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In ganz Deutschland schließen sich Frauen der Protestbewegung an, hier vor dem Münster in Freiburg.

Katholikinnen im Kirchenstreik 

Mit „Kuschen“ ist jetzt Schluss

Frauen in der katholischen Kirche begehren auf: „Maria 2.0“ hat sich zu einer bundesweiten Protestwelle entwickelt. 

Von Nord nach Süd breitet sich eine Frauenbewegung in der katholischen Kirche aus. Im westfälischen Münster hat eine Handvoll Frauen die Initiative „Maria 2.0“ gestartet und zu einem Kirchenstreik aufgerufen. Noch bis Samstag wollen sie keine Kirche betreten, ihre ehrenamtlichen Ämter ruhen lassen und Gottesdienste im Freien ohne Priester feiern. Ihr Aufruf gegen Männerdominanz hat eine bundesweite Protestwelle losgetreten. Frauen an Hunderten Orten beteiligen sich an der Initiative und bestehen gerade nach dem Missbrauchsskandal auf einer Erneuerung der Kirche. Besonders laut ist der Ruf nach der Priesterweihe für Frauen.

„Der Frust und die Sehnsucht nach Neubeginn in der Kirche ist groß“, sagt Mitinitiatorin Lisa Kötter. An der „Graswurzelaktion“ beteiligten sich auch viele ältere Menschen und zu einem Drittel Männer. Genaue Zahlen kann die von dem überwältigenden Zuspruch überraschte Gruppe bislang nicht nennen.

Der Katholische Deutsche Frauenbund begrüßte den Kirchenstreik als überfällig. Die Forderungen der Frauen stünden schon seit mehr als 20 Jahren auf der Agenda des Verbands, sagte die Vorsitzende Maria Flachsbarth am Dienstag im „Deutschlandfunk“. „Aber jetzt scheint sich dieser Ruf über ganz Deutschland zu verteilen und eine Macht und eine Dimension zu bekommen, die aufhorchen lässt“, sagte sie. Die Proteste träfen eine Kirche, „die in ihren Strukturen manchmal überkommen und verknöchert erscheint und die an sich selbst leidet“.

Im katholischen Bayern stößt „Maria 2.0“ auf Resonanz

Unter anderem hätten die im September vergangenen Jahres veröffentlichte Missbrauchsstudie und die jüngst vorgestellte Prognose zur Mitgliederentwicklung der beiden großen Kirchen die Menschen alarmiert, sagte Flachsbarth: „Das sind alles dramatische Zeichen der Zeit, auf die Antworten gegeben werden müssen.“

Sogar im katholischen Bayern stößt „Maria 2.0“ auf Resonanz. Zwar seien „die Bayern immer zunächst einmal zurückhaltend“, sagt Emilia Müller, Landesvorsitzende des Katholischen Deutschen Frauenbunds (KDFB). Für die frühere CSU-Politikerin aber sind die Aktionen nur der „Anfang einer großen Bewegung“. Man müsse die Aufmerksamkeit hochhalten und beharrlich auf Veränderungen drängen: „Die Frauen wünschen sich in der Kirche und von der Kirche die entsprechende Wertschätzung.“ Müller macht sich stark für den Diakonat der Frau – als erster Schritt: „So geht es nicht weiter in einer veränderten Gesellschaft.“

In Würzburg etwa soll es am Donnerstag eine Mahnwache vor der Neumünsterkirche geben. KDFB-Diözesanvorsitzende Edeltraut Hann sagt: „Es muss jetzt etwas passieren.“ Die 63-Jährige glaubt, dass viele Frauen erst einmal abwarten, wie die Bischöfe auf den Widerstand reagieren. Doch die Zeit drängt, glaubt die Fränkin. Sie befürchtet, dass man die Frauen sonst nicht ernst nimmt. „Wenn man so manche Kommentare in den sozialen Netzwerken liest, hat man schon wieder den Eindruck: Die alten Männer sitzen das schon wieder aus. Ich finde es total schlimm, was die Männer sich einbilden.“

Auch die Gemeindereferentin Elisabeth Stanggassinger vom Pfarrverband München-Westend nimmt kein Blatt vor den Mund. Dass die Kirche sich so darstelle wie derzeit, führt sie auch darauf zurück, dass sie „2000 Jahre auf die Hälfte der Erfahrung der Menschheit verzichtet hat“. Sie hat keine Lust mehr auf „Kuschen“: „Ich bin eine tiefgläubige Frau. Ich sage, was ich denke. Ich habe keine Angst.“

Autorin: Claudia Mollers

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