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Wie wird der Sommerurlaub 2020? Genau weiß es noch niemand. Sicher ist nur, dass es sicher nicht so wird wie gewohnt.

Corona und Urlaub

Anders Reisen

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Auch wenn Europa seine Grenzen nach und nach wieder öffnet – die labile Tourismusbranche muss sich umstellen. Die Folge: Urlaub wird teurer.

Die seit dem 15. März laufenden Grenzkontrollen zu Deutschlands südlichen Nachbarländern werden bis zum 15. Juni gelockert und anschließend voraussichtlich vollständig aufgehoben. Das sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) am Mittwoch nach einer Sitzung des Bundeskabinetts. Derweil bleiben die Reisebeschränkungen gegenüber Drittstaaten ebenso weiter bestehen wie die Kontrollen auf polnischer und tschechischer Seite zu Deutschland. Für eine Lockerung der Grenzkontrollen zu Italien, etwa von österreichischer Seite, ist es dem CSU-Politiker zufolge noch zu früh.

Man habe mit Frankreich, der Schweiz und Österreich eine Übereinkunft getroffen, die Grenzkontrollen bis zum 15. Juni 2020 zu verlängern – mit dem Ziel, danach wieder einen komplett freien Reiseverkehr zu haben, sagte Seehofer. Dies setze allerdings voraus, „dass es beim Infektionsgeschehen so günstig weiter läuft“ und sich die Bevölkerung weiterhin diszipliniert verhalte. Die Grenzkontrollen zu Luxemburg liefen bereits am 15. Mai aus, sagte er. An der Grenze zu Dänemark könne sich die Bundesregierung das ebenfalls vorstellen.

Vom kommenden Samstag an bis Mitte Juni soll es an den Grenzen zu Frankreich, der Schweiz und Österreich überdies Lockerungen geben. So sollen wieder alle Grenzübergangsstellen geöffnet werden, so dass Betroffene keine Umwege mehr in Kauf nehmen müssen. Auch sollen an den Kontrollstellen nicht mehr wie bisher systematische Kontrollen stattfinden, sondern nur noch Stichproben. Bei besonderen persönlichen und familiären Gründen sollen die Grenzbeamten mehr Nachsicht walten lassen. Ferner soll der Zwang zur Quarantäne bei der Rückkehr aus den genannten Staaten ab Samstag fallen – bei Einreisen aus Drittstaaten wie den besonders betroffenen USA oder Russland aber fortgelten.

„Das Infektionsgeschehen ist deutlich zurückgegangen“, sagte der Bundesinnenminister. „Wir haben einen ausbalancierten Weg gefunden.“ Er könne Lockerungen im Licht des Infektionsgeschehens schon jetzt verantworten – eine völlige Aufhebung der Kontrollen hingegen nicht. Bei Verschlechterungen der Lage müsse man wieder entsprechend reagieren, so Seehofer weiter.

Außenminister Heiko Maas (SPD) sagte: „Für Europa wird es sicher früher möglich sein, die Reisewarnung aufzuheben als für andere Reiseziele – vorausgesetzt, dass sich der jetzige positive Trend in vielen Ländern verstetigt. Reisefreiheit gehört zum Fundament des europäischen Projekts.“

Unterdessen legte die EU-Kommission einen Plan vor, wie die Europäer trotz Corona-Krise einen Sommerurlaub verbringen können. Dazu sollten schrittweise die Grenzen zwischen den EU-Staaten wieder geöffnet werden. Voraussetzung sei allerdings, dass die Staaten ähnliche Infektionsraten und vergleichbare Gesundheitssysteme hätten, sagte Kommissionsvizepräsidentin Margrethe Vestager am Mittwoch. Damit soll auch die angeschlagene Tourismuswirtschaft in der EU wieder etwas in Schwung gebracht werden.

Die Brüsseler Behörde will mit ihren Leitlinien verhindern, dass es wieder zu nicht abgesprochenen Alleingängen der Mitgliedsstaaten wie zu Beginn der Viruskrise kommt. Ob das Vorhaben der Kommission gelingt, ist ungewiss. Denn die EU-Behörde kann nur Empfehlungen abgeben.

Vestager versuchte trotzdem, etwas Optimismus zu verbreiten. „Das wird für niemanden von uns ein normaler Sommer, aber wenn wir alle zusammenarbeiten, dann werden wir nicht den ganzen Sommer zu Hause verharren müssen“, sagte sie. Dann werde es „auch kein vollständig verlorener Sommer für die europäische Tourismusindustrie werden“. Konkret schlägt die Kommission vor, dass zunächst die Reisebeschränkungen zwischen Staaten entfallen könnten, in denen die Infektionsraten ähnlich niedrig seien. Dabei sollen die EU-Länder auch einzelne Regionen im Blick haben, so die Kommission.

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