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Das höchste australische Gericht hebt das Urteil gegen Kardinal George Pell wegen Kindesmissbrauchs überraschend auf.

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Kardinal George Pell kommt frei

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Das höchste australische Gericht hebt das Urteil gegen Kardinal George Pell wegen Kindesmissbrauchs überraschend auf.

Nach dem überraschenden Freispruch durch das höchste Gericht in Australien durfte Kardinal George Pell das australische Gefängnis am Dienstag verlassen.

Das Gericht in Brisbane hob seine Verurteilung wegen sexuellen Kindesmissbrauchs mit der Begründung auf, dass eine „vernünftige Möglichkeit“ bestehe, dass die Straftat nicht stattgefunden habe. Das höchste Gericht sprach den Geistlichen frei, nachdem er im vergangenen März zunächst zu sechs Jahren Haft verurteilt worden war und ein erstes Berufungsverfahren gescheitert war.

Kardinal Pell – einst der drittmächtigste Mann der katholischen Kirche – schrieb in einer Erklärung nach dem Freispruch, dass er „keinen bösen Willen“ gegenüber seinem Ankläger hege. „Ich habe meine Unschuld konsequent aufrechterhalten, während ich unter einer schweren Ungerechtigkeit litt.“ Sein Prozess sei jedoch kein Referendum über die katholische Kirche, noch ein Referendum darüber, wie die Kirchenbehörden in Australien mit dem Verbrechen der Pädophilie in der Kirche umgegangen seien.

2018 wegen Kindesmissbrauchs schuldig gesprochen

Ursprünglich war Pell im Dezember 2018 von einem Gericht in Melbourne wegen historischen Kindesmissbrauchs in fünf Anklagepunkten schuldig gesprochen worden. Der Vorwurf lautete, er habe zwischen Dezember 1996 und Anfang 1997 zwei 13-jährige Chorknaben in der St. Patrick’s Kathedrale in Melbourne sexuell missbraucht.

Die Anwälte Pells argumentierten jedoch, dass es nach dem Gottesdienst unmöglich gewesen sei, dass er mehrere Minuten mit zwei Chorknaben alleine in der Sakristei hätte verbringen können.

Strafmaß ursprünglich bei sechs Jahren Haft

Theoretisch hätte die Maximalstrafe nach dem Schuldspruch 50 Jahre betragen, doch das Alter und der gesundheitliche Zustand des 78-Jährigen wirkten sich strafmildernd aus. Im März 2019 war das Strafmaß dann auf sechs Jahre Haft festgelegt worden, von denen er bei guter Führung nur knapp vier Jahre hätte absitzen müssen. Pell ging nach dem Urteil sofort in Berufung, doch ein erster Antrag war im vergangenen Jahr noch abgelehnt worden.

Zum Zeitpunkt des Verbrechens vertrauten sich die Jungen niemandem an, da sie fürchteten, ein Stipendium für ihre Schule zu verlieren. Das höchste Gericht hob den Schuldspruch Pells nun endgültig auf. Nach 404 Tagen im Gefängnis ist der Kardinal wieder auf freiem Fuß.

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