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Teil-Investor zieht Angebot zurück: Was bedeutet das für die Beschäftigten von Galeria?

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Von: Romina Kunze

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Wie geht es weiter mit Galeria Karstadt Kaufhof? Nach dem Rückzug eines Investors für eine Teilübernahme wachsen vor allem bei den Beschäftigten die Sorgen um die Zukunft.

Essen – Paukenschlag kurz vor Heiligabend: Nur kurz, nachdem Galeria Karstadt Kaufhof ein erstes Übernahmeangebot für einige Filialen erhalten hat, sprang mit buero.de der potenzielle Investor schon wieder ab. Eine Hiobsbotschaft vor allem für die rund 17.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des angeschlagenen Kaufhauskonzerns, die nun einer erneuten Ungewissheit entgegenblicken.

„Die Beschäftigten von Galeria Karstadt Kaufhof, die in der Vergangenheit bereits auf viel Geld verzichtet haben, um ihre Arbeitsplätze zu retten, sind derzeit hochgradig verunsichert“, kommentierte Stefanie Nutzenberger, Bundesvorstandsmitglied der Arbeitnehmer-Gewerkschaft „ver.di“ die Lage. „Wenn jetzt kurz vor Weihnachten ein Interessent von Standorten abspringt, wird diese Verunsicherung noch einmal zusätzlich verstärkt“, so Nutzenberger weiter. Besinnliche Weihnachten sehen sicherlich anders aus.

Geplatzter Galeria-Deal: „Veränderte Rahmenbedingungen, die für uns inakzeptabel sind“

Eigentlich wollte buero.de eine Reihe von Filialen des letzten großen, aber in Schieflage geratenen Warenhauskonzerns Deutschlands übernehmen. Am Donnerstag (22.12.2022) verkündetet der Onlinehändler nach mehrstündigen Gremien-Sitzungen, das Interesse nicht weiter verfolgen zu wollen. „Wir haben unser Angebot für die 47 Filialen in der Tat zurückgezogen“, sagte buero.de-Chef Markus Schön der Deutschen Presse-Agentur.

Galeria
Nach dem Rückzug des Angebots von „buero.de“ ist die Zukunft vieler Galeria-Filialen erst einmal wieder ungewiss. © Boris Roessler/dpa/Archivbild

Grund für den Rückzug des Investors seien die „Gerüchte über viel weitergehende Schließungen“ und der damit einhergehende drastische Stellenabbau. In einer Pressemitteilung des Onlinehändlers ist die Rede von „bis zu 90 schließenden Standorten“ und dem „Wegfall von wohl jedem zweiten Arbeitsplatz“. Das seien aus Sicht des Unternehmens „veränderte Rahmenbedingungen, die inakzeptabel“ seien.

„Wir haben immer gesagt, die Beschäftigten sind für uns der größte Schatz des Unternehmens. Ohne diese qualifizierten Kräfte sind wir nicht mehr von den Erfolgschancen einer Übernahme überzeugt“, führt buero.de-Chef Schön die Gründe für das zurückgezogene Angebot weiter aus. Die Schließungen sei eine „Horrornachricht für die Galeria-Beschäftigen“, heißt es in der Pressemitteilung.

Insolventer Konzern: Galeria rechnet mit neuen Angeboten noch vor Weihnachten und Klarheit im Januar

Wie viele und welche Filialen geschlossen werden sollen, darüber ist nach jüngsten Angaben des Galeria-Sprechers noch nicht entschieden. Das Unternehmen sei derzeit in Gesprächen mit den Vermietern und erwarte zudem noch vor Weihnachten weitere Angebote von mehreren anderen Interessenten. „Wir gehen davon aus, dass es im Laufe des Januars des kommenden Jahres Klarheit darüber geben wird“, sagte der Sprecher.

Galaria Karstadt Kaufhof Logo an einem Schaufenster.
Galeria Karstadt Kaufhof will wegen der Insolvenz anscheinend 90 Filialen schließen. Laut Teil-Investor „buero.de“ ergäben sich dadurch „veränderten Rahmenbedingungen“, die inakzeptabel seien. © Martin Wagner/Imago

Diese Perspektive dürfte nur ein schwacher Trost für die Mitarbeiter sein, die nach zwei turbulenten Jahren aus Pandemie, Insolvenz und Inflation wohl lieber auf ein unbesorgteres Weihnachtsfest geblickt hätten. Und die sich nach dem zunächst vielversprechenden Angebot durch buero.de sicherlich wieder leise Hoffnung auf eine gesicherte Perspektive im Unternehmen gemacht haben.

Bei erster Insolvenz vor zwei Jahren schon Stellenabbau – „ver.di“ nimmt Eigentümer in die Pflicht

Für die insolvente Warenhaus-Kette war das angestrebte Schutzschirmverfahren Ende Oktober bereits das Zweite in zwei Jahren. Nach einer ersten Schutzschirm-Insolvenz im Jahr 2020 mussten 40 Filialen in Deutschland geschlossen werden. Das kostete damals rund 4000 Beschäftigten die Arbeitsplätze.

Für „ver.di“-Vorstandsmitglied Nutzenberger ein Unding. Sie forderte in ihrer Stellungnahme, dass „endlich ein Zukunftskonzept für digital-stationäre Warenhäuser vorgelegt wird, das diesen Namen auch verdient“ und dass die notwendigen Investitionen getätigt werden. Dabei nahm sie auch den Galeria-Eigentümer und Großinvestor René Benko in die Pflicht. „Für uns ist klar: Es darf nicht darum gehen, wie viele Menschen bei Galeria man in die Arbeitslosigkeit entlässt und wie viele Standorte geschlossen werden, sondern es muss darum gehen, Arbeitsplätze und Standorte zu erhalten“, so Nutzenberger. (Romina Kunze)

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