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Von Erinnerungslücken geplagt: Dietrich Garlichs, Geschäftsführer bei Unicerf Deutschland.

Garlichs Widersprüche

Kein Skandal, nirgends

Der Geschäftsführer streitet alles ab und gibt manches dann doch zu.

Von JÖRG SCHINDLER

Am Mittwoch versuchte Dietrich Garlichs zu retten, was zu retten ist. Nachdem bekanntgeworden war, dass Unicef Deutschland über Jahre hinweg "freie Mitarbeiter" mit sechsstelligen Honoraren gepäppelt hatte, wandte sich der Geschäftsführer mit einer versöhnlich klingenden Stellungnahme an die Öffentlichkeit. Die Vorwürfe, so Garlichs milde, bedürften "der richtigen Einordnung". Dann folgte eine lange Auflistung, in der der kostspielige Umbau der Kölner Unicef-Zentrale als notwendig und die üppige Bestallung von freien Beratern als üblich erschien. Kein Skandal, nirgends.

Als Kronzeuge bemühte Garlichs dabei ausgerechnet den geschäftsführenden Vorstand um Heide Simonis, der vor Monaten bereits alle Vorwürfe geprüft - und, so die Botschaft des Schreibens, offenbar nichts Anstößiges gefunden habe. Auch in Interviews erweckte Garlichs den Eindruck, als stünde die Unicef-Spitze in der Krise geschlossen. Da konnte er freilich noch nicht ahnen, dass Heide Simonis am nächsten Tag vor die Presse treten und ihrem Geschäftsführer den Rücktritt nahelegen würde.

Zudem forderte Simonis am Donnerstag in Kiel, Garlichs möge unverzüglich die Behauptung zurücknehmen, der Unicef-Vorstand sei über die merkwürdigen Geldflüsse der letzten Jahre frühzeitig informiert gewesen. Garlichs aber dachte gar nicht daran. Stattdessen veröffentlichte der 60-Jährige postwendend eine weitere Erklärung, in der er Simonis und Co. erneut als Mitwisser belastete. Was Finanzfachmann Garlichs dabei nicht aufzufallen schien: Er verstrickt sich seit Tagen in immer neue Widersprüche.

So hatte es Garlichs noch am Montag, von der FR mit den Vorwürfen konfrontiert, als "infame Behauptung" bezeichnet, dass der ehemalige Bereichsleiter Ulrich Z. als Honorarkraft in 22 Monaten rund 300 000 Euro erhalten habe. Tags darauf vertraute er der Nachrichtenagentur dpa an, die genaue Höhe von Z.s Honorar sei ihm nicht bekannt. Seltsam: In Unterlagen, die Verwaltungschef Manfred Booss im Juni an den Vorstand - und an Garlichs - gesandt hatte und die der FR vorliegen, wird Z.s Honorar detailliert aufgeschlüsselt: Es handelt sich um: 84 000 Euro für 2005, 126 000 Euro für 2006 und 50 000 Euro bis Mai 2007. Macht 260 000 Euro - exklusive Umsatzsteuer. Am Donnerstag schien sich Garlichs wieder zu erinnern: In der Unicef-Erklärung räumte er erstmals ein Gesamthonorar für Z. in Höhe von 280 000 Euro ein. Mehr noch: Die Summe, heißt es nun, sprenge "erheblich den üblichen Rahmen". Und: "Dies war ein Fehler."

Erinnerungslücken scheinen den Mann auch im Zusammenhang mit dem "freien Mitarbeiter" Victor L. zu plagen, der es in drei Jahren immerhin auf ein Honorar von 191 500 Euro brachte. So genau wisse er das nicht, sagte Garlichs der FR, er mache "grundsätzlich keine Verträge". Auch halte er die angeblich von L. ausgehandelte Provision in Höhe von zwölf Prozent des Spendenaufkommens für unwahrscheinlich. "Das fände ich auch ein bisschen viel", so Garlichs wörtlich. Tatsächlich unterschrieb er am 14. Mai 2007 einen Vertrag mit L. - die anfängliche Provision in Höhe von zwölf Prozent ist darin nicht zu übersehen.

Heide Simonis will es nun genau wissen. Für Samstag, 14 Uhr, hat sie den gesamten Unicef-Vorstand sowie den Beirat der Ehrenamtlichen zu einer Sondersitzung einberufen. Dass Dietrich Garlichs daran teilnehmen wird, ist eher unwahrscheinlich: Er hat seinerseits eine Vorstandssitzung für den Montag terminiert.

Der Machtkampf geht weiter.

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