Nach wie vor ist ein kindgerechtes Betreuungsverhältnis in deutschen Kitas immer noch selten.
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Nach wie vor ist ein kindgerechtes Betreuungsverhältnis in deutschen Kitas immer noch selten.

Kitas

Kaum Zeit, viel Arbeit

Eine Studie zeigt, dass Kita-Personal vielerorts unter schlechten Bedingungen betreuen muss.

Die Qualität der Betreuung in den Kindertagesstätten und -krippen hinkt laut einer aktuellen Studie dem massiven Kita-Ausbau in den vergangenen Jahren hinterher. In einem Großteil der deutschen Kitas sind der Personalschlüssel und die Gruppengrößen nicht kindgerecht, wie die Bertelsmann-Studie im diesjährigen „Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme“ bemängelt, der am Dienstag in Gütersloh veröffentlicht wurde. Grundlage sind Daten der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder.

Derzeit kommen auf eine vollzeitbeschäftigte Fachkraft rechnerisch 4,2 ganztags betreute Krippenkinder unter drei Jahren oder 8,8 ältere Kindergartenkinder. Nach wissenschaftlichen Empfehlungen sollte eine Erzieherin für höchstens drei Kleinkinder oder 7,5 Kinder über drei Jahren zuständig sein.

Auch die Gruppengröße entspreche in vielen Fällen nicht den Empfehlungen, hieß es. Sie sollte im U3-Bereich nicht mehr als zwölf Kinder und bei den Älteren nicht mehr als 18 umfassen. Über die Hälfte (54 Prozent) der in Deutschland amtlich erfassten Kita-Gruppen lägen darüber. Angesichts der schlechten Rahmenbedingungen fühlten sich die Kita-Teams überfordert.

Zwar stellen die Studienautoren eine Verbesserung zu 2013 fest, als eine Erzieherin für durchschnittlich 4,6 Krippen- oder 9,6 Kindergartenkinder zuständig war. Doch auch sieben Jahre später werde ein kindgerechtes Betreuungsverhältnis immer noch selten erreicht, hieß es.

In Nordrhein-Westfalen seien 70 Prozent der Kita-Gruppen zu groß, hieß es. Schlechter schneidet nur Niedersachsen (78 Prozent) ab. In den fünf ostdeutschen Bundesländern ist das durchschnittlich nur bei einem Drittel der Kita-Gruppen der Fall.

Die Studie offenbart zudem qualitative Unterschiede beim Kita-Personal in Ost- und Westdeutschland: In den neuen Bundesländern ist der Anteil der ausgebildeten Erzieherinnen und Erzieher mit 82 Prozent um 16 Prozentpunkte höher als im Westen (66 Prozent).

Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung, forderte eine bundesweite Strategie. „Der Kita-Ausbau der letzten Jahre war beachtlich“, sagte er. Doch gebe es keine bundeseinheitlichen Qualifikationsstandards zu Gruppengröße und Personal. „Kitas können deshalb ihren Bildungsauftrag teilweise nicht wahrnehmen“, erklärte Dräger. (epd)

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