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Karikaturen-Streit um Charlie Hebdo: Iran ergreift „erste Schritte“ – Paris ist besorgt

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Von: Andreas Apetz

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Oberste Führer Ajatollah Ali Chamenei bei einem Besuch der Polizei- und Militärakademie während einer Abschlussfeier in Teheran
Oberste Führer Ajatollah Ali Chamenei bei einem Besuch der Polizei- und Militärakademie während einer Abschlussfeier in Teheran. (Archivfoto) © Iranian Supreme Leader's Office/dpa

Auf die Satirekritik der Zeitung „Charlie Hebdo“ gegen das eigene Regime reagierte der Iran mit der Schließung eines französischen Forschungsinstituts.

Teheran/Paris – Am 7. Januar jährt sich zum achten Mal der blutige Anschlag auf das Redaktionsgebäude von Charlie Hebdo. Anlässlich dieses Jahrestages brachte die Satirezeitschrift am Mittwoch (4. Januar) eine Sonderausgabe heraus. Entgegen der Erwartungen rechnet die Zeitschrift nicht mit der Vergangenheit ab, sondern befasst sich mit der Gegenwart und dem brutalen Umgang der Proteste im Iran.

In mehreren Karikaturen verspottet Charlie Hebdo das iranische Mullah-Regime und höhnt über Staatsoberhaupt Ali Chamenei. Nachdem das Außenministerium zunächst der französische Botschafter nach Teheran einbestellt hatte, ergriff der Iran „erste Schritte“ und begann mit der Schließung eines französischen Forschungsinstituts im Land. Die Regierung in Paris äußerte sich besorgt.

„Charlie Hebdo“ kritisiert Gewalt gegen Protestierende

Die Satirezeitschrift Charlie Hebdo steht bereits seit langem auf der Sanktionsliste der islamischen Republik. Am Mittwoch veröffentlichte die Zeitschrift mehrere Einsendungen eines Karikaturenwettbewerbs unter dem Motte #MullahsGetOut. Eine der Zeichnungen zeigt beispielsweise, wie sich Irans „Oberster Führer“ Chamenei an einem Strick vor dem Ertrinken in einem See aus Blut versucht zu retten.

In der Hebdo-Sonderausgabe dominieren vor allem zwei Themen: Zum einen die Gewalt gegen die Protestierenden – es wurden bereits vier junge Demonstranten durch die Regierung hingerichtet. Zum anderen stärken viele Zeichnungen die Stellung der Frauen im Iran. Entgegen der Kritik aus dem Iran verwies Frankreichs Außenministerin Catherine Colonna im Sender LCI auf den rechtlichen Rahmen der Veröffentlichung. „In Frankreich gibt es im Gegensatz zu dem, was im Iran vor sich geht, Pressefreiheit.“ Blasphemie gebe es im französischen Recht nicht.

Paris bedauert Maßnahme im Iran

Nach der Veröffentlichung der Karikaturen hat der Iran eine französische Forschungseinrichtung in Teheran geschlossen. Die Schließung des Französischen Forschungsinstituts im Iran sei „ein erster Schritt“ in Reaktion auf die Karikaturen, erklärte das iranische Außenministerium am Donnerstag (5. Januar). Teheran hatte bereits am Vortag mit einer „wirksamen und entschlossenen Antwort“ auf die Veröffentlichung gedroht.

Die französische Regierung erklärte, sie sei über die Schließung des Forschungsinstituts in Teheran noch nicht offiziell informiert worden. Sollte sich die Ankündigung bewahrheiten, wäre dies „bedauerlich“, teilte das Außenministerium in Paris mit. Das Ifri sei „eine Hochburg der Kultur und des Austauschs“. (aa/dpa/afp)

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