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Nursultan Nasarbajew, 78, war seit 1989 Präsident der ehemaligen Sowjetrepublik.

Nursultan Nasarbajew

Kasachstans Präsident tritt zurück

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Nach 30 Jahren gibt Nasarbajew die Macht ab. Sein Nachfolger ist noch unklar.

Am Ende gab er sich noch einmal betont als Landesvater: „Ihr habt mir all diese Jahre vertraut“, erklärte Kasachstans Präsident Nursultan Nasarbajew am Dienstagabend in einer TV-Ansprache. „Für mich war es ein Glück, dem Volk zu dienen. Ich neige mein Haupt und bedanke mich.“ Nach 30 Jahren im Amt trat der 78-Jährige von seinem Posten zurück.

Allerdings erklärte der dienstälteste Staatschef im postsowjetischen Raum auch, er habe nicht vor, sich ganz aus der Politik zurückzuziehen. Er werde weiter dem Sicherheitsrat des Landes und der Partei „Nur Otan“ vorsitzen. Und Nasarbajew bleibt auf Lebenszeit „Elbasi“, Führer der Nation.

Nasarbajew war seit 1990 Präsident Kasachstans, wurde dabei fünfmal wiedergewählt. Wie der Usbeke Islam Karimow oder der Turkmene Saparmyrat Nijasow, gehört er zu jenen Vertretern der zentralasiatischen Sowjetelite, die sich nach der Unabhängigkeit von der UdSSR an der Macht halten konnten.

Nasarbajew war ein vergleichsweise liberaler Diktator, sein Personenkult gemäßigt, er ließ zumindest teilweise freie Marktwirtschaft und einen bescheidenen Mittelstand zu. Und im Gegensatz zu Karimow oder Nijasow hat er sich nicht bis zu seinem Tod an die Macht geklammert.

Schon in Februar hatte Nasarbajew für Aufsehen in der heimischen Öffentlichkeit gesorgt, als er sich vom Verfassungsrat das Recht auf einen vorzeitigen Rücktritt bestätigen ließ. „Seine Entscheidung kam nur für das Ausland überraschen“, erklärt die kasachische Publizistin Augul Omerowa der FR. Nasarbajew gilt als jemand, der seine Entscheidungen sehr gründlich vorbereitet. „Er ist wohl der beste Polittechnologe in Zentralasien“, scherzt Omerowa. Es wird vermutet, dass er auch seine Nachfolge schon geregelt hat.

Übergangsweise ist jetzt Senatssprecher Kasym-Schomart Tokajew geschäftsführender Staatschef. Der Ex-Außenminister und stellvertretende UN-Generalsekretär gilt als erfahrener Außenpolitiker. Doch auch Nasarbajews Tochter, Dariga Nasarbajewa, kommt als mögliche Kandidatin in Frage.

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