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Auch Thüringen wurde thematisiert. 

Fastnacht

Karnevalshochburgen am Rhein: Narren positionieren sich gegen rechts

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Die Karnevalshochburgen am Rhein zeigen klare Kante gegen rechts. Nicht nur die AfD wird thematisiert.

Die Kapelle kommt am Freitagabend kaum mehr zur Ruhe. Einen Tusch nach dem anderen muss sie raushauen, dann noch einen und noch einen. Begleitet werden die Musiker von applaudierenden Närrinnen und Narren, von stehenden Ovationen und einem Mann, der mit Nachdruck wieder und wieder auf das Podium haut.

Karneval am Rhein positioniert sich gegen die AfD

Es sind nur wenige Minuten seiner Büttenrede, die Andreas Schmitt in seiner Rolle als Mainzer „Obermessdiener“ der AfD widmet. So gut wie alles Entscheidende bekommt er trotzdem unter. Den aggressiven Sprech der Partei, ihre Verharmlosung des dunkelsten Kapitels deutscher Geschichte, ihre Verantwortung für Hass und Spaltung verwebt Schmitt, der für die SPD im Mainzer Stadtrat sitzt, zu seiner Rede.

Sitzungspräsident Andreas Schmitt steht als „Obermessdiener“ in der Bütt.

Geprägt ist sein Beitrag zwar noch immer von markigen Sprüchen und gereimten Zoten, Beachtung findet er trotzdem weit über die Grenzen der Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz“ hinaus. In den sozialen Medien finden sich unzählige Posts unter dem Hashtag #mainzbleibtmainz, ein Videoausschnitt des ZDF wird bis Montagnachmittag fast 150 000-mal angesehen und beinahe 2000-mal geteilt – auch von einem Publikum, das für närrisches Treiben sonst allenfalls ein Augenrollen übrig hat.

Ein bisschen ist es, als habe Schmitt, der in seiner Rede vom deutschen Rechtsruck auf den britischen EU-Austritt schwenkt, von der AWO-Affäre auf die Zölibatsdebatte, von Meghan und Harry zu Trump und Sanders, den Karnevalsvereinen von der Bütt aus Bauanleitungen zugerufen. Denn tatsächlich schoben sich am Sonntag und am Montag dann Motivwagen zu all seinen Themen durch die Fastnachtshochburgen.

Mainzer „Obermessdiener“ gegen die AfD

So wie aus Schmitts Rede gerade jene zwei Minuten tausendfach geteilt wurden, in denen der Mainzer „Obermessdiener“ gegen die AfD austeilt, mögen gerade nach dem rassistischen Terrorakt in Hanau, dem Anschlag in Halle und dem Mord an Walter Lübcke auch jene Wagen in Erinnerung bleiben, die eine deutliche Kante gegen rechts zeigen. Auf einem Düsseldorfer Motivwagen wird aus dem Zungenschlag einer Figur mit hochrotem Kopf eine Waffe. „Aus Worten werden Taten“ steht darauf. 

Von Manuel Almeida Vergara

Lesen Sie hier denFR-Kommentar über „Blackfacing“.

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