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Antisemitismus auf der documenta: Kunstwerk wird verhüllt

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Von: Matthias Lohr

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Kunstwerk des indonesischen Kollektivs Taring Padi auf dem Friedrichsplatz bei der documenta in Kassel.
Kunstwerk des indonesischen Kollektivs Taring Padi auf dem Friedrichsplatz. © Andraes Hermann

Ein documenta-Kunstwerk auf dem Friedrichsplatz zeigt Antisemitismus. Das Entsetzen ist groß. Am Abend wurde das Kunstwerk verhüllt.

Kassel – Nach der monatelangen Antisemitismusdebatte gibt es neue und schwerwiegendere Vorwürfe gegen die documenta: Ein großformatiges Transparent des indonesischen Künstlerkollektivs Taring Padi auf dem Kasseler Friedrichsplatz zeigt ganz offensichtlich antisemitische Motive.

Unter anderem die israelische Botschaft in Berlin forderte die documenta-Leitung auf, das Kunstwerk sofort zu entfernen. Der ehemalige Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck teilte mit, er wolle die Staatsanwaltschaft einschalten.

Noch am Montagabend (20. Juni) soll das Kunstwerk komplett verhüllt werden. Die Vorbereitungen dafür laufen derzeit. Zahlreiche Besucher und Schaulustige sind auf den Friedrichsplatz gekommen, um noch einmal ein Foto zu machen. Unter den Gästen ist auch Iswanto Hartono, eines der Mitglieder des indonesischen Kollektivs Ruangrupa, das die documenta fifteen kuratiert.

documenta in Kassel: Kunst auf Friedrichsplatz sorgt für Entrüstung

In einem am Abend verbreiteten Statement entschuldigen sich die Künstler für Verletzungen, die durch ihr Werk entstanden sind. Das Banner mit dem Titel „People’s Justice“ aus dem Jahr 2002 sei Teil einer Kampagne gegen Militarismus und die Gewalt, die die Künstler während der 32-jährigen Militärdiktatur Suhartos in Indonesien erlebt haben. und deren Erbe, das sich bis heute auswirkt. Alle auf dem Banner abgebildeten Figuren würde Bezug nehmen auf eine im politischen Kontext Indonesiens verbreitete Symbolik - etwa die korrupte Verwaltung. Daher würden etwa Soldaten als Schweine dargestellt.

Geschäftsführung und die Künstlerischen Leitung von Ruangruppa hätten sich daher gemeinsam entschieden, die Arbeit am Friedrichsplatz zu verdecken und eine Erklärung dazu zu installieren.

Das Kunstwerk von Taring Padi vor der documenta-Halle zeigt ein wimmelbildartiges Schlachtengemälde. Unter anderem ist eine Figur zu erkennen, die Beobachter an „Stürmer“-Karikaturen aus der Nazizeit erinnert. Auf dem Hut des Mannes prangt ein SS-Runenschriftzug. Ein Schweinegesicht trägt einen Helm des israelischen Geheimdienstes Mossad.

documenta in Kassel: Hessische Kunstministerin Dorn spricht von „antisemitischer Bildsprache“

Auch die hessische Kunstministerin Angela Dorn (Grüne) hatte den Eindruck, dass hier eine „antisemitische Bildsprache vorliegt“, wie sie mitteilte. Sie habe deswegen Kontakt zur documenta-Generaldirektorin Sabine Schormann aufgenommen, um eine Klärung herbeizuführen.

Zum 15. Mal findet die documenta 2022 in Kassel statt – und zwar vom 18. Juni bis zum 25. September. Alle wichtigen Infos zur Weltkunstausstellung im Überblick.

Dorn versicherte, dass „antisemitische Ressentiments und Antisemitismus auf der documenta nicht zum Ausdruck kommen dürfen; das haben auch die documenta und das Kuratorenkollektiv Ruangrupa selbst immer wieder betont“. Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte Anne Frank, forderte gegenüber unserer Zeitung die sofortige Abhängung: „Es wird eine offene und eindeutige Form des Antisemitismus gezeigt – und das auf einem zentralen Platz.“ (Matthias Lohr)

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