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Die Nachbarstaaten erhöhen den Druck: Katars Emir Scheich Tamim bin Hamad Al-Thani.

Naher Osten

Katalog zur Kapitulation Katars

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Golfgegner legen dem Emirat eine Liste mit 13 ultimativen Forderungen vor, die kaum erfüllbar sind. Angeblich standen sie schon kurz vor einer Invasion.

Zwei Tage lang telefonierte US-Außenminister Rex Tillerson mit den Kontrahenten am Golf. Am Ende schlug er frustriert auf den Tisch, zweifelte öffentlich an den Motiven der Blockadestaaten Saudi-Arabien und Vereinigte Arabische Emirate und warf ihnen vor, bislang weder handfeste Beweise für ihre Vorwürfe gegen Katar vorgelegt zu haben, noch konkrete Forderungen, um den Konflikt beizulegen. Er hoffe, fügte der US- Chefdiplomat und frühere Ölmanager nach seinem Telefonmarathon mit den verfeindeten Potentaten hinzu, diese Liste der Bedingungen werde „vernünftig und praktikabel“ sein.

Doch auch diese Mahnung blieb vergeblich. Inzwischen verbreitet sich der 13-Punkte-Katalog von Saudi-Arabien, Ägypten, Bahrain und den Emiraten über die sozialen Medien, der von Katar de facto die Kapitulation verlangt. Innerhalb von zehn Tagen soll Doha die türkische Militärbasis schließen, seine diplomatischen Beziehungen zum Iran einfrieren, den Sender Al-Dschasira abschalten, Exilanten von Muslimbruderschaft und Hamas ausweisen, seine Verbindungen zu Al-Kaida, Al-Nusra und Hisbollah kappen, sämtliche Zahlungen an Dissidenten in den Golfstaaten und Ägypten offenlegen sowie eine ungenannte Summe an Reparationen zahlen für Schäden, die es angeblich mit seiner Politik in der Region anrichtete.

Obendrein fordern die Blockadestaaten, das künftige Verhalten Katars müsse im ersten Jahr monatlich überwacht werden, im zweiten Jahr vierteljährlich und in den folgenden zehn Jahren jährlich. „Wir empfehlen Katar, diese Forderungen und Bedenken seiner Nachbarn ernst zu nehmen oder das Ganze wird in einer Scheidung enden“, twitterte Abu Dhabis Außenminister Anwar Gargash und warf Doha vor, das brisante Dokument an die Medien gegeben zu haben, um die Verhandlungen zu torpedieren.

Eine Invasion Katars stand angeblich unmittelbar bevor

Westliche Diplomaten in Doha glauben, dass Katar auf dieser Basis nicht verhandeln wird. Auch die Türkei winkte ab und kündigte für nächste Woche gemeinsame Manöver an, zu denen Ankara tausend Soldaten an den Golf schicken will. Washington unterhält in Katar ebenfalls eine Militärbasis, seine größte im Nahen und Mittleren Osten, von der aus der gesamte Krieg gegen den „Islamischen Staat“ koordiniert wird. Daher ist fraglich, wie die Golfstaaten und Ägypten nach Publikation einer solchen Maximalliste den Konflikt beilegen wollen, ohne ihr Gesicht zu verlieren und ohne doch noch einen Krieg vom Zaun zu brechen.

Glaubt man dem gewöhnlich gut informierten Twitterer aus dem Umfeld des saudischen Königshauses mit dem Decknamen Mujtahidd, stand eine Invasion Katars und der gewaltsame Sturz des Emirs Tamim bin Hamad bin Khalifa bereits kurz bevor. Dieser Putsch von außen sei in letzter Minute auf massiven Druck Washingtons abgeblasen worden. Die forschen Kronprinzen Mohammed bin Salman aus Saudi-Arabien und Mohammed bin Zayed aus Abu Dhabi hätten wegen der Anti-Katar-Tweets von Präsident Donald Trump geglaubt, das Weiße Haus stehe einem militärischen Vorgehen gegen Doha nicht im Wege, schrieb Mujtahidd. Als die CIA von den Plänen Wind bekam, habe das Pentagon sofort gemeinsame Seemanöver mit der katarischen Marine ausgerufen und zwei Kriegsschiffe nach Doha geschickt.

Nach Informationen von Mujtahidd wollten die beiden Golfalliierten das katarische Kontingent von 1500 Elitesoldaten, das bislang Seite an Seite mit ihnen im Jemen kämpfte, in der saudischen Grenzprovinz Nadschran festsetzen. Dann sollten – verkleidet in katarischen Uniformen – eigene Spezialkommandos den superreichen Zwergstaat vom Land her und Söldner der US-Sicherheitsfirma Blackwater von der See her besetzen.

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