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Kim Jong Un übt sich in Kriegs-Rhetorik.

Kim Jong Un

„Die Karikatur eines Machtpolitikers“

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un lässt die Muskeln spielen. Sicherheitsexperte Horst Teltschik spricht im Interview über die Spannungen - und darüber, wie real die Bedrohung auf der koreanischen Halbinsel ist.

Der Westen weiß nicht sicher, welche Motive den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un, dazu treiben, die Spannungen auf der Halbinsel anzuheizen. Auch wie weit er gehen wird, sei nicht abzusehen, sagt der Sicherheitsexperte Horst Teltschik.

Herr Teltschik, teilen Sie die Einschätzung von US-Außenminister Chuck Hagel, der von einer klaren und realen Bedrohung auf der koreanischen Halbinsel spricht?

Ich teile die Sorge. Wir wissen nicht, ob da eine gewisse Automatik entsteht, die dann nicht mehr unter Kontrolle zu bringen ist.

Wie gefestigt ist die Position des jungen Staatschefs?

Es gibt viele Hinweise, dass er seine Machtposition noch festigen muss und dass dieses Bedrohungs-Szenario dazugehört. Er ist auf Unterstützung angewiesen, denn er hat gerade einen Regierungschef ernannt, der als Wirtschaftsreformer gilt.

Also ist die Innenpolitik ausschlaggebend für die Eskalation?

Sie spielt mit Sicherheit auch eine Rolle. Vielleicht will Kim der Armee seine Stärke und Entschlossenheit beweisen. Kim könnte aber auch ausloten wollen, wie weit er gehen kann, ohne dass Peking, der einzige Verbündete, eingreift. Es kann sich aber auch um eine Trotzreaktion handeln, weil die Chinesen zusammen mit den Amerikanern UN-Sanktionen gegen Nordkorea beschlossen haben. Wenn man Kim im Fernsehen sieht, wirkt er eher wie die Karikatur eines Machtpolitikers, aber man kann sich in solchen Personen sehr täuschen.

Will Pjöngjang mit seinen Drohgebärden Washington zur Aufnahme direkter zweiseitiger Atomgespräche zwingen?

Wenn das die Absicht sein sollte, ist das sicher der falsche Ansatz. Man kann nicht eine Weltmacht mit Atomschlägen bedrohen und sie damit an den Verhandlungstisch zwingen.

Ist Nordkorea zu einem Atom-Angriff überhaupt fähig?

Das weiß der Westen leider nicht, auch China ist sich dessen nicht ganz sicher. Sollte es aber auch nur einen Versuch in diese Richtung geben, werden Washington und Seoul gnadenlos reagieren und das Regime ausschalten.

Was bedeutet das?

Das würde bedeuten, dass sie die Atomanlagen zerstören – das ist das Mindeste.

Bedeuten die aktuellen Vorgänge, dass die Wiedervereinigung auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben ist?

Nach den Erfahrungen in Deutschland kann ich nur sagen: Wer weiß es? Das Szenario, das wir im Moment erleben, kann zu einem Zusammenbruch des nordkoreanischen Regimes führen. Dann könnte eine Wiedervereinigung plötzlich aktuell werden.

Das Gespräch führte Harald Biskup

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