1. Startseite
  2. Politik

Antisemitismus-Eklat auf documenta – Künstlergruppe entschuldigt sich

Erstellt:

Von: Kim Hornickel

Kommentare

documenta fifteen - Antisemitismus-Vorwürfe
Nur noch das Gerüst ist geblieben. In Kassel wurde das umstrittene Kunstwerk der documenta entfernt. Jetzt bezieht die Künstlergruppe Stellung. © Uwe Zucchi/dpa

Nach dem Eklat um antisemitische Darstellungen auf der documenta in Kassel entschuldigen sich die Verantwortlichen. Doch sie haben eine politische Erklärung.

Kassel – Das verantwortliche Künstler-Kollektiv Taring Padi hat sich für die antisemitische Darstellung entschuldigt. Nachdem ein Banner der Gruppe seit Tagen wegen judenfeindlicher Darstellungen in der Kritik steht, hat sich die Gruppe nun öffentlich zu Wort gemeldet. Die Bildsprache des Kunstwerks „People’s Justice“ habe „viele Menschen beleidigt“, schrieb die Gruppe auf der Internetseite der documenta fifteen.Wir entschuldigen uns bei allen Zuschauer:innen und Mitarbeiter:innen der documenta fifteen, der Öffentlichkeit in Deutschland und insbesondere der jüdischen Gemeinde“, so das Kollektiv.

Auf dem 20 Jahre alten Großplakat, waren ein Jude mit einem schwarzen Hut, der eine Schläfenlocke trägt sowie SS-Runen zu sehen. Auch ein Mann mit Schweinsnase, ein vermeidlicher Angehöriger des israelischen Geheimdienstes Mossad, wurde abgebildet. Am Montag (20. Juni) hatte die documenta das Kunstwerk nach öffentlichem Druck verhüllt. Auch die jüdische Gemeinde in Kassel hatte sich zu den Vorwürfen und der Zukunft der Kunstausstellung geäußert.

Eklat auf documenta: Antisemitismusvorwürfe gegen Künstler-Kollektiv

Die verantwortliche Künstlergruppe Taring Padi will das Kunstwerk zunächst nicht als antisemitisch erkannt haben und erklärte deshalb, ihre Bildsprache habe erst „im historischen Kontext Deutschlands eine spezifische Bedeutung bekommen“. Aber die Gruppe räumte ein: „Wir haben aus unseren Fehlern gelernt.“ Dennoch seien die Künstlerinnen und Künstler von der medialen Berichterstattung „schockiert und traurig“ gewesen. Den Antisemitismusvorwurf wiesen sie weit von sich. „Mit Nachdruck möchten wir unseren Respekt für alle Menschen bekräftigen, unabhängig von ihrer ethnischen Zugehörigkeit, Rasse, Religion, ihrem Geschlecht oder ihrer Sexualität.“

In der rechtfertigten die Künstlerinnen und Künstler die Darstellungen. Von der Kolonialherrschaft über den Koreakrieg und den Kalten Krieg – die Künstler erklärten die Bildintention mit jahrelanger politischer Unterdrückung. „Es ist wahr, dass die Form der Darstellung aus Enttäuschung, Frustration und Wut politisierter Kunststudent*innen stammt, die kurz zuvor viele ihrer Freund*innen in den Straßenkämpfen von 1998 verloren hatten“, so die Gruppe.

Dennoch sei die „verwendete Bildsprache jedoch nie aus Hass gegen eine bestimmte ethnische oder religiöse Gruppe entstanden, sondern als Kritik an Militarismus und staatlicher Gewalt“. Das Künstler-Kollektiv Taring Padi richtete sich in der Entschuldigung zudem an den Staat Israel. „Wir bedauern, dass wir eine mögliche Beteiligung der Regierung des Staates Israel so völlig unangemessen dargestellt haben – und entschuldigen uns aufrichtig dafür. Antisemitismus hat weder in unseren Gefühlen noch in unseren Gedanken einen Platz.“ (kh)

Auch interessant

Kommentare