fünf Wochen unter Dach und Fach. Die Volksfestsaison dagegen läuft ein halbes Jahr.

Schon aus ökonomischen Gründen werden sich Schausteller also nicht so leicht von Terrorgefahren einschüchtern lassen. Es sei ja auch nicht so, dass die Situation völlig neu ist, stellt Ritter klar. Seit dem Angriff auf das World Trade Center in New York 2001 leben Weihnachtsmärkte mehr oder weniger latent mit Terrorrisiken. Für jeden Markt und in jeder Stadt gebe es heute entsprechende Sicherheitskonzepte, erklärt Ritter. Die würden auch funktionieren. Er erinnert an eine Bombenwarnung bei einem Weihnachtsmarkt in Bad Kreuznach vor vier Jahren. Binnen weniger Minuten habe man damals den Platz geräumt, ohne dass jemand zu Schaden gekommen wäre. Eine Bombe wurde damals zwar nicht gefunden, aber die Schausteller mussten Umsatzeinbußen von über einer Million Euro verkraften. Es lässt sich erahnen, was ein wirklicher Anschlag mit Auswirkungen auf alle Weihnachtsmärkte bundesweit für die Branche bedeuten könnte. „Die Plätze wären schnell leer und das Geschäft verloren“, fürchtet ein Schausteller.

Der DSB hat seine Mitglieder deshalb dieses Jahr zu verstärkter Wachsamkeit aufgerufen. Kommunen haben die Polizeipräsenz erhöht. Einlasskontrollen gibt es aber nicht, weil das bei offenen Märkten meist in den Herzen der Innenstädte auch kaum möglich wäre. Aber große Rucksäcke oder Rollkoffer sind auf manchen Märkten verboten. Zwischen Polizei und Schaustellern wurde zum Beispiel am Nürnberger Christkindlesmarkt ein Alarmsystem per Handy eingerichtet.

„Absolute Sicherheit kann niemand versprechen“, räumt Ritter ein. Man solle es aber nicht übertreiben. Sogar in Paris habe der Weihnachtsmarkt zwar ein paar Tage später als sonst aber dann doch eröffnet. Und in Brüssel, wo seit Tagen der Ausnahmezustand herrscht, werde er demnächst beginnen. Das wisse er, weil er mit dortigen Kollegen im Kontakt steht, versichert Ritter.

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