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Saif Ul Malook, der Anwalt von Asia Bibi, spricht in Frankfurt über seine Mandantin.

Pakistan

Kein Visum für Asia Bibi

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Kein Land hat bisher ein Angebot gemacht, die bedrohte pakistanische Christin Asia Bibi aufzunehmen. Das berichtet ihr Anwalt Saif Ul Malook in Frankfurt.

Asia Bibi geht es gut. Das ist erst einmal die gute Nachricht, die ihr Anwalt Saif Ul Malook am Dienstag in Frankfurt verkünden konnte. Die 2010 in Pakistan wegen Blasphemie zum Tode verurteilte Christin wurde im Oktober dieses Jahres freigesprochen – was Proteste von islamistischen Extremisten auslöste, die Asia Bibi tot sehen wollen. „Diese Fanatiker haben auch zum Mord an den Obersten Richtern aufgerufen, dabei halten diese sich einfach nur an die Verfassung“, sagt Malook im Pressegespräch, das das katholische Hilfswerk Missio (Aachen) und die nichtstaatliche Organisation Diplomatic Council organisiert hatten.

Entgegen anderslautender Vermutungen, befinde sich Asia Bibi immer noch in Pakistan. Sie sei dort gemeinsam mit ihrem Mann und ihren zwei Töchtern an einem geheimen Ort untergebracht, die Regierung sorgt laut ihrem Anwalt für ihre Sicherheit. Dennoch ist das Ziel von Bibis Anwalt, dass sie möglichst bald aus Pakistan ausreisen kann. Und er richtet einen klaren Appell an die Länder, die Asia Bibi und ihre Familie aufnehmen könnten: „Sie brauchen ein Visum. Aber keine Regierung der westlichen Welt hat ihnen bisher Papiere ausgestellt.“ Dabei ist dies laut dem Anwalt kein Problem. Bei Asia Bibi handele es sich um eine unschuldige Frau, die ihre durch die pakistanische Verfassung garantierte Reisefreiheit nutzen möchte. Dass sie das nicht könne, liege also nicht an der pakistanischen Regierung, sondern an der fehlenden Bereitschaft der westlichen Länder, ihr Papiere auszustellen.

Asia Bibi habe keine Präferenz, in welchem Land sie künftig leben wolle, sagt Malook. „Sie war noch nie woanders als in ihrem Dorf, sie kennt nicht einmal pakistanische Großstädte. Für sie wäre jedes westliche Land in Ordnung.“ Sprachliche Hürden müsste die zweifache Mutter sowieso überall überwinden, erklärte Malook. Sie möchte schon gerne nach Europa, aber ihre Priorität sei natürlich, dass sie nur mit ihrer Familie ausreise, so der Anwalt.

Gegen Asia Bibi wird in Pakistan nun ein Berufungsverfahren angestrebt. Damit hatte die Regierung den Forderungen der radikal-islamischen Gruppe Tehreek-e-Labbaik nachgegeben. Menschenrechtler hatten die Vereinbarung zwischen der Regierung und den Islamisten als Bankrotterklärung des Rechtsstaats kritisiert.

Berufungsverfahren nicht allzu bedrohlich

„Das alles geht weit über diesen einen Fall hinaus,“, sagt Andreas Dripke vom Diplomatic Council. „Es geht um Rechtsstaatlichkeit.“ In Pakistan herrsche eine enorme religiöse Diskriminierung, betont auch Saif Ul Malook. „Ich habe noch in keinem anderen Land der Welt erlebt, dass religiöse Extremisten öffentlich zum Mord an Richtern aufrufen können.“

Saif Ul Malook sieht das Berufungsverfahren aber nicht als allzu bedrohlich an. Denn der Fall müsse dann quasi auf ganz neuen Fakten basieren, solche Berufungsverfahren hätten lediglich in zwei bis fünf Prozent der Fälle Erfolg, so der Anwalt. Und selbst wenn das Berufungsverfahren wirklich eingeleitet werden sollte, könne Asia Bibi nur belangt werden, wenn sie sich noch in Pakistan befinden würde: „Außer Landes kann sie nämlich nicht darüber benachrichtigt werden“, erklärt Malook.

Sollte die Berufung in Asia Bibis Fall entgegen Malooks Einschätzung doch erfolgreich sein, wäre es für Bibi aber umso dringlicher, aus Pakistan ausreisen zu können. Inzwischen hat sich der Beauftragte der Bundesregierung für weltweite Religionsfreiheit, Markus Grübel (CDU), zu dem Fall geäußert: „Wenn sie nach Deutschland will, ist das ein klassischer Fall von politischem Asyl“, sagte er in Berlin. Es sollte ein entsprechendes Angebot aus Deutschland geben, forderte er.

Käme Asia Bibi nach Deutschland, macht sich Saif Ul Malook keine Sorgen um ihre Sicherheit: „Ich bin überzeugt, dass sie hier sicher sein würde.“

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