+
Familien leiden unter der durch die Pandemie bedingten Krise besonders.

Familien

„Kein Dauerzustand“

  • schließen

Für Eltern bringen die Lockerungen kaum Entlastung. SPD-Chefin Saskia Esken fordert ein Familiengeld.

Frau Esken, Eltern können bis zu sechs Wochen eine Lohnersatzleistung bekommen, wenn sie in der Corona-Krise wegen der Kinderbetreuung nicht zur Arbeit gehen können. Dann ist – Stand jetzt – Schluss. Lässt die Politik die Menschen im Stich?

Ich sage: Die Unterstützung für die Familien, die ja unter dieser Krise besonders zu leiden haben, darf jetzt nicht enden. Wir brauchen hier eine Anschlussregelung. Dafür will auch Bundesarbeitsminister Hubertus Heil sich einsetzen. Ich sage aber auch: Die Lohnfortzahlung nach dem Infektionsschutzgesetz ist unterm Strich eine Regelung, mit der wir nicht alle Eltern erreichen können. Ich will mehr für die Familien tun.

Wo genau liegt das Problem?

So wie es jetzt geregelt ist, können sozialversicherungspflichtig beschäftigte Eltern zwar eine Lohnersatzleistung bekommen, wenn sie wegen der fehlenden Bildungs- und Betreuungsangebote in der Corona-Krise nicht zur Arbeit gehen können. Das gilt aber nur, wenn sie keine andere Betreuungsmöglichkeit haben und auch nicht im Homeoffice arbeiten können. Dass man zu Hause Kinder betreuen und gleichzeitig arbeiten kann, ist aber eine realitätsferne Vorstellung. Das glaubt nur, wer keine Kinder hat.

Was können Sie für diese Eltern tun?

Saskia Esken führt zusammen mit Norbert Walter-Borjans die SPD.

Jetzt müssen wir bei den Kitas und Schulen mindestens mal zu verlässlichen Regelungen und Planbarkeit kommen. Ich bin der festen Überzeugung, dass es nach den Sommerferien ein regelmäßiges Angebot für alle Kinder geben wird. Das ist auch nötig, damit die soziale Schere bei der Bildung nicht noch weiter auseinandergeht. Die ehrliche Nachricht ist aber: Es wird voraussichtlich noch kein Vollzeitangebot sein, sondern eher ein Schichtbetrieb. Die Kinder werden also mal in der Einrichtung oder Schule sein und mal zu Hause. Auch die Rückkehr des Ganztags sehe ich noch nicht. Da fehlt es angesichts der Notwendigkeit kleinerer Gruppen in Zeiten von Corona an Raum und Lehrern und Erziehern.

Eine treffende Problembeschreibung, doch was ist die Lösung?

Wir müssen den Eltern helfen, die angesichts eingeschränkter Betreuungszeiten ihre Arbeitszeit reduzieren wollen. Die SPD hat dafür ein gutes Konzept. Dazu gehört ein Familiengeld von bis zu 300 Euro pro Familie. Dann können Eltern ihre Arbeitszeit reduzieren, um sich besser um die Betreuung ihrer Kinder zu kümmern. Manuela Schwesig hat dieses Konzept noch in ihrer Zeit als Bundesfamilienministerin entwickelt und jetzt den Vorschlag erneuert. Die Union hat es damals blockiert. Ich setze darauf, dass auch die CDU/CSU die besondere Belastung der Familien in Zeiten von Corona nicht übersehen kann.

Sehen Sie dafür Anhaltspunkte?

Ich sehe dafür gute Argumente. Das Familiengeld ist wie für diese Krise gemacht. Eltern können dann weniger Stunden arbeiten, wenn ihre Kinder nur zeitweise in Kitas und Schulen können. Das Familiengeld ist aber auch für die Zeit über die Krise hinaus eine gute Lösung, um Eltern die Vereinbarung von Beruf und Familie zu erleichtern.

Halten Sie in der Krise auch ein Corona-Elterngeld für denkbar, das an die bezahlt würde, die zeitweise ganz zu Hause bleiben und nicht arbeiten – obwohl ihnen Homeoffice offen stünde?

Auch das Elterngeld ist ein möglicher Weg, Familien in Zeiten von Corona zu unterstützen, den wir jetzt mit der Union diskutieren können. Die Lösung, die viele Eltern jetzt notgedrungen für sich gefunden haben, darf jedenfalls nicht zum Dauerzustand werden: Eltern, die Homeoffice und Kinderbetreuung miteinander verknüpfen, arbeiten zurzeit oft nachts, wenn die Kinder schlafen. Das ist auf Dauer nicht durchzuhalten.

Interview: Tobias Peter

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion