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Delegierte der Loja Dschirga am 4.1.2004 in Kabul. Die Loja Dschirga ist ein einzigartiges Forum zur Regelung bedeutender nationaler Angelegenheiten in Afghanistan.

Kabul

Karsai will mit Taliban-Führung verhandeln

Drei Tage nach der Afghanistan-Konferenz will der afghanische Präsident Hamid Karsai Vertretern der Aufständischen die Hand reichen. Denn in Afghanistan sollen Frieden und Sicherheit einkehren.

Kabul/Hamburg. Drei Tage nach der Afghanistan-Konferenz in London hat der afghanische Präsident Hamid Karsai seinen Willen zu Gesprächen auch mit der Führung der Taliban bekräftigt.

Er wolle möglichst ranghohen Vertretern der Aufständischen die Hand reichen, um Frieden und Sicherheit nach Afghanistan zu bringen, sagte Karsai am Sonntag in der Hauptstadt Kabul. Gleichzeitig betonte er jedoch, dass dies nur für jene Taliban gelte, die keine Verbindungen zum Terrornetzwerk El Kaida hätten. "Wir Afghanen tun unser Bestes", so Karsai weiter. Der Friedensplan habe auch einen "internationalen Bezug", der berücksichtigt werden müsse.

In einem Interview des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" sagte Karsai, bei der Konferenz in London habe die Staatengemeinschaft "endlich" begriffen, wie wichtig ein Aussöhnungsprogramm mit den Taliban für Afghanistan sei. Hätten die Verbündeten das schon vor acht Jahren unmittelbar nach dem Sturz des Taliban-Regimes eingesehen, stünde Afghanistan heute besser da. "Leider haben nicht alle auf uns gehört", so Karsai. Der Westen habe erst jetzt erkannt, dass sich der Antiterrorkampf nicht gegen afghanische Dörfer richten dürfe, sondern gegen die "Rückzugsgebiete, die Trainingscamps, die finanziellen Unterstützer" der Terroristen.

Die internationale Gemeinschaft hatte sich am Donnerstag auf ein Aussteigerprogramm für gemäßigte Taliban verständigt, das in den kommenden Monaten mit umgerechnet 100 Millionen Euro unterstützt werden soll. Präsident Karsai sagte, dieses Geld werde verwendet, um Aufständische wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Die Kämpfer sollen damit "nicht bestochen werden", ihre Waffen niederzulegen. Zudem werde ein Rat für Frieden und Versöhnung ins Leben gerufen.

Die Taliban-Führung bekräftigte dagegen ihr Festhalten am "Heiligen Krieg gegen alle Invasoren". In einer am Samstag in Kabul verbreiteten Erklärung dementierten die Extremisten die Bereitschaft zur Versöhnung und jede Friedensabsicht. Berichte über ein angebliches Treffen mit dem Afghanistan-Beauftragten der Vereinten Nationen, Kai Eide, wurden als "sinnlose und gegenstandslose Gerüchte" bezeichnet. Nach diesen Berichten soll Eide Anfang Januar in Dubai mit Vertretern der Taliban zusammengekommen sein. (dpa)

Internet: www.koop-frieden.de

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