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Katar: Aufstieg des Wüstenstaates – Alles Wichtige zum Emirat

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Von: Max Schäfer

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Doha ist die schillernde Hauptstadt des Emirates Katar.
Doha ist die schillernde Hauptstadt des Emirates Katar. (Archivbild) © Christian Charisius/dpa

Katar ist dank seiner Öl- und Gasvorkommen eine starke Wirtschaftsnation. Bei der WM 2022 will es sich präsentieren. Aber was zeichnet das Emirat aus?

Doha – Katar hat sich aufgrund von seinen Erdölvorkommen zu einem bedeutenden Staat entwickelt. Wirtschaftlich ist das Emirat auf der arabischen Halbinsel daher ein weltweiter Faktor. Aber auch im Sport spielt Katar eine immer wichtigere Rolle und konnte bereits in der Vergangenheit Großereignisse ausrichten und mit seinen Teams erste Achtungserfolge vorweisen. Mit der WM 2022 steht der Höhepunkt an, von dem sich Katar einen Ansehensgewinn erhofft.

Katar
HauptstadtDoha
RegierungsformAbsolute Monarchie
Staatsoberhaupt und RegierungschefEmir Scheich Tamim bin Hamad Al-Thani
Größe11.627 Quadratkilometer
Einwohnerzahl2.677.001

Katar: Geografie und Klima des arabischen Staates

Das Emirat Katar ist etwa 11.627 Quadratkilometer groß und befindet sich auf einer Halbinsel, die wiederum im Nordosten der Arabischen Halbinsel liegt und in den Persischen Golf hineinragt. Im Süden grenzt der arabische Staat an Saudi-Arabien, mit dem es eine etwa 60 Kilometer lange Grenze teilt. Salzsümpfe bilden eine natürliche Grenze zum Nachbarstaat.

Die Landschaft Katars ist größtenteils von einer Sandsteinwüste geprägt. Natürliche Flüsse und Seen gibt es auf der Halbinsel nicht. Stattdessen gibt es zwei künstlich angelegte Lagunen nahe der Hauptstadt Doha an der Ostküste, sowie im Landesinneren bei al-Kirana, die jedoch nicht ganzjährig den vollen Wasserstand haben. Daher gibt es in Katar nur sehr wenig Vegetation und an das Wüstenklima angepasste Tiere und Insekten.

Das Klima in Katar ist bestimmt von einer hohen Luftfeuchtigkeit und hohen Temperaturen, die im Sommer bis zu 50 Grad Celsius im Schatten erreichen können. Die durchschnittlichen Höchsttemperaturen von Juli bis August liegen bei etwa 40 Celsius. Im November und Dezember sind die Temperaturen in Katar niedriger, jedoch mit durchschnittlichen Höchsttemperaturen von 20 bis 26 Grad Celsius. Zudem regnet es kaum.

Katar: Die Geschichte des Wüstenstaates

Die Halbinsel Katars ist seit der Steinzeit besiedelt. Die Wandlung des Klimas und die Entwicklung des Landes zur Wüste machten das Gebiet jedoch unbewohnbar. Im 18. Jahrhundert besiedelten jedoch Beduinen das Land. Darunter war auch die Familie des heutigen Emirs von Katar. Die erste Siedlung entstand, die sich später zur Hauptstadt Doha entwickelte. Übersetzt bedeutet Doha etwa „die Bucht“.

Das weitestgehend von der Al Tahni-Familie kontrollierte Katar war im 19. Jahrhundert lange im Konflikt mit Wahabiten aus Saudi-Arabien, sowie den Herrschenden Bahrains. Da Katar in dieser Zeit auch als „Piratenküste“ berüchtigt war und die britische Ostindien Kompanie um ihre Handelsrouten fürchtete, mischte sich 1867 Großbritannien ein und schloss einen Schutzvertrag mit Katar. Ein weiterer Eingriff Großbritanniens war 1913 nötig, als das Osmanische Reich seinen Einfluss auf die Halbinsel im Persischen Golf erweitern wollte.

Wirtschaft: Woher stammt der Reichtum Katars?

In Katar wurden 1939 die ersten Ölvorkommen entdeckt, was den Beginn der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes ebnete. Am 3. September 1971 wurde Katar schließlich auch von Großbritannien unabhängig, mit dem es jedoch einen Freundschaftsvertrag schloss. Die Herrscher entschieden sich zudem gegen einen Anschluss an die Vereinigten Arabischen Emirate. Im selben Jahr wurde das weltweit größte Erdgasfeld entdeckt. Durch die Rohstoffvorkommen in Katar gehört das Emirat verhältnismäßig zur geringen Bevölkerungszahl zu den stärksten Volkswirtschaften weltweit.

Katar konzentriert sich jedoch nicht nur auf Öl- und Gasexporte, sondern investiert weltweit in Unternehmen, auch in Deutschland. Der Staatsfonds des Emirates hält beispielsweise Anteile der Volkswagen AG, der Deutschen Bank und von Siemens. Die Investitionen decken dabei ein breites Spektrum ab, darunter auch Immobilien, die Konsumgüterherstellung oder die Finanzindustrie.

Katar: Demografie des arabischen Staates

Lange Zeit war Katar lediglich von wenigen Beduinen-Stämmen besiedelt. Noch Anfang der 1950er Jahre hatte das Land weniger als 50.000 Einwohner:innen, 1978 waren es etwa 201.000 Menschen. Inzwischen leben in Katar etwa 2,7 Millionen Menschen. Hintergrund des Bevölkerungsanstiegs ist die Zuwanderung von Arbeiter:innen, die vor allem aus Indien und Pakistan angeworben werden. Die Zugereisten sind jedoch nicht frei, sondern unterstehen einer Aufsicht durch Bürgen, die weitreichende Befugnisse haben. Immer wieder gibt es Berichte zu Menschenrechtsverletzungen oder schlechten Arbeitsbedingungen.

Die Mehrheit der Menschen lebt in der Hauptstadt Doha, die an der Ostküste der Halbinsel liegt. Alle Gemeinden Katars und die jeweilige Einwohnerzahl im Überblick:

Absolute Monarchie: Das politische System Katars

Nach der Unabhängigkeit 1971 ernannte sich Katar zum Emirat mit einem Monarchen an der Spitze. In der Verfassung bezeichnet sich der Staat dennoch als demokratisch. Davon kann angesichts der Herrschaft der Familie Al Thani keine Rede sein. Der Emir übernimmt sowohl exekutive als auch legislative Funktionen. Ein richtiges Parlament gibt es nicht, allerdings den Majlis al Shurā als beratende Versammlung.

Die Staatsreligion Katars ist der Islam. Auch das gesellschaftliche Leben im Emirat ist von konservativen muslimischen Ansichten geprägt. Unter anderem beruht die Rechtsordnung des Staates auf der Scharia. Dementsprechend eingeschränkt sind daher auch die Rechte von Frauen, die größtenteils unter männlicher Vormundschaft stehen. Frauen in Katar müssen laut der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch beispielsweise die Erlaubnis ihres männlichen Vormunds einholen, wenn sie heiraten wollen. Wenn sie ohne Zustimmung ihres Mannes arbeiten, verreisen oder das Haus verlassen, können sie als „ungehorsam“ gelten.

Menschenrechtsverletzungen in Katar

Über die Diskriminierung von Mädchen und Frauen hinaus steht Katar wegen weiterer Menschenrechtsverletzungen in der Kritik. Unter anderem ist in der absoluten Monarchie das Recht auf freie Meinungsäußerung stark eingeschränkt. Immer wieder berichten Menschenrechtsorganisationen von Haftstrafen gegen Regierungskritiker:innen oder Aktivist:innen, die sich für die Arbeitsmigrant:innen einsetzen. Häufig werden die Betroffenen ohne offizielle Anklage eingesperrt.

Zudem werden die Rechte von Menschen aus der LGBTI+-Community diskriminiert. So gelten etwa einvernehmliche sexuelle Handlungen zwischen Männern als Straftat, die mit bis zu sieben Jahren Haft geahndet werden kann.

Andere muslimisch geprägte Staaten werfen Katar die Unterstützung von Terrorismus vor. Zudem steht die Regierung islamistischen Gruppen nahe, die durch die Katar Charity Stiftung Unterstützung erhalten sollen.

Katar: Austragungsort der WM 2022

2022 ist Katar Ausrichter der WM 2022. Der Zeitraum des Turniers im Wüstenstaat ist ungewöhnlich. Wegen der hohen Temperaturen im Sommer findet das Turnier der besten Herren-Nationalmannschaften der Welt nicht im Juni und Juli statt, sondern im Winter. Kylian Mbappé, Cristiano Ronaldo, Thomas Müller und weitere Top-Stars aus der ganzen Welt kommen daher vom 21. November bis zum 18. Dezember 2022 zusammen, um den Weltmeister zu küren.

Die Teilnehmer der WM 2022 in Katar

Das DFB-Team ist bereits für Katar qualifiziert. Doch welche weiteren Nationen zählen zum Teilnehmerfeld bei der WM 2022?

Im Rahmen der Vorbereitungen mussten sechs der acht Spielorte der WM 2022 neu gebaut werden. Die Arbeitsbedingungen waren miserabel. Seit Beginn der Arbeiten sollen 15.000 Gastarbeiter:innen ums Leben gekommen sein. Offizielle Stellen in Katar sprechen von 37 ausländischen Arbeitskräften, die gestorben sind. Mit Verweis auf die Arbeitsbedingungen und die Menschenrechtslage werden im Westen Boykottaufrufe und Kritik an der FIFA laut. (Max Schäfer)

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