+
Der künftige und der abgewählte Präsident Frankreichs, François Hollande (l.) und Nicolas Sarkozy.

Frankreich-Wahl

Kein Rollerfahrer als Präsident

  • schließen

Swatch statt Rolex: Als bescheidener Normalo hat François Hollande gegen seinen Widersacher Nicolas Sarkozy gepunktet. Doch nun ist schloss damit - gezwungenermaßen.

Swatch statt Rolex: Als bescheidener Normalo hat François Hollande gegen seinen Widersacher Nicolas Sarkozy gepunktet. Doch nun ist schloss damit - gezwungenermaßen.

Am liebsten würde François Hollande so weitermachen wie bisher, in aller Bescheidenheit eben. Noch ist ihm das ja auch vergönnt. Frankreichs neuer Präsident, der am 15. Mai im Elysée-Palast die Amtsgeschäfte von seinem Vorgänger Nicolas Sarkozy übernehmen wird, lebt in seiner angestammten Mietwohnung im 15. Pariser Arrondissement.

Wenn daheim der Kühlschrank leer sei, werde er auch künftig einkaufen gehen, hat er klargestellt. Der mächtigste Mann Frankreichs will auch weiter selbst zu Hause kochen, „mit viel Butter“, wie seine Lebensgefährtin Valérie Trierweiler verrät. Wo der scheidende Präsident Nicolas Sarkozy Rolex-Uhren huldigte, will der Nachfolger lieber mit Swatch-Modellen in Verbindung gebracht werden.

Aber so einfach ist das nicht. Der alte Anspruch und die neue Wirklichkeit sind schwer miteinander zur Deckung zu bringen. Während Hollande am Dienstag mit Sarkozy am Pariser Triumphbogen einen Kranz zu Ehren der Gefallenen des Zweiten Weltkriegs niederlegte, haben sich die Sicherheitskräfte an der Überwachung des Mehrfamilienhauses in der Rue Cauchy versucht, in dem Hollande und Trierweiler Quartier bezogen haben. Es ist beim Versuch geblieben.

Hollande muss in den Palast umziehen

Die vielen Bewohner, das stete Kommen und Gehen im Hause, die großen Glasfronten verhinderten die lückenlose Überwachung, lautet die ernüchternde Erkenntnis der Sicherheitsbeamten. Ein Umzug in den Elysée erscheint unausweichlich. Die Gewohnheit, mit dem Motorroller zur Arbeit zu fahren, dürfte den beruflichen Aufstieg vermutlich auch nicht lange überleben.

Ein Staatschef auf einem Roller, flankiert von schwarzen Limousinen, das ist auch in den Augen wohlwollender Parteifreunde zu viel des Stilbruchs. „Werden Sie nicht am Ende zu schwach, zu bescheiden, zu normal sein?“, fragt besorgt der Kolumnist des Magazins L’Express, Christophe Barbier, in einem offenen Brief.

Ohne Zugeständnisse wird es also nicht gehen. Es gab sie auch schon. Der erste Sündenfall datiert vom Sonntagabend. Kaum gewählt, verließ Hollande seine politische Hochburg Tulle und bestieg im nahegelegenen Brive einen Privatjet, ließ sich nach Paris fliegen, wo die Genossen auf der Place de la Bastille auf ihn warteten. So wie es aussieht, wird sich nächste Woche auch kaum Zeit finden, den Kühlschrank zu füllen.

Sarkozy freut sich aufs Geldverdienen

Nach der offiziellen Amtsübergabe kommenden Dienstag will Hollande gleich auch bekannt geben, wem er die Regierungsgeschäfte anvertrauen wird. Tags darauf steht der Antrittsbesuch bei Kanzlerin Merkel an, der Hollande ein ehrgeiziges europäischen Wachstumsprogramm abtrotzen will. Es folgen noch in derselben Woche ein G8-Gipfel in Camp David und ein Nato-Gipfel in Chicago.

Zeichen der Bescheidenheit setzen kann Hollande allerdings sehr wohl. Er werde das eigene Gehalt kürzen, hat er bereits angekündigt. Monatlich 20.558 Euro brutto stehen einem französischen Präsidenten bisher zu. Hollandes ersten Taten im neuen Amt werde eine enorme Symbolkraft innewohnen, hat der frühere sozialistische Bildungsminister, Jack Lang, am Dienstag prophezeit.

Und Nicolas Sarkozy? Pragmatisch, wie der abgewählte Präsident ist, widmet er sich praktischen Dingen, bestellt die Möbelpacker, organisiert seinen Umzug in die Wohnung der Gattin Carla Bruni.

Einer seiner Vertrauten sagte, der abgewählte Präsident werde wieder als Rechtsanwalt arbeiten. Bereits im Januar hatte Sarkozy vor Journalisten gesagt, er werde bei dem Verlust seiner Macht aus der Politik aussteigen und in die Wirtschaft gehen – dorthin, „wo richtig Geld verdient werden kann“.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion